10. Oktober 2018 / 15:11 Uhr

Dennis Offermann: "Ich muss für die Ergebnisse den Kopf hinhalten"

Dennis Offermann: "Ich muss für die Ergebnisse den Kopf hinhalten"

Nastassja Nadolska
- Brinkum  Trainer Dennis Offermann
Trainer Dennis Offermann und der Brinkumer SV stecken in der Fußball-Bremen-Liga momentan in einer schwierigen Situation. © Udo Meissner
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Der Trainer des Brinkumer SV spricht über den schlechten Saisonstart und die derzeitige Situation des amtierenden Bremen Liga-Meisters

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Herr Offermann, nach dem 4:0-Sieg gegen OSC Bremerhaven sind Sie bestimmt etwas entspannter ins Wochenende gegangen als sonst.

Dennis Offermann: Das trägt auf jeden Fall positiv dazu bei, das ist wohl richtig. Man konnte entspannt auf die anderen Ergebnisse gucken.

Nach langer Zeit hat Ihre Mannschaft wieder einen sehr guten Fußball gespielt. War der Gegner so schlecht oder war ihr Team einfach zu stark?

Man kann das immer von beiden Seiten aus betrachten. An diesem Tag war es ein Zusammenspiel davon. Einerseits haben wir, wie Sie schon sagten, endlich mal wieder einen guten Fußball sowohl spielerisch als auch leidenschaftlich gezeigt. Wir haben sehr gut die Zweikämpfe geführt, was immer sehr wichtig ist. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass der OSC uns viele Räume zum Spielen gelassen hat. Das haben wir an diesem Tag natürlich ausgenutzt. Von daher würde ich schon sagen, dass es jetzt nicht nur an der Schwäche des Gegners lag, sondern dass wir vieles einfach anders gemacht haben als in den Spielen zuvor.

Was war der Grund, dass sich die Mannschaft in den anderen Spielen anders präsentiert hat?

Das kann man pauschal mit einem Grund jetzt nicht benennen. Ich glaube, dass da aktuell einfach sehr viel zusammenkommt. Dazu zählt die Personalsituation, die schon ausschlaggebend dafür ist, aber nicht nur die allein. Wenn man auf dem Platz steht, kann man rennen, kämpfen und ackern. Das ist uns halt abhanden gekommen. Den Vorwurf müssen wir uns auch gefallen lassen. Dass aktuell spielerisch nicht alles funktionieren kann mit einer Mannschaft, die immer wieder positionell und personell verändert werden muss, ist klar und das geht auch nicht spurlos an dem Team vorbei. Ich glaube, dass diese ganze Konstellation mit der gewonnenen Meisterschaft dazu geführt hat, dass der unbändige Wille, jedes Spiel zu gewinnen, weniger geworden ist. Ich glaube, so spielt das eine mit dem anderen ein Stück weit zusammen.

In dieser Saison wurde oft davon gesprochen, dass sich die Mannschaft noch finden muss. Ist das aktuell noch der Fall?

Gerade sind wir in einer Situation, die die Spieler so nicht kennen. In Brinkum sind wir davon verwöhnt gewesen, dass wir, wenn wir unsere Leistung abgerufen haben, das Spiel am Ende auch gewonnen haben. Da wir momentan aber eher gegen den Abstieg spielen, ist das für die Mannschaft ziemlich ungewohnt. Dazu kommen die geringe Trainingsbeteiligung aufgrund der Verletzten und auch die Niederlagenserie. Das sind Dinge, die man so nicht gewohnt ist. Da muss man manchmal auch eher als Psychologe agieren, weil da einiges zusammenkommt. Dass man jetzt aber behaupten kann, dass sich die Mannschaft noch finden muss, würde ich jetzt so nicht sagen.

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Sie sagten, dass sie momentan nicht nur als Trainer, sondern auch als Psychologe agieren müssen. Wie schwierig ist es in der jetzigen Situation, die Mannschaft für das nächste Spiel zu motivieren?

Grundsätzlich liebe ich meine Arbeit, und ich liebe es, die Leute und mich selbst zu motivieren. Das macht mir Spaß. Deswegen würde ich jetzt nicht sagen, dass es mir schwerfällt.

Dennoch scheint es so, als würde der Funken noch nicht ganz überspringen. Fangen Sie zu diesem Zeitpunkt als Trainer schon an, sich selbst zu hinterfragen, beziehungsweise zweifeln Sie in solchen Momenten an Ihrer Arbeit?

Es ist natürlich so, dass du als Trainer in der Verantwortung und in der Pflicht bist. Ich bin der Kopf der Mannschaft und bin für all das, was sportlich auf dem Platz passiert, verantwortlich, egal wie die Umstände links und rechts sind. Ich muss für die Ergebnisse hinterher den Kopf hinhalten und das ist auch in Ordnung. Natürlich überlegt man permanent, wie man was verändern, was man verbessern kann, und ich glaube, es wäre ein schlechtes Verhalten, wenn man nicht auch an sich arbeitet und auf sich guckt, ob man Dinge vielleicht anders gestalten kann. Gerade in der jetzigen Situation, die für alle ja neu ist. Ich würde aber jetzt nicht sagen, dass ich an meiner Arbeit zweifele, weil ich schon glaube, dass wir das, was wir uns auf dem Platz vornehmen, auch umsetzen. Aber was wir natürlich überdenken müssen, ist die Art und Weise, wie man in gewissen Situationen mit der Mannschaft trainiert und agiert, ob man vielleicht andere Dinge ausprobiert. Das überlegt man schon.

Oft wird davon gesprochen, dass es zu viele Verletzte gibt und der Kader zu dünn besetzt ist. Besteht noch Nachholbedarf in Sachen Personal?

Quantitativ besteht Nachholbedarf, weil von den 21 Leuten, mit denen wir in die Saison gestartet sind, drei schon gar nicht mehr zum Kader gehören. Dazu kommen die Langzeitverletzten. Im Winter ist das aber nicht ganz so einfach, weil Neuzugänge erstens finanziell stemmbar sein und zweitens der Mannschaft spielerisch weiterhelfen müssen. Da muss man im Winter schauen, was auf dem Markt zur Verfügung steht.

Die Ziele wurden im Laufe der Saison immer weiter heruntergeschraubt. Sie erwähnten sogar schon den Kampf gegen den Abstieg. Halten Sie noch immer an Ihrer Aussage fest?

Der Weg wird nach wie vor aufgrund der Situation schwierig bleiben. Nur weil wir jetzt mal wieder ein Spiel souverän gewonnen haben, werden wir nicht sagen, dass es nun nach oben geht. Wir müssen von Woche zu Woche an unser Limit gehen. Aber ich glaube, das haben jetzt einige Jungs auch endlich verstanden. Jetzt sind wir gerade Neunter. Natürlich ist da noch was machbar, um zumindest noch eine versöhnliche Saison zu spielen. Wir werden auf jeden Fall kein Wort im Meisterschaftskampf mitreden. Das werden der Bremer SV und der FC Oberneuland unter sich ausmachen.

Am kommenden Sonntag geht es zum amtierenden Pokalsieger und Tabellennachbarn BSC Hastedt. Was erwarten Sie von ihrer Mannschaft?

Ich erwarte von meinen Jungs, dass sie das Spiel gegen Bremerhaven abspeichern und die Leistung, die wir auf den Platz gebracht haben, wieder abrufen. Ich glaube, dass der Groschen gefallen ist und wir die Grundtugenden auf den Platz bringen müssen und können. Hastedt liegt, ähnlich wie wir, hinter den Erwartungen nach dem Pokalsieg. Von der Qualität her müssten sie eigentlich in der Tabelle woanders stehen. Wir wollen aber das Spiel auf jeden Fall gewinnen.

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