DM4Q4096 Geerdet: Trainer Oliver Schilling hatte sich die Saison anders vorgestellt. © Hans-Henning Hasselberg
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Das verflixte siebte Jahr beim TSV Wallhöfen

Zum ersten Mal beendet Schilling-Elf eine Bezirksliga-Saison mit mehr Niederlagen als Siegen

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Es war nicht gerade das Jahr des TSV Wallhöfen. Platz sieben im Endklassement der Fußball-Bezirksliga Lüneburg 3 – das klingt zwar ganz und gar nicht nach einem Super-GAU. Aber wer Erfolg gewohnt und vom Ehrgeiz getrieben ist, der kann mit dieser Platzierung dann eben nicht gut leben. So ergeht es auch Oliver Schilling in diesen Wochen. Der Wallhöfener Trainer weiß besser als jeder andere, dass sein Team in der Saison 2016/2017 viel zu selten überzeugen konnte. Und weit hinter den Erwartungen geblieben ist.

Es war Schillings siebte Spielzeit als verantwortlicher Herrencoach – und es wurde ein verflixtes siebtes Jahr. Mit der schlechtesten Abschlussplatzierung, die der TSV Wallhöfen unter dem 39-Jährigen überhaupt jemals in der Bezirksliga holte. Nach zwei Vize-Meisterschaften, einem sechsten und dem dritten Platz in der Vorsaison reichte es dieses Mal "nur" zu Platz sieben. Zum ersten Mal überhaupt in diesen fünf Jahren auf Bezirksebene verloren die Kicker aus dem Waldstadion dabei mehr Saisonspiele als sie gewannen.

"Wir hatten uns definitiv mehr erhofft", redet Schilling Klartext. Sein Team war im vergangenen Juli – mit Blick auf die Neuzugänge – von vielen als einer der heißesten Titelanwärter überhaupt gehandelt worden. Der von vielen umworbene Luka Muskee, der junge Rohdiamant Patrick Hirsch, der hoch veranlagte Lasse Fehrmann waren gekommen. Und natürlich die Ex-Bornreiher Steffen Kaluza und Sönke Schröder. "Besonders in der Offensive haben alle noch unendlich viel Luft nach oben", sagt Schilling, der auch mit sich selbst haderte.

"Natürlich hinterfragt man sich in so einer Saison auch selber." War das aufwendige Pressing-System, das Schilling seit Jahr und Tag spielen lässt, noch das passende für diese Mannschaft? Denn etliche Akteure, beispielsweise die langjährigen Leistungsträger Tobias Prigge und Boris Gerschkowitsch, oder aber auch Segej Baitler und Thorsten Klindworth müssen sich seit Jahren immer wieder für dieses enorm kräftezehrende, laufintensive, aber auch psychisch anstrengende Spiel des TSV motivieren. "Auf jeden Fall gab es da in diesem Jahr Abnutzungserscheinungen", glaubt Schilling. Er ist sich sicher: "Mit einem anderen System, das nicht so aufwendig ist, hätten wir wahrscheinlich zehn Punkte mehr geholt."

Dennoch verschwendet der akribische Schilling keinen Gedanken an einen Systemwechsel. Für ihn ist das pressingorientierte Spiel mit dem hohen Anlaufen des Gegners nach wie vor das Nonplusultra im Fußball. Auch wenn es zuletzt den Anschein hatte, die meisten Gegner hätten das "System Wallhöfen" entschlüsselt. Davon will Schilling jedoch nichts wissen: "Wenn die Einstellung stimmt und alle mitziehen, dann kannst Du bei diesem System gar nichts entschlüsseln. Dann ist es perfekt." Doch das war in der abgelaufenen Spielzeit eben viel zu selten der Fall.

Einmal Platz vier, und einmal Rang zwölf. Das waren die Ausreißer einer ansonsten höchst "graumäuserisch" verlaufenen Spielzeit, in der die Schilling-Schützlinge zwischen Platz sechs und elf pendelten. Das lag in erster Linie daran, dass im Waldstadion derzeit einfach kein klassischer Knipser zu finden ist. Lasse Fehrmann ist mit acht Toren bester Torschütze, war aber immer wieder verletzt und machte nur 16 Spiele. Patrick Hirsch kam zwar 29 Mal zum Einsatz, traf aber lediglich vier Mal ins Schwarze. "Der Junge ist aber auch erst 18 und hat einen riesigen Sprung gemacht", nimmt Schilling seinen Nachwuchsmann aus der Schusslinie. Paskal Monsees traf sechs Mal – das war es dann auch mit den treffsicheren Schützen.

Oliver Schilling hat in seiner Analyse zudem einen weiteren wichtigen Punkt ausgemacht: "Wir haben immer wieder trotz großer Chancen die Führung verpasst und dann unglücklich das 0:1 kassiert. Das hat das Team oft aus der Bahn geworfen." Knappe Niederlagen waren die Folge. Wie knapp diese waren, zeigt der Blick auf das Torverhältnis. Wo 57:45 Tore in der Vorsaison noch zu Platz drei und 53 Punkten (16 Siege) reichten, sprangen in der gerade abgelaufenen Spielzeit bei 56:46 Toren lediglich 41 Punkte (bei zwölf Siegen) heraus.

Was das für die Zukunft bedeutet? Vieles – aber keine grundsätzliche Neuausrichtung des Systems. Vielmehr baut Schilling sein Team rigoros um, wird künftig mit noch mehr jungen Leuten arbeiten. Das Trio Prigge/Gerschkowitsch/Kaluza wechselt bekanntermaßen zum FC Hambergen. Die Gier soll neu entfacht werden. Und das ginge nun mal am besten mit einem pressingorientierten System. "Ritterhude in dieser Saison, oder aber auch Pennigbüttel im Vorjahr, die haben das beide überragend gemacht. Da wurde ein System gespielt, das maximalen Erfolg gebracht hat", lobt Schilling die Konkurrenz. Dennoch wäre das für den ehrgeizigen Coach am Ende nicht das entscheidende Kriterium.

"Die entscheidende Frage ist ja immer: Hat das Ganze eine Nachhaltigkeit?" Schilling zählt auf: "Pennigbüttel, Zeven, Hambergen, Bassen. In den letzten Jahren sind die Bezirksliga-Meister immer sofort wieder runtergekommen. Und hatten oftmals nicht den Hauch einer Chance in der Landesliga." Ob das mit seiner Idee vom Fußball anders wäre, weiß Schilling nicht. Aber er glaubt es. In jedem Fall aber sei die fußballerische Entwicklung eine andere, eine bessere. "Ich glaube einfach, dass man sich als Fußballer am besten entwickeln kann, wenn man den Ball hat", sagt Schilling. Und um den möglichst schnell zu kriegen, sei das Pressing einfach alternativlos.

Region/Bremen Bezirk Lüneburg Bezirksliga Bezirk Lüneburg 3 (Herren) TSV Wallhöfen (Herren)

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