17. Mai 2018 / 14:08 Uhr

Der Platzwart: Wie konnte Hannover 96 die Erwartungen dermaßen enttäuschen?

Der Platzwart: Wie konnte Hannover 96 die Erwartungen dermaßen enttäuschen?

Der Platzwart
Hannover 96 ist den Abstiegs-Erwartungen nicht gerecht geworden.
Hannover 96 ist den Abstiegs-Erwartungen nicht gerecht geworden. © Collage
Anzeige

Hannover 96 hatte keine großen Ambitionen in der 1. Bundesliga. Dass am Ende der Saison das sichere Mittelfeld steht, damit hatte zuvor niemand gerechnet. Was war da los? Der Platzwart klärt auf.

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Hannover 96 – vor der Saison bei allen Experten der abgestiegenste Absteiger der Bundesligageschichte. Dementsprechend plant die sportliche Führung bei 96 bereits ab August 2017 akribisch die geordnete Rückkehr der Roten in die 2. Liga. Doch dann kommt alles anders: Tore, Siege, einstellige Tabellenplätze. Am Ende sogar Niedersachsen-Champion und bester HSV der Liga. Was war da los? Wie konnte 96 die Erwartungen dermaßen enttäuschen? Der Platzwart nennt die Gründe.

Der Auftakt: Total missraten. Mit einem verlorenen Auswärtsspiel in Mainz und einer anschließenden Pflichtniederlage bei Champions-League-Kandidat Schalke hätte sich 96 sofort planmäßig unten festsetzen können. Aber: Pustekuchen. Zwei vermeidbare Überraschungssiege, dann ein unverdientes Unentschieden im Mittellandcanalásico – nach dem 3. Spieltag ist Hannover Dritter in der Tabelle! Vor den Bayern! Blankes Entsetzen in der Geschäftsstelle von Hannover 96 und bei Uli Hoeneß. Und es kommt noch schlimmer: Am 4. Spieltag sogar die kurzzeitige Tabellenführung, es riecht nach Meuterei und Sevilla statt Sandhausen. Kellerkonkurrent Köln zeigt von Beginn an, wie man sich voll auf den direkten Abstieg fokussieren kann.

Jonathas erweist sich als erhoffte Verstärkung

Die Stürmer: Im Mannschafsteil Sturm ist Hannover 96 für den direkten Wiederabstieg eigentlich gut aufgestellt. Niclas Füllkrug – ein typischer Zweitligastürmer wie Benjamin Lauth oder Thomas Müller, also keine Gefahr. Martin Harnik ist Österreicher, damit hat 96 im Angriff immer gute Erfahrungen gemacht, siehe Roman Wallner (0 Tore) und Daniel Royer (0 Tore). Zur Sicherheit holt 96 noch einen verletzungsanfälligen, arschteuren brasilianischen Wanderstürmer, um die Ambitionen nach ganz unten zu unterstreichen.

Doch dann treffen erst Harnik, dann Füllkrug, wie sie wollen, schießen zusammen 23 Tore. Würde sich Bundestrainer Jogi Löw für Bundesliga-Fußball interessieren – Füllkrug wäre kurz vor der WM-Teilnahme. Einzig Jonathas erweist sich nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten als die erhoffte Verstärkung im Kampf um den Abstieg, er schiebt liegenden Torhütern die Bälle in die Arme und glänzt verlässlich durch Abwesenheit und schlechte Laune.

Salif Sané: Kein Mann für untenrum. Deutet seine Brauchbarkeit zwar an, foult in der 94. Minute in Gladbach zum Endstand von 1:2, hat auch Leichtsinnspässe drauf, verliert aber von zweieinhalbtausend Kopfballduellen kein einziges und schießt auch noch Tore. Mit dem im Abwehrzentrum kann Schalke 04 alle Abstiegspläne vergessen.

Von den Besten lernen, heißt absteigen lernen

Der Manager: Ende November, Hannover 96 immer noch im Nichtabstiegsstrudel, die Verantwortlichen werden nervös. Horst Heldt weiß: Nur von den Besten lernen, heißt sicher absteigen lernen. Der Manager bemüht sich zunächst um eine Langzeithospitanz beim 1. FC Köln, sucht dann später den Erfahrungsaustausch mit dem beeindruckend stabil auf die 2. Liga zusteuernden VfL Wolfsburg. Beide Vereine wollen ihre Misserfolgsgeheimnisse aber nicht verraten.

Heldt muss weiter machtlos mit ansehen, wie 96 nicht unter Platz 13 hinauskommt, obwohl die Mannschaft im März nicht einen Punkt holt und so versucht, zu retten, was noch zu retten ist. Selbst das Saisonminimalziel der 96er „Die Nummer 5 im Norden hinter Kiel“, wird später von den Rivalen aus Wolfsburg und Hamburg kassiert.

Der Präsident: Ein Drei-Jahres-Plan, der nicht funktioniert – nichts hasst Martin Kind mehr. Abstieg, Aufstieg, Abstieg – der 96-Boss fragt sein Führungspersonal, was daran so schwierig zu verstehen ist. Kind selbst hat alles getan, um seinen Teil zur prognostizierten Rückkehr ins Unterhaus beizutragen: Dauerzoff mit den Regel-Ultras von der DFL, dazu ein hausgemachter Stimmungsboykott – mehr Ablenkung im Umfeld ist den limitierten wirtschaftlichen Möglichkeiten eines Vereins wie 96 kaum machbar, das weiß Martin Kind. Und: Noch ein Jahr kontrollierte Unruhe wie in dieser Saison kann sich Hannover nicht leisten. Es ist zum Verzweifeln.

Fazit: Am Ende der Saison muss man bei Hannover 96 realistisch sein. Trotz Chaos, Krach und klammen Kassen: Es reicht einfach nicht für die 2. Liga. Hannover 96 – ein Erstligist. Auch im nächsten Jahr.

Hinweis: Für die Platzwart-Lesung am Mittwoch, 23. Mai, gibt es noch Restkarten an der Abendkasse und im Internet unter www.kalabusch.de. Die Lesung beginnt um 18.96 Uhr.

Mehr zu Hannover 96

Das waren die Sommertransfers von Hannover 96 seit 2010:

Zur Galerie
Anzeige
Die aktuellen TOP-THEMEN

Mega-Sale: SPORTBUZZER-SHOP

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt