Uwe Freimuth nahm 1988 bei den Olympischen Spielen teil und steht jetzt als Schieds- und Linienrichter an der Seitenlinie. Uwe Freimuth nahm 1988 bei den Olympischen Spielen teil und steht jetzt als Schieds- und Linienrichter an der Seitenlinie. © imago/Marius Böttcher
Uwe Freimuth nahm 1988 bei den Olympischen Spielen teil und steht jetzt als Schieds- und Linienrichter an der Seitenlinie.

DDR-Zehnkampf-Rekordhalter Uwe Freimuth pfeift für den MSV Neuruppin

Der gebürtige Rathenower Uwe Freimuth war einst einer der besten Zehnkämpfer der Welt und ist nach einem zehnjährigen Aufenthalt in Asien in Neuruppin heimisch geworden.

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„Es schließt sich für mich ein Kreis, ich bin wieder da, wo ich einst anfing“, packt Uwe Freimuth ein Gefühl von Heimat. Der gebürtige Rathenower lebt nach Jahren der Sportentwicklungsarbeit in Südostasien seit einigen Monaten gemeinsam mit seiner Partnerin in der Fontanestadt Neuruppin. In unzähligen Sportgeschichtsbüchern taucht Freimuth auf, den DDR-Rekord im Zehnkampf (8792 Punkte), welchen er am 21. Juli 1984 im Stadion am Luftschiffhafen in Potsdam aufstellte, kann ihm niemand mehr nehmen.

Trauer über die Olympia-Boykott

Er hätte noch mehr erreichen können, doch die Olympischen Spiele in Los Angeles, die nur wenige Tage nach seinem Fabelwettkampf begannen, fanden ohne ihn statt. Die DDR boykottierte die Olympischen Spiele, in der Form seines Lebens war Freimuth zum Zuschauen verdammt. „Es gibt noch heute Momente, da trauer ich den verpassten Spielen hinterher. Man würde in jeder Chronik auftauchen“, so Freimuth. In Seoul (Südkorea) vier Jahre später wird sein Olympia-Traum doch wahr, als Nachrücker kommt er aber nicht über den 18. Platz hinaus.

Uwe Freimuth ist Zehnkampf-Rekordhalter der DDR und steht inzwischen im Fußbalkreis Prignitz/Ruppin als Schiedsrichter auf dem Feld - Stationen seines Lebens zurück.

Neben unzähligen Wettkämpfen fand der ehemalige Leistungssportler, der für den ASK Vorwärts Potsdam startete, auch noch Zeit für eine berufliche Basis. Ab 1981 studierte er Sport in Leipzig und promovierte später. Nach der aktiven Laufbahn war er als Trainer tätig, doch die Entwicklung des Sports lag ihm immer am Herzen. Er forschte, entwarf ein Online-System für Trainingsanalysen und ging auf große Reise. Diese führte über Kuala Lumpur (Malaysia), München und Würzburg nach Australien, wo Freimuth die malaysische Hockey-Nationalmannschaft auf die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking vorbereitete.

"Ich will die großen Pinselstriche setzen"

Anschließend leitete er im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Auswärtigen Amtes als Sportdirektor des vietnamesischen Leichtathletik-Verbandes ein Langzeitprojekt in Hanoi. „Der Erfolg gibt deiner Arbeit letztlich Recht“, sagt Uwe Freimuth, der das erfolgreiche Abschneiden der vietnamesischen Leichtathleten bei der diesjährigen Südostasien-Meisterschaft auch auf seine Grundlagenarbeit zurückführt. Seit September 2013 leitet der Weltenbummler den Master-Studiengang „International Sport & Event Management“ an einer Privatuniversität in Berlin, obwohl ihn immer wieder neue Angebote erreichen. „Anfragen gibt es en masse“, sagt Freimuth, mehrere Sportinstitutionen aus Südkorea, Thailand oder Singapur strecken ihre Fühler nach dem Ex-Leichtathleten aus.

In der Zukunft würde ein Trainerjob für den gelernten Diplom-Sportlehrer ohnehin nicht in Frage kommen, vielmehr würde er seine jahrzehntelange Erfahrung für eine landesweite Strukturentwicklung nutzen wollen: „Eine leitende Tätigkeit sollte es schon sein, ich will die großen Pinselstriche setzen.“ Mindestens bis zu seinem 60. Lebensjahr will Freimuth, dessen Sohn Rico als Zehnkämpfer in die Fußstapfen des Vaters trat und im Sommer Vizeweltmeister wurde, nun vorerst in der Region bleiben und jungen, wissbegierigen Studenten die Fachbereiche, die ihn selbst wahnsinnig interessieren, erläutern. „Ich bin gerne Dozent. Was mir dabei aber fehlt, ist der Kick“, sagt Uwe Freimuth.

Aufwandsentschädigung wird gespendet

Auf der Suche nach einer sportlichen Alternative entdeckte der 56-Jährige in der Kreisstadt Ostprignitz-Ruppins eine einstige Leidenschaft wieder: den Fußball und das Leiten von Spielen. 1994 war er Mitbegründer des BSC Rathenow sowie dessen erster Präsident, ging als Stürmer auf Torejagd und überwand im Training auch oftmals Zwillingsbruder und Torwart Jörg, der bei den Olympischen Spielen 1980 die Bronzemedaille im Hochsprung gewann. Von 2004 bis 2007 war er als Schiedsrichter für die SG Saarmund aktiv, jetzt sorgt er auch auf den Plätzen im Ruppiner Land für Recht und Ordnung. „Seit September bin ich als Referee dabei, pfeife für den MSV Neuruppin und mache das mit großer Freude“, berichtet er. Vom Olympischen Dorf auf den Dorfsportplatz.

Seine Rolle als Unparteiischer nimmt Freimuth aber mindestens so ernst wie einen früheren Wettkampf. „Es gibt eine Erfolgsformel, in der Motivation, Investment, Hingabe und Philosophie stecken. Ich will auch als Schiedsrichter mein Bestes geben, nicht der Gegner sein. Bisher habe ich positives Feedback von Spielern und Trainern erhalten“, erklärt er, das ihm auch Dinge wie ein gemeinsames Kaltgetränk, nette Gespräche oder eine Runde Karten wichtiger sind als die Aufwandsentschädigung. „Das Geld für ein Spiel der E-Junioren spende ich der Mannschaftskasse, da freuen sich die Knirpse“, sagt Freimuth. Die Freude der Kinder ist ihm da sehr viel mehr wert.

Region/Brandenburg Kreis Prignitz/Ruppin MSV 1919 Neuruppin MSV 1919 Neuruppin (Herren) BSC Rathenow SG Saarmund

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