11. Juni 2018 / 13:36 Uhr

Das Wunder von Scharmbeckstotel

Das Wunder von Scharmbeckstotel

Frank Mühlmann
Der Heilsbringer: Mit Trainer Philipp Meinke startete der ATSV Scharmbeckstotel eine atemberaubende und erfolgreiche Aufholjagd.
Der Heilsbringer: Mit Trainer Philipp Meinke startete der ATSV Scharmbeckstotel eine atemberaubende und erfolgreiche Aufholjagd. © Werner Maaß
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Rückblick: Bezirksligist startet beeindruckende Aufholjagd und schafft am letzten Spieltag den Klassenerhalt

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Der ATSV Scharmbeckstotel hat mit einer beeindruckenden Aufholjagd und den am finalen Spieltag sichergestellten Klassenerhalt in der Fußball-Bezirksliga 3 ein kleines Wunder vollbracht. Im Herbst 2017 hatten daran wohl selbst die kühnsten Optimisten im Verein nicht mehr ernsthaft geglaubt. Denn nach hoffnungsvollen Ergebnissen in der Vorbereitung misslang den Schwarz-Gelben der Saisonstart völlig.

Zwar punktete der ATSV gleich zu Beginn beim 1:1 in Hülsen, doch in der Folge kassierte das Team um Kapitän Eike Pupat gleich fünf Niederlagen am Stück. Oft schwächte sich Scharmbeckstotel in dieser Phase durch unnötige Platzverweise selbst und geriet so auf die Verliererstraße. Auch ein 2:1-Heimerfolg gegen den FC Worpswede brachte zwischenzeitlich keine Wende, nach vier anschließenden sieglosen Partien und dem Abrutschen auf den letzten Tabellenrang trennte sich der Verein von Trainer Rolf Bauer. Interimscoach Timo Wesemann übernahm, konnte aber kurzfristig auch keine neuen Impulse setzen. Drei Spiele und Niederlagen später präsentierten die ATSV-Verantwortlichen mit Philipp Meinke einen neuen Trainer, der das „Himmelfahrtskommando“ übernahm. „Mein erster Eindruck damals im November war aber, dass die Mannschaft trotz der nahezu aussichtslosen Situation weiterhin lebte“, erzählt Meinke rückblickend. In vielen Einzelgesprächen wurde dem neuen Mann an der Seitenlinie klar, dass der Glaube an den Klassenerhalt weiterhin bestand. Zudem bekannten sich die Spieler auch unabhängig voneinander selbst bei einem erneuten Gang in die Kreisliga zum Verein. Meinkes Premiere war gleich eine undankbare. Beim Spitzenreiter und späteren Meister Verden setzte es eine 0:5-Pleite. Doch nun bekam der 27-Jährige Zeit, seine Vorstellungen in der Winterpause in die Tat umzusetzen. „Die Vorbereitung war kein Zuckerschlecken“, macht Meinke deutlich, „im konditionellen Bereich war die Mannschaft in keinem guten Zustand.“ Zudem setzte der Trainer den Hebel im mannschafts- und gruppentaktischen Bereich an, entwickelte vor allem für die bis dato lahmende Offensive verschiedene Angriffsmuster. „Zudem haben wir eingeübt, wann wir Druck aufbauen wollen und wann nur verschieben“, gibt Meinke Einblicke.

Der Rückhalt: Nils Sievert, der mit seinen zahlreichen Paraden einen großen Anteil am Klassenerhalt hat.
Der Rückhalt: Nils Sievert, der mit seinen zahlreichen Paraden einen großen Anteil am Klassenerhalt hat. © Werner Maaß
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Der Aufwand zahlte sich aus, im ersten Match Ende Januar gelang mit dem 1:0 in Ippensen der erst zweite Saisonsieg. Aber es war einer mit Signalwirkung, denn der ATSV war dabei auch die bessere Mannschaft. Diese war nun voller Tatendrang und lechzte nach weiteren Erfolgserlebnissen. Doch jetzt stoppte das Wetter das Schlusslicht. Sechs Wochen Pause bereiteten Meinke große Sorgen, dass das Momentum wieder schnell verpuffen würde. „Vor allem war es schwer, die Spannung in dieser Zeit zu wahren und die Elf bei Laune zu halten“, macht der Trainer deutlich.

Das Team lenkte sich mit einer Kohlfahrt ab, weitere Mannschaftsabende wurden jedoch nicht ins Leben gerufen, da sie nicht die Konzentration aufs Wesentliche stören sollten. Mitte März gelang der Neustart durch ein überzeugendes 4:1 auf heimischem Rasen gegen Heesedorf. Auch kleine Rückschläge wie das 1:4 zu Hause gegen Bothel, als der ATSV sämtliche Gegentreffer nach Standardsituationen fing und entsprechend niedergeschlagen war, brachten Scharmbeckstotel nicht mehr vom Weg ab. Sage und schreibe zehn Partien in Folge blieb das Meinke-Team daraufhin ungeschlagen. Torhüter Nils Sievert ragte dabei heraus und rettete gleich mehrfach Punkte. Zudem beeindruckte Alexander Kistner im zentralen Mittelfeld, der sich bis zu seinem Mittelfußbruch erstaunlich schnell an die Härte und das Niveau im Herren-Bereich gewöhnt hatte. „Ich muss aber auch unseren vorbildlichen Kapitän Eike Pupat hervorheben, der nicht nur in der Saisonendphase stets mit einem Muskelfaserriss auflief, sondern mir auch außerhalb des Platzes einige Aufgaben abnahm“, verteilt Meinke ein Sonderlob.

Doch die Serie verschleiert, dass der ATSV inmitten dieser an einem emotionalen Tiefpunkt angelangt war. Beim VSK Osterholz-Scharmbeck verspielte er eine 4:2-Führung und verpasste so einen möglichen Befreiungsschlag. „Damals kamen erstmals innerhalb der Mannschaft Zweifel auf, ob es noch reichen würde“, beschreibt Meinke, der fortan mit dem Motto: „Bis zum bitteren Ende“ dagegen steuerte.

Nach dem 5:3 in Lilienthal stand der ATSV nach einer gefühlten Ewigkeit erstmals wieder über dem Strich, was zusätzliches Selbstvertrauen auslöste. Doch das Zittern blieb. Die Konkurrenz punktete ebenfalls, sodass der ATSV am letzten Spieltag noch einen Punkt in Hambergen benötigte. Nach dem überraschenden 2:1 kannte die Freude keine Grenzen mehr, und es wurde im eigenen Vereinsheim bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

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