dc5a-6uy4t329zx511olge2yr_original Kommandant am Spielfeldrand: Markus Anfang wirkt, wenn überhaupt, nur während des Spiels autoritär. © Pae
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Der Mann, der Holstein Kiel in die Zweite Bundesliga führte

Cheftrainer Markus Anfang ist der Vater des Erfolgs, auch wenn er das nicht gerne hört

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So ein Triumph ist nur wenigen Trainern vergönnt: Gleich in seiner ersten Saison als Profi-Coach ist Markus Anfang aufgestiegen. Nutznießer des seltenen Ereignisses ist die KSV Holstein, die nach 36 Jahren in die Zweite Fußball-Bundesliga zurückgekehrt ist. Was für ein Glück für die Störche, dass sich Sportchef Ralf Becker im vergangenen August nach der Entlassung von Karsten Neitzel von Anfangs Konzept des in der dritten Spielklasse eher unüblichen Ballbesitzfußballs überzeugen ließ.Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg nur einen. Man ist geneigt, die durch unzählige Trainerentlassungen belegte These auch auf Markus Anfang zu münzen – allerdings umgekehrt, für seinen fulminanten sportlichen Erfolg. Doch das würde weder der Wahrheit noch dem Wesen des 42-Jährigen gerecht werden.

Der ehemalige U17/U19-Coach von Bayer Leverkusen sieht sich als Primus inter Pares in einem bestens harmonisierenden Funktionsteam. Wer im Training die intensive Kommunikation mit seinem Assistenten Tom Cichon (mit dem er in Kiel eine Wohngemeinschaft bildet) beobachtet, ist geneigt sich zu fragen, wer hier eigentlich der Chef ist. Darüber hinaus hat Anfang stets angemessen gewürdigt, dass er von der Transferpolitik seines Vorgängers profitiert. Tragende Säulen des Teams wie Rafael Czichos, Dominik Schmidt, Dominic Peitz, Dominick Drexler oder Steven Lewerenz hat Karsten Neitzel an die Förde gelotst.Markus Anfang ist zwar in Köln geboren, aber ein typischer Vertreter dieser zentralrheinischen Spezies ist der verheiratete Vater von zwei Kindern eher nicht. In seiner Heimat allgemeingültige Paragrafen aus dem Kölschen Grundgesetz sind ihm fremd, zumindest auf beruflicher Ebene. „Et es wie et es“ (§1), „Et kütt, wie et kütt“ (§2), „Et hätt noch immer jot jejange“ (§3) oder „Wat wellste maache?“ (§7) sind Geisteshaltungen, mit denen auch der „Effzeh“ in der Bundesliga runtergewirtschaftet wurde, bevor Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger den Chaosklub in die Seriosität zurückführten.

Nein, Anfang ist ein akribischer Arbeiter, der so wenig wie möglich dem Zufall überlässt, eigene Ideen konsequent umsetzen möchte, dabei aber lernfähig ist und Freiheiten lässt. Neben der Taktik ist der Teamgeist sein höchstes Gut. Bei ihm gibt es keine Stamm- und Ergänzungsspieler, sondern nur Kadermitglieder. Jeder Profi ist wichtig, und das vermittelt der Ex-Profi seinen Männern auch. „Wir wollen auf jede personelle Situation flexibel reagieren können. Da muss jeder Spieler wissen, was wir vorhaben“, betont er.Niemals würde er einen Spieler nach schlechter Leistung öffentlich und namentlich in die Pfanne hauen. In Gesprächen betont er das Positive, ohne das Negative zu leugnen. Er behandelt seine Untergebenen mit Respekt, nicht wie unwissende Befehlsempfänger. „Ich bin nicht der Trainertyp, der permanente Kontrolle ausüben will“ erzählt Anfang. „Die Jungs sollen
ihren Freiraum haben und viele Dinge selbst regeln. Das ist gut für das Mannschaftsgefüge. Wenn du in jedes Thema mit reingehst, verbrauchst du dich als Trainer auch irgendwann.“

Die Spieler danken es ihm mit einem Teamspirit, der auch ohne Trainer funktioniert. So wie nach der 1:2-Niederlage am 10. März in Osnabrück, als die Mannschaft intern Tacheles redete und sich nach Informationen dieser Zeitung anschließend bei ihrem Coach dafür einsetzte, taktisch flexibler zu agieren, gegebenenfalls defensiver, auch abhängig vom jeweiligen Spielstand. Die Folge: zwölf Spiele ohne Niederlage und der Aufstieg.

Region/Kiel Holstein Kiel (Herren) 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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