06. Dezember 2018 / 11:50 Uhr

"Der Fußball-Gott schenkt uns beiden einen Titel"

"Der Fußball-Gott schenkt uns beiden einen Titel"

Redaktion Sportbuzzer
 Ralf Voigt (links), Trainer des Bremer SV, und Kristian Arambasic, Trainer des FC Oberneuland, standen im Interview ausführlich Rede und Antwort.
Ralf Voigt (links), Trainer des Bremer SV, und Kristian Arambasic, Trainer des FC Oberneuland, standen im Interview ausführlich Rede und Antwort. © Christina Kuhaupt
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Vor dem Bremen-Liga-Spitzenspiel sprechen die Trainer des Bremer SV und des FC Oberneuland über Aufstieg, Ernährung und schlechte Rasenplätze

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Herr Voigt, Herr Arambasic, Bremer SV gegen FC Oberneuland, mehr geht derzeit nicht an Klasse im Bremer Fußball. Freuen Sie sich auf Sonnabend?

Ralf Voigt: Ich auf jeden Fall, aber ich würde den Bremer Fußball jetzt nicht nur auf BSV und FCO reduzieren und sehe die Liga nicht so schlecht wie viele andere. Ich glaube sogar, dass fünf, sechs Mannschaften in der Oberliga Niedersachsen mitspielen könnten.

Und wie sähe es mit der Regionalliga aus?

Kristian Arambasic: Wir beide auf jeden Fall, wir wären bereit und beide haben den Anspruch, das in den nächsten drei, vier Jahren zu schaffen. Ich als Bremer sage immer: Ich brenne darauf, dass eine Bremer Mannschaft es wieder in die Regionalliga schafft und wir den Ruf, den der Bremer Fußball hat, wieder zurechtrütteln können. Man darf ja auch nicht vergessen, dass viele Bremer Vereine mit sehr geringen finanziellen Mitteln arbeiten müssen, während in der Oberliga Niedersachsen schon sehr gut bezahlt wird. Gute Fußballer haben wir hier in Bremen genug, aber viele hauen dann eben ins Umland ab.

Da könnte ein Aufstieg ja helfen.

Arambasic: Das stimmt, das haben Ralf und ich neulich am Telefon auch gesagt. Im nächsten Jahr der eine Klub, 2021 dann der nächste. Das wäre prima, denn ich bin ein stolzer Bremer und will den Niedersachsen zeigen, dass wir hier richtig gute Arbeit machen.

Wenn Sie unter der Woche miteinander telefonieren, worum geht es dann?

Voigt: Um Fußball (lacht)! Es gibt ja mehr Vereine als den BSV und FCO, auch der VfB Oldenburg ist mal ein Thema. Und der eine oder andere Spieler ist es natürlich auch.

Und um das Gerücht, dass aus Schleswig-Holstein 2019 gar kein Verein in die Regionalliga aufsteigen will und der Bremer-Meister automatisch hochgehen würde?

Arambasic: Ganz ehrlich? Das interessiert mich null! Weil da so viel Gelaber dabei ist.

Voigt: Absolut, das Gerede gab es schon oft und dann kam doch noch ein Verein, der gesagt hat, dass er bei den Aufstiegsspielen dabei ist. Stichtag ist der 31. März, bis dahin kann noch so viel passieren.

Arambasic: Bin ich bei dir, Ralf. Wir müssen erst mal schauen, wer jetzt Meister und Vizemeister wird. Und wer Pokalsieger wird. Ich habe ja schon gesagt, dass ich den Pokalsieg favorisiere, weil er uns finanziell schon sehr helfen würde, hier weiter ein Fundament zu schaffen. Der FCO ist schon mal schlecht vorbereitet in die Regionalliga aufgestiegen und hat erlebt, wie dort das Geld verbrannt wird und man nicht unbedingt vorankommt. Es ist ja utopisch zu glauben, dass nach einem Aufstieg dann die Dritte Liga kommt. Nein, du kämpfst vom ersten Tag an ums Überleben.

Was heißt das, dass dort Geld verbrannt wird?

Arambasic: Weil das ganze Unternehmen schon eine Viertelmillion Euro kostet. Und dann steigst du am Ende ab, das Geld ist futsch und du spielst wieder in der Bremen-Liga in einer ganz anderen Fußball-Welt. Deshalb war es ja immer mein Reden, dass es Sinn macht, fünf, sechs Bremer Teams in die Oberliga Niedersachsen zu integrieren und von dort aus den Aufstieg zu versuchen. Da musst du dich jede Woche am Limit beweisen und bist ganz anders vorbereitet auf die Regionalliga.

Voigt: Aber das Beispiel VfL Oldenburg zeigt, dass es auch für einen Aufsteiger aus der Oberliga Niedersachsen nicht einfach ist in der Regionalliga. Die haben letzte Saison alles auseinandergeschossen und sind jetzt als Aufsteiger dort Letzter. Du brauchst einfach eine starke Mannschaft, die du dann nach dem Aufstieg mit vier, fünf regionalligaerfahrenen Spieler verstärkst, dann kannst du was reißen.

Das klingt ja alles fast so, also ob die Regionalliga doch nicht so ein großes Ziel sein sollte ...

Voigt: Doch, absolut, was gibt es denn Schöneres, als dann bei Eintracht Braunschweig oder in Meppen zu spielen? Dafür machst du doch den Job hier. Oder nach Oldenburg ins Marschwegstadion zu fahren und drei Punkte beim VfB zu holen, das wär das Größte.

Arambasic: Absolut, Ralf, das gilt für mich auch.

Voigt: Oder zu Hannover 96, zu St. Pauli, Mensch, das ist doch geil. In meiner Mannschaft sind nicht so viele Spieler dabei, die das schon mal erlebt haben. Das muss doch das absolute Ziel sein. Wir haben hier beim BSV vier Jungs, die eigentlich in die Regionalliga wollten. Jetzt haben sie es selbst an den Füßen, sich das zu erfüllen.

Das Ziel bleibt für Sie beide die Regionalliga. Was wäre, wenn das auch in drei, vier Jahren noch nicht geklappt hat?

Voigt: Vier Jahre bleibe ich dann nicht, das habe ich für mich entschieden.

Arambasic: Wir haben beim FCO nicht den ganz großen Druck, deshalb bin ich da etwas entspannter. Niemand hat geglaubt, dass wir schon wieder so weit oben mitmischen. Den Druck machen wir uns selbst, dafür arbeiten wir wie der BSV aber auch mehr als die anderen Mannschaften. Ich mache immer einen Drei-Jahres-Plan, deshalb kann es auch 2020 mit dem Aufstieg klappen. Und wie gesagt, wir wollen dann vorbereitet sein und nicht in jedem Spiel die Mütze vollkriegen, sondern punkten. Da ist der BSV einfach einen Tick weiter, auch was das ganze Umfeld betrifft, die Kooperationen.

Was heißt denn, dass Sie mehr arbeiten als andere Mannschaften?

Voigt: Das kommt ganz drauf an, wir legen auch Wert auf individuelles Training beispielsweise. Dreimal die Woche Training ist normal, in der Vorbereitung täglich. Die Jungs geben da Vollgas. Kristian hat gesagt, dass der FCO nicht aufsteigen muss, das gilt auch für uns. Aber wir wollen unbedingt aufsteigen. Und natürlich den Pokal gewinnen.

Machen Sie Ihren Spielern Vorschriften beim Lebenswandel? Müssen die Jungs wöchentlich auf die Waage?

Voigt: Die Spieler bekommen genaue Tipps, wie sie sich zu ernähren haben, aber wir haben keine 24-Stunden-Kontrolle. Und auch nicht die Möglichkeit, morgens und nachmittags zu trainieren oder ein tägliches Mittagessen zu organisieren. Aber das ist okay, ich habe ein großes Vertrauen in meine Spieler. Ich kenne keinen Spieler, der täglich zu McDonald‘s rennt, oder du, Kristian?

Arambasic: Die würden es uns wahrscheinlich auch nicht erzählen, oder (lacht)?

Voigt: Die Jungs müssen ja alle acht Stunden arbeiten oder in die Uni gehen. Und dann müssen die noch abends hier Hochleistung bringen, die fallen dann todmüde ins Bett. Die können dann nachts gar nicht mehr losziehen.

Arambasic: Das stimmt, unsere Spieler sind sehr fokussiert. Wir trainieren auch dreimal die Woche, ab und an aber auch noch ein viertes Mal am Samstagmorgen, einmal im halben Jahr geht es auf die Waage. Das machen andere Mannschaften definitiv nicht. Ralf, ich sehe hier gerade bei euch einen Beamer stehen, da werdet ihr ja auch regelmäßig Videoanalyse machen. Wir auch, und ich glaube, dass uns das von den meisten anderen Bremer Teams unterscheidet. Physios, Athletiktrainer, das ist beim BSV und FCO schon Standard. Und das sind ja meistens Leute, die nicht wegen des Geldes dabei sind, sondern weil sie Spaß daran haben. Und spüren, dass sich in den Vereinen was entwickelt.

Voigt: Die Spieler haben eine hohe Eigenmotivation, das spürst du, wenn die Jungs am Samstag- oder Sonntagmorgen zum Training kommen. Wir haben im Trainingslager drei, viermal am Tag trainiert, einige haben sich dafür extra Urlaub genommen. Aber ich finde, das gehört dazu. Wenn man fußballerisch etwas bewegen will, muss man das so machen.

Aber man darf auch nicht verschweigen, dass der BSV und FCO schon mehr Geld für Spieler zahlt als die anderen Vereine.

Voigt: Ich weiß jetzt nicht, wie es früher war beim BSV. Aber wir haben keine Mannschaft, die jetzt großes Geld verdient. Ich habe eine Punktspiel- und Aufstiegsprämie ausgehandelt, das finde ich wichtig, damit die Jungs immer wieder ein Ziel vor Augen haben. Aber wir können hier keine Gehälter wie in der Oberliga Niedersachsen zahlen. 

Angenommen, der Bremer SV gewinnt am Sonnabend das Spiel. Herr Arambasic, dann können Sie sich den Aufstieg bei vier Punkten Abstand doch sowieso abschminken, oder?

Arambasic: Überhaupt nicht, das ist doch völliger Blödsinn. Die schwierige Phase wird auch für den BSV noch kommen, das ist die Kunstrasenphase nach der Winterpause. Und das ist was völlig anderes als ein Spiel auf normalem Rasen. Ich würde darauf wetten, dass keine der beiden Mannschaften nach Sonnabend alle Saisonspiele gewinnen wird. Das werden keine Spaziergänge.

Voigt: Es tut ganz gut, wenn du bis Februar Erster bist. Ein Sieg jetzt gegen den FCO würde der Mannschaft noch mal Selbstvertrauen und Stärke geben. Und so viele Spiele sind es dann ja 2019 auch gar nicht mehr. Wir sind Erster und wollen Erster bleiben. Wir müssen und werden vor jedem Gegner höchsten Respekt haben, sonst werden wir scheitern.

Haben Sie, Herr Arambasic, den Bremer SV so schnell wieder so stark erwartet?

Arambasic: Ich habe den BSV ja schon vor der Saison als einen Titelfavoriten getippt. Ich weiß, wie Ralf arbeitet, er hat ein großes Netzwerk, deshalb war mir klar, dass da wieder ein Schwergewicht kommt. Aber ich habe tatsächlich gedacht, dass mehr Mannschaften um Platz eins mitspielen. Aber man muss auch ganz klar sagen: So, wie der BSV und FCO spielen, gehören sie nicht in die Bremen-Liga, sondern in die Oberliga Niedersachsen.

Worin unterscheiden sich der BSV und FCO eigentlich?

Arambasic: Von der Technik her würde ich uns als besser einstufen, von der Physis und der Athletik aber ist der BSV stärker. Deshalb treffen da am Sonnabend auch zwei unterschiedliche Mannschaften aufeinander.

Das könnte für Sonnabend ja durchaus entscheidend sein. Der Platz, egal ob am Panzenberg oder am Hohweg, wird sehr nass und tief sein. Da scheint der BSV ja der klare Favorit zu sein.

Voigt: Das sehe ich ein bisschen anders. Der FCO macht das in dieser Saison sehr gut, hat eine gute Chancenauswertung. Ich sage: alles ist offen!

Arambasic: Was das Spiel am Sonnabend betrifft, sind Ralf und ich unterschiedlicher Meinung. Ich finde, dass das Spiel zu einem sehr unglücklichen Zeitpunkt stattfindet. Ich hätte gerne über 1000 Zuschauer, aber die werden bei diesem Wetter nicht kommen. Die Plätze am Panzenberg und Hohweg sind katastrophal, das hat mit Fußball dann nicht viel zu tun. Und es ist nicht der Rahmen, den dieses Spiel verdient gehabt hätte. Das hätte man auch vom Verband anders lösen können. Aber wir stellen uns jetzt auf ein Kampfspiel ein, die Trikots werden dreckig. Schön wird das nicht, eher Treibball statt Fußball.

Voigt: Kristian, das sehe ich etwas anders. Ich stehe auf diesen Fußball, auf Kampf und dreckige Trikots, ich würde da am liebsten selbst mitspielen. Und diese Plätze hast du doch auch schon in der Zweiten und Dritten Liga. Natürlich ist der Zeitpunkt so kurz vor Weihnachten nicht glücklich, aber für den Verband sind diese Ansetzungen ja auch schwierig.

Arambasic: Aber für die Zuschauer finde ich es schade, weil wir kein gutes Spiel sehen werden. Ich möchte, dass die Zuschauer sagen: Alter, was für ein geiler Fußball! Aber das wird nicht am Sonnabend bei diesem Wetter passieren, die Spieler werden sich gegenseitig in die Beine flexen, das wird leider passieren. Wenn wir am Ende gewinnen, auch okay. Aber ich will eigentlich nicht gewinnen, weil ein BSVer in der 89. Minute wegrutscht. Das stell ich mir anders vor.

Voigt: Ich gönne Kristian viel. Wenn ich den einen Titel habe, kann Kristian den Pokal haben. Am wichtigsten ist ein vernünftiger Umgang miteinander, bei Trainern, Spielern. Man muss auch gönnen können, und das meine ich sehr ehrlich. Aber natürlich habe ich auch kein Problem, wenn wir Meister und Pokalsieger werden.

Arambasic: So geht es mir auch. Wir beide sind megaehrgeizig, sonst würden wir das hier ja gar nicht machen. Aber wenn du die ganze Saison oben dabei bist, kannst nur noch Erster oder Zweiter werden, stehst im Pokalfinale und verlierst am Ende alles, dann ist das echt brutal. Aber ich glaube dann an den Fußball-Gott, der sagen wird: Beide Vereine holen am Ende der Saison jeweils einen Titel.

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