Matthias Sammer wird 50. Die Ikone des Dresdner Fußballs kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken.  Matthias Sammer wird 50. Die Ikone des Dresdner Fußballs kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken.  © dpa
Matthias Sammer wird 50. Die Ikone des Dresdner Fußballs kann auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. 

Der „Feuerkopf“ lässt es ruhiger angehen

Matthias Sammer feiert heute auf der Deutschen liebster Insel seinen 50. Geburtstag

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Dresden. Jahrzehntelang war er omnipräsent in den Medien: Matthias Sammer gehörte zu den gefragtesten Protagonisten des deutschen Fußballs. Ob als einer von Dynamos Meisterspielern, ob als Kapitän der DDR-Auswahl und später der DFB-Elf, als Spieler und Trainer von Borussia Dortmund, als DFB-Sportdirektor oder Sportvorstand von Bayern München – Sammer ging auf und nebem dem Platz voran, stand so ständig im Fokus. Oft war er der Mahner, nicht selten der „Motzki“. Ein Typ, der keinen Müßiggang kannte, besessen vom Erfolg, leidenschaftlich und streitbar war. Einer, der sich und andere nicht schonte, weil es ihm um die Sache ging: die Weiterentwicklung seiner Mannschaft oder des Fußballs im Allgemeinen. Prinzipiell hat sich daran nicht viel geändert, nur taucht Sammer, der heute im Familienkreis auf Mallorca seinen 50. Geburtstag feiert, nicht mehr täglich in den Medien auf. Er hat beruflich einiges an Verantwortung abgegeben, um der Verantwortung für sich und seine Familie gerecht zu werden.

Der „Feuerkopf“, so der Titel seiner 2001 erschienenen Biographie, gönnte sich nach seinem am 10. Juli 2016 auf eigenen Wunsch erfolgten Abschied von der berühmten Säbener Straße eine Auszeit und kehrte erst mit dem Beginn der aktuellen Bundesliga-Saison als Eurosport-Experte ins Rampenlicht zurück. Eine Durchblutungsstörung im Gehirn – „ein kleiner Streifschuss“, wie er heute selber sagt – bewog den Workaholic dazu, im hektischen Fußball-Zirkus kürzer zu treten. „Eine ganz kleine Geschichte, aber für mich schon mit einer großen Wirkung, um zu sagen: Stop!“, wie er es vor wenigen Tagen in einem MDR-Interview beschrieb. Reichlich ein Jahr sammelte er frische Kräfte und arbeitete seine ungemein erfolgreiche, aber auch von Tiefschlägen geprägte Ausnahmekarriere auf. Ganz fertig ist er bis heute nicht, wie er vor wenigen Wochen bei „19:53 – der Dresdner Fußball-Talk“ offen einräumte: „Ich wollte mein ganzes Leben ein Stück weit reflektieren – und das mache ich bis heute. Deshalb habe ich gesagt: Ich muss rausgehen, ich muss mir Zeit nehmen, ich muss auch aushalten, aber ich muss das aufarbeiten.“

Sammers Herzensangelegenheit ist die Nachwuchsförderung

Als Fernsehkommentator hat Sammer noch immer die Möglichkeit dazu, denn er ist nicht mehr 24 Stunden und sieben Tage pro Woche im Dienst, wie es den Anschein hatte, als er noch beim FC Bayern tätig war. Der Druck ist bei Weitem nicht mehr so groß, der Fußball macht ihm so wieder mehr Freude. Von der schönsten Nebensache der Welt lassen kann er sowieso nicht: „Ich liebe den Fußball – und ich werde ihm immer erhalten bleiben“, sagt er voller Überzeugung. Weil er dankbar ist für die enorme Unterstützung, die er schon im Elternhaus genossen hat, engagiert er sich heute verstärkt in der Förderung einzelner Nachwuchsprojekte, „um Menschen mit Erfahrungen zu prägen, die ich gemacht habe“. Dabei will er „die schlechten weglassen und die guten vermitteln“. Wie wertvoll dieses Wissen ist, zeigen die Früchte seiner Arbeit als DFB-Sportdirektor zwischen 2006 und 2012, als er die Talenteförderung ausbaute. Heute wird Bundestrainer Joachim Löw weltweit um seinen stetig sprudelnden Talentequell beneidet.

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Matthias Sammer hat als aufstrebender Fußballer selbst eine harte Schule durchlaufen, denn Vater Klaus als Trainer zu haben, das hatte nicht nur Vorteile. Für Matthias sei das schon „eine Hypothek“ gewesen, versichert sein ehemaliger Mitspieler bei Dynamo, Ralf Minge. „Mein Vater war in Dresden eine Ikone. Jetzt war der noch groß, blond – ich noch rothaarig. Wenn ich mit Dynamo Dresden irgendwohin gekommen bin, dann habe ich auch Sprüche einstecken müssen, die unter der Gürtellinie waren. Das prägt dich.“ Viele argwöhnten anfangs, dass es Sammer Junior nur in die Oberliga-Mannschaft geschafft habe, weil sein Vater dort Trainer war und nicht, weil Matthias überdurchschnittlich begabt und ehrgeizig war. Einfach hatte er es auch nicht, als sein Vater 1986 nach dem 3:7 in Uerdingen und der Flucht von Frank Lippmann am Saisonende bei Dynamo abgesägt wurde. Doch der gelernte Mittelstürmer biss sich durch, wurde als Mittelfeldspieler unter Eduard Geyer und Reinhard Häfner noch zweimal DDR-Meister und einmal FDGB-Pokalsieger, ehe er nach der Wende beim VfB Stuttgart und bei Borussia Dortmund noch insgesamt drei gesamtdeutsche Meistertitel gewann und mit dem BVB 1997 Champions-League-Sieger wurde.

Karriere-Ende mit nur 30 Jahren

Dass er wenig später mit nur 30 Jahren nach einem 1:3 in Bielefeld mit dem Fußballspielen aufhören musste, traf den unermüdlichen Kämpfer hart. Bei einer routinemäßigen Knie-Operation hatten sich gefährliche Keime in seinem Körper eingenistet, nur dank Not-Antibiotika überlebte Europas Fußballer des Jahres 1996. Als er das Krankenhaus verließ, war er nicht mehr der Alte, denn selbst joggen war ihm jetzt verwehrt. Heute ist Matthias Sammer schon froh, dass er sich mit Walking, Radfahren und Yoga fit halten und Stress abbauen kann. Geborgenheit findet er in der Familie in Grünwald bei München, bei Ehefrau Karin und den drei Kindern.

Zufriedenheit und Freude empfindet der Freund deutschsprachiger Unterhaltungsmusik seit drei Jahren auch, wenn er das Geschehen bei seinem Heimatverein verfolgt. Dynamos Entwicklung unter der Ägide von Ralf Minge und von Uwe Neuhaus – einst sein Co-Trainer in Dortmund, als er den BVB 2002 als Trainer zum Meistertitel und ins Uefa-Pokalfinale führte – beobachtet der Fußball-Fachmann großem Interesse. Mit Minge, mit dem er während beider Zeit beim DFB nicht immer einer Meinung war, telefoniert er wieder regelmäßig. „Wann immer ich dem Club helfen kann, dann werde ich das natürlich tun“, versicherte Sammer jüngst beim Fußball-Talk im Schillergarten. An jenem Ort, wo er als junger Spieler manchmal feierte und mit einem Schwenker Cognac lässig an der Bar stand: „Das hat scheiße geschmeckt, aber es sah einfach cool aus.“

Mit 50 hat er derlei jugendliches Imponiergehabe nicht mehr nötig, sich zu seinem Ehrentag aber durchaus einen edlen Tropfen verdient. Jeder weiß, was Matthias Sammer für den deutschen Fußball geleistet hat, und hofft, dass er sich auch künftig meinungsstark zu Wort melden wird. Wir bitten darum!

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