10. August 2018 / 13:02 Uhr

"Der Aufstieg in die Bezirksliga ist ein logisches, nicht unrealistisches Ziel!"

"Der Aufstieg in die Bezirksliga ist ein logisches, nicht unrealistisches Ziel!"

Marc Boekelmann
Stiller Genießer: Lars Ebeling (3.v.l.) inmitten seiner erfolgreichen Mannschaft nach dem Gewinn des VGH-Kreispokals. In der neuen Saison will der Trainer der Löwen aus der Hoffmannstadt noch mehr. USER-BEITRAG
Stiller Genießer: Lars Ebeling (3.v.l.) inmitten seiner erfolgreichen Mannschaft nach dem Gewinn des VGH-Kreispokals. In der neuen Saison will der Trainer der Löwen aus der Hoffmannstadt noch mehr. © Wolfsburger Allgemeine Zeitung
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Lars Ebeling, Trainer vom VfB Fallersleben im ausführlichen Interview.

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Er hat den VfB Fallersleben in einer sportlich nicht leichten und chaotischen Zeit übernommen und Schritt für Schritt nach dem tiefen Fall von der Landes- bis in die Kreisliga wieder aufgebaut. Der Lohn war eine starke Saison 2017/18 mit der Vizemeisterschaft in der Kreisliga Wolfsburg und dem Gewinn des VGH-Kreispokals. Die Rede ist von Lars Ebeling, der seit Ende Februar 2015 als Trainer der Löwen aus der Hoffmannstadt das Sagen hat. Mit seiner anpackenden und ehrgeizen Art hat der 34-jährige in den letzten drei Jahren viele Sympathien bei den Anhängern des VfB gewonnen. Nun soll es mit dem Verein nach zwei ordentlichen Jahren mit dem sechsten und zweiten Tabellenplatz in der Kreisliga wieder nach oben in die Bezirksliga gehen. In diesem ausführlichen Interview verrät Lars Ebeling einiges über seine sportliche Vergangenheit, warum ihm die Jugendarbeit beim VfB Fallersleben sehr wichtig ist und weshalb er sich für die kommende Saison das Ziel Aufstieg deutlich auf die Fahne geschrieben hat. 

Herr Ebeling, erst einmal vielen Dank, dass sie sich die Zeit für ein Interview genommen haben. Heute wollen wir mit ihnen ausführlich über ihre Laufbahn als Fußballer, ihre bisherige Zeit beim VfB Fallersleben sowie natürlich über die abgelaufene Saison 2017/18 ihrer Mannschaft sprechen. Fangen wir an:

Sie wurden am 8. Februar 1984 im hessischen Eschwege geboren. Wo fing ihre Laufbahn als Fußballer an?

Meine Laufbahn begann ich bei meinem heimischen Dorfverein TSV Ulfegrund (in Ulfen, einem Ortsteil von Sontra im hessischen Werra-Meißner-Kreis, d.R.). Später bin ich dann weiter zur JSG Sontra/Wichmannshausen gewechselt. Über die Kreis-, Bezirks- und Hessenauswahl wurde ich zu DFB-Lehrgängen eingeladen und gelangte so schnell in den Fokus höherklassiger Vereine. So bin ich dann mit fünfzehn Jahren zur B-Jugend von Eintracht Frankfurt gewechselt und von dort aus zwei Jahre später hier in diese Region zur A-Jugend vom VfL Wolfsburg. In dieser Zeit wurde ich sogar für die deutsche U19-Nationalmannschaft nominiert, wo ich mit Spielern wie Christian Lell sowie den späteren Weltmeistern Bastian Schweinsteiger und Per Mertesacker zwei Länderspiele bestreiten durfte. Nachdem ich schließlich in den Herrenbereich zur zweiten Mannschaft des VfL aufrückte, begann für mich sehr früh eine große und lange Leidenszeit mit vielen Verletzungen, die leider dazu führten, dass ich mit professionellen Fußball aufhören musste.

Ende Februar 2015 traten sie ihr Amt als Trainer vom VfB Fallersleben an. Der Verein hatte gerade chaotische Monate mit vielen Entlassungen und Rücktritten sowie den Verlust einer ganzen Mannschaft hinter sich gelassen und lieferte ein nicht gerade positives Außenbild ab. Was war ihr erster Eindruck in dieser Situation?

An sich habe ich mir am Anfang relativ wenig Gedanken in dieser Situation gemacht, da ich ursprünglich ja nur für ein halbes Jahr aushelfen sollte. Generell ist es schon sehr bitter und traurig, was im Verein damals alles passiert ist. Da ich bei den Vorgängen aber nicht dabei war, kann ich dazu leider wenig zu sagen.

In der Rückrunde dieser Landesliga-Saison 2014/15 musste die neu zusammengewürfelte VfB-Mannschaft viele, teils deftige Niederlagen durchstehen, damit die Spielzeit beendet werden konnte. War es für sie als Trainer nicht schwer, die Mannschaft psychologisch immer wieder aufzubauen?

Eigentlich überhaupt nicht, weil allen klar bewusst war, dass wir kaum eine Chance haben würden. Wichtig war es, im Training für viel Spaß zum nötigen Ernst zu sorgen, wenn es am Wochenende zuvor bei einem Spiel auf den Deckel gegeben hatte.

Auch in der anschließenden Bezirksliga-Saison 2015/16 setzte es für den VfB viele, oft hohe Niederlagen. Hatten sie während der anhaltenden Niederlagenserie auch mal eine Phase, wo sie die Flinte am liebsten ins Korn geworfen hätten?

Ein ganz klares Nein. Um die Flinte ins Korn zu werfen bin ich der falsche Ansprechpartner. Darüber habe ich nicht eine Sekunde nachgedacht.

Seitdem sich der Spartenvorstand im Februar 2016 mangels Nachfolger aufgelöst hat, wird beim VfB Fallersleben der Fußball als Fachbereich geführt. War es für sie schwierig, die aktuell für den Fachbereich zuständigen Personen ins Boot zu holen, oder haben alle sofort mitgezogen?

An sich habe ich eigentlich nicht sehr viel dazu beitragen müssen, da unser damaliger Geschäftsführer und heutiger Vorsitzender Dr. Nicolas Heidtke das eher vorangetrieben und nach dem Ausscheiden von Frank Heinecke (Fußball-Spartenleiter von Februar 2015 bis Februar 2016, d.R.) mit Raphael Wehnert noch einen Mitarbeiter der Geschäftsstelle mit ins Boot genommen hat. Während sich die beiden Parteien um den Jugendbereich kümmern, habe ich mich dazu bereit erklärt, den Bereich der Senioren und Herren zu koordinieren und das Sponsoring zu übernehmen.

Sie sprechen es an - neben ihrer Anstellung als Trainer führen sie noch dazu diese beiden Tätigkeiten aus. Ist diese Arbeit für sie schon ein anstrengender "Full-Time-Job", oder macht es ihnen aber dennoch Spaß, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu stemmen?

In erster Linie sehe ich mich natürlich als Trainer. Bei den anderen Tätigkeiten werde ich aber auch sehr von den einzelnen Trainern bzw. Mannschaftsverantwortlichen sowie von den Mitarbeitern des Vereins unterstützt. Insgesamt läuft das ganz gut, jedoch würde ich mich lieber mehr auf das Sportliche, sprich meine Mannschaft, konzentrieren, was allerdings derzeit nicht so möglich ist. Aber es ist gut zu bewältigen, da alle mitziehen.

Beim VfB ist nach der langen sportlichen Talfahrt nach zwei ruhigen, ordentlichen Kreisliga-Saisons 2016/17 und 2017/18 endlich wieder Ruhe eingekehrt. Wie sehen sie die Entwicklungen rund um den Verein?

Ich glaube, dass der Verein sich nicht nur sportlich gefangen hat, sondern auch hinter den Kulissen wieder vernünftig geführt wird. Dennoch würde ich es sehr begrüßen, wenn sich Personen finden würden, die den Verein ehrenamtlich mit unterstützen. Leider gestaltet es sich als schwierig, solche Personen zu finden. Also, wer dieses Interview lesen sollte und sich berufen fühlt, kann sich gerne bei mir melden. Es braucht keiner zu glauben, dass er gleich ganz neue Strukturen aufbauen oder gar das Rad neu erfinden muss. Die Grundsteine sind schon gelegt, aber es gibt trotzdem immer Platz für genügend neue Ideen. Ich denke aber, dass es in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, Personen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen. Das geht anderen unterklassigen Vereinen hier in der Region aber genauso.

Hoffen sie auch, dass sich nach der Auflösung des VfB-Fanclubs "Löwen von Fallersleben" im Mai 2016, welcher fast 23 Jahre lang für die Stimmung auf dem Windmühlenberg in Fallersleben sorgte, wieder ein gewachsener Fanstamm finden wird?

Ich glaube, dass es eher schwierig ist, wieder so einen Fanstamm zu gewinnen, wie er es beim VfB mal war. Allerdings sieht man seit zwei Jahren schon meist die gleichen Gesichter bei unseren Heimspielen und ich denke, dass mit noch mehr sportlichen Erfolgserlebnissen dann auch sicher wieder mehr Zuschauer dazukommen werden.

Nun kommen wir endlich zur abgelaufenen Saison. Erstmal noch nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des VGH-Kreispokals, den ihre Mannschaft mit einem 2:0-Sieg über den TV Jahn Wolfsburg geholt hat. Wie fühlt es sich für sie nachwirkend an?

Es war ein schöner Abschluss der letzten Saison und auch eine gewisse Genugtuung nach den ganzen vorangegangenen Zeiten und Misserfolgen.

Dieser Pokalsieg rundet eine starke Saison ab, welcher der VfB Fallersleben in der Kreisliga auf dem zweiten Tabellenplatz abgeschlossen hat. Vor der Saison hatten sie die ersten Drei als Ziel ausgegeben - nun können sie mit Sicherheit zufrieden sein, oder?

Richtig, wir wollten unter die ersten Drei. Spätestens nach unserer 1:3-Niederlage zum Rückrundenstart gegen den SSV Vorsfelde II war klar, dass wir höchstens nur noch um den zweiten Platz spielen können und das war fortan das Ziel, welches wir am Ende auch erreichten.

In welchen Punkten hat sich ihre Mannschaft in der letzten Saison im Vergleich zur Saison davor gesteigert, in welchen muss sie sich aber noch verbessern?

Wir haben weniger Gegentore bekommen im Vergleich zur Vorsaison und auch wieder über 100 Tore erzielt. Da ist auf jeden Fall offensiv eine Konstanz und defensiv eine Entwicklung zu erkennen, aber mit 46 Gegentoren bin ich natürlich noch nicht zufrieden. Außerdem haben wir zu viele unnötige Punktverluste gehabt, u.a. nach deutlichen Führungen noch remis gespielt oder gar verloren. Hier müssen wir uns definitiv noch steigern.

Welche Spieler haben sie in der abgelaufenen Saison besonders positiv überrascht?

Besonders positiv war das Engagement der Spieler aus der A-Jugend. Wirklich überraschend waren ihre Leistungen für mich aber nicht, da sie alle ein gutes Niveau mitbringen. Sie haben alle gezeigt, dass sie sich auch im Herrenbereich durchsetzen können und unser Spiel nach vorne bringen.

Sie haben bereits für die neue Saison sehr mutig das Ziel Aufstieg in die Bezirksliga ausgegeben. Was überzeugt sie, dass ihre Mannschaft diesen großen Schritt in der neuen Saison schaffen kann?

Ich denke nicht, dass es mutig ist, die Meisterschaft in der Kreisliga mit Aufstieg in die Bezirksliga als Ziel auszugeben. Wir haben wie gesagt unser letztes Ziel, unter die ersten Drei zu kommen, erreicht, sind Zweiter geworden und haben den Kreispokal gewonnen. Zur neuen Saison konnten wir mehrere gute Spieler verpflichten, welches uns nochmal verstärken werden. So ist es eher logisch und somit auch nicht unrealistisch, dieses Ziel zu definieren.

Mit Andrea Russo (SSV Vorsfelde) sowie Marco Cuccia und Davide Grasso (beide U.S.I. Lupo/Martini Wolfsburg II) haben sie drei schon höherklassig erfahrene Spieler verpflichtet. Würden sie sagen, dass sie ihr im letzten Jahr persönlich angekündigtes Ziel erreicht haben, den VfB Fallersleben wieder für diese Art von Spielern interessant zu machen?

Ja, ich glaube, es ist uns gelungen, den Verein wieder attraktiver für gestandene Spieler zu machen. Ich bin überzeugt, dass die Jungs uns helfen werden und Potenzial haben. Wir haben darunter einige Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Neben Andrea Russo, Marco Cuccia und Davide Grasso konnten wir auch mit Niklas Kloth einen jungen Torwart aus der A-Jugend von U.S.I. Lupo/Martini Wolfsburg für uns gewinnen. Mit Robin Kohtzer kommt noch ein Mittelfeldspieler hinzu, welcher in unsere Gegend gezogen ist.

In der neuen Saison wird wieder eine zweite Herrenmannschaft für den VfB Fallersleben an den Start gehen. Ist das Interesse daran groß und wie kam es dazu, nachdem sie in der ersten Herrenmannschaft in der letzten Saison noch einige Male personelle Engpässe hatten und auf die A-Jugend zurückgreifen mussten?

Die neue zweite Herrenmannschaft kam wegen mehrerer Umstände zustande. Der Verein hat einen Trainer gefunden, der einige Spieler mitbringt und somit eine Möglichkeit schafft, die Spieler, für die es nicht für die erste Herrenmannschaft reicht, im Verein zu halten.

Wie schätzen sie die Kreisliga Wolfsburg in der kommenden Saison ein? Wen zählen sie zu den Favoriten neben ihrer Mannschaft um den Aufstieg und wer dürfte eher nur um den Klassenerhalt spielen?

Ich denke, die Liga wird nächstes Jahr wieder sehr ausgeglichen. Mannschaften wie den TSV Ehmen, den TSV Heiligendorf, den TV Jahn Wolfsburg oder auch den ESV Wolfsburg muss man erstmal schlagen, wenn man oben stehen will. Sie werden sicher allesamt eine gute Rolle spielen und jede dieser Mannschaften kann am Ende auch um die Meisterschaft und den Aufstieg spielen. Am stärksten schätze ich jedoch die FSG Neindorf/Almke ein. Auch den Vorjahresabsteiger SV Barnstorf schätze ich stark ein, wenn deren Kader zusammengeblieben ist. Der SV Nordsteimke und die SG Kästorf/Warmenau/Brackstedt werden wohl gegen den Abstieg spielen.

Vor einigen Wochen sind sie mit ihrer Mannschaft in die Vorbereitung eingestiegen. Ist der Trainingsauftakt für sie positiv und zufriedenstellend verlaufen?

Es ging. Leider hatten wir wie alle anderen Amateurvereine in Wolfsburg auch das Problem mit dem Werksurlaub und dadurch nicht immer alle Mann an Bord.

Mit 4:0 hat ihre Mannschaft den klassenhöheren SV Grün-Weiß Calberlah in der ersten Runde im Bezirkspokal besiegt. Wie hoch werten sie diesen deutlichen Erfolg?

Es war ein schöner Erfolg, den ich aber auch nicht überbewerte, da die Gäste schon etwas ersatzgeschwächt und nicht mit ihrer besten Mannschaft angetreten waren. Aber dennoch ist ein Sieg in der ersten Runde über einen Bezirksligisten schon eine tolle Sache.

In der kommenden Runde des Bezirkspokals empfängt ihre Mannschaft nächste Woche dann den Landesligisten SSV Kästorf. Denken sie, ihre Mannschaft kann auch gegen diesen Gegner bestehen?

Ich denke, hier sind wir dann krasser Außenseiter. Aber genau darin liegt auch eine Chance- vielleicht werden wir unterschätzt!

Sind noch Neuzugänge geplant oder steht der Kader?

Weitere Neuzugänge sind nicht mehr geplant, der Kader steht.

Was läuft bisher in der Vorbereitung rund um den Verein positiv und was eher negativ?

Ich kann mich nicht beklagen, da ich die volle Unterstützung von unserem Vorsitzenden Dr. Nicolas Heidtke habe. Ich und meine Jungs haben alles, was man braucht, um erfolgreich Fußball zu spielen.

Zum Abschluss noch - in welchem Punkt hat sich ihre Mannschaft in den letzten zwei Jahren besonders weiterentwickelt?

Ich denke, dass die Jungs nun einfach erfahrener sind. Viele haben nun schon zwei oder auch drei Jahre Herrenfussball hinter sich. Fußballerisch haben fast alle ein sehr gutes Niveau. Jetzt gilt es, sich auch taktisch noch besser und cleverer zu verhalten. Wenn uns das gelingt, sind wir schwer zu schlagen. Auch die Neuzugänge werden uns wie gesagt nochmal auf ein höheres Niveau bringen.

Vielen Dank für das Interview und noch eine ruhige, weitgehend verletzungsfreie Vorbereitung!

Zugänge: Bauer, Grubert, Hahn, Korsch, Krizak, Ponischil (eigene A-Jugend), Cuccia, Grasso (U.S.I. Lupo/Martini Wolfsburg II), Kloth (U.S.I. Lupo/Martini Wolfsburg A-Jugend), Kohtzer (unbekannt), Russo (SSV Vorsfelde).

Abgänge: Blauth (eigene 2. Herrenmannschaft), Cinciper (TSG Mörse), Klatt (Studium), Kohl (FSV Schöningen 2011), Mekpagbe (1. FC Wolfsburg II), Neumann, Vollbach (Ziel unbekannt).

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