09. Juni 2018 / 14:44 Uhr

Der schmalste Platz der Region: Beim SV Degersen sind Einwürfe wie Ecken

Der schmalste Platz der Region: Beim SV Degersen sind Einwürfe wie Ecken

Ole Rottmann
Gerade noch erlaubt: Degersens Oliver Görlach präsentiert den schmalsten Platz der Region.
Gerade noch erlaubt: Degersens Oliver Görlach präsentiert den schmalsten Platz der Region. © Florian Petrow
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Der SV Degersen besitzt wohl das schmalste Spielfeld der Region. Schon die Anfahrt zum kleinen Platz des Dorfes gestaltet sich schwierig.

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„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, meldet mein Navi. Hier muss der Sportplatz des SV Degersen sein. Nur, wo bloß? Danquardstraße 27. Das Gerät scheint sich sicher zu sein und schwenkt fröhlich die Zielfahne. Von einem Sportplatz kann ich jedoch nichts entdecken. Rettung naht in Form eines Spaziergängers mit Hund. „Entschuldigung, ich suche den Sportplatz ...“, rufe ich ihm zu. Der Mann kommt näher, sein Hund knurrt misstrauisch. Viele Fremde scheinen sich hierher nicht zu verirren, den schmalen Feldweg, der von der kurvigen Ortsdurchfahrt Degersens abzweigt, haben die meiste Zeit wohl Tier und Herrchen für sich alleine. Vor allem jetzt. Staubtrocken ist es, drückende Hitze – eigentlich so gar kein Wetter, um auf Fußballfeldern herumzulaufen. Mir wäre jetzt eher nach einem Freibadbesuch. „Ist richtig hier. Direkt da hinter der Scheune“, sagt der Anwohner und lacht mitleidig.

Die Bilder vom Platz des SV Degersen:

Eindrücke vom Gelände des SV Degersen. Zur Galerie
Eindrücke vom Gelände des SV Degersen. ©
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Tatsächlich – hinter dem weißgrünen Bau versteckt sich ein kleines Haus mit roten Klinkern. „SV Degersen e.V.“ verrät das am Giebel angebrachte Schild. Ein einsames Auto parkt. Am Haus vorbei betrete ich den dahinterliegenden Fußballplatz von der Stirnseite aus. Langsamen Schrittes bewege ich mich über die Wiese auf die Mitte des Platzes zu. Wo genau das ist, kann ich allerdings nur schätzen, die Kreidelinien sind im Schein der untergehenden Sonne nicht gut zu erkennen. „Wenn Sie hier fertig sind, kommen Sie am besten rein“, sagt der Mann, der sich mir als Werner Werner („Beides. Vorname und Nachname.“) vorstellt, Vereinsvorsitzender und Gründungsmitglied des SVD.

​"Man ist eben schnell im Strafraum"

Doch zunächst kämpfe ich mich weiter über den Platz. Maulwürfe scheint es hier deutlich mehr zu geben als Menschen, auf dem unebenen Rasen bilden kleine graue Hügel eine Viererkette der etwas anderen Art. Irgendwann seien es schon einmal 19 Tiere auf einen Schlag gewesen, erzählt Werner mir später. Dauert es eine Weile, den Platz in seiner Länge abzuschreiten, gelingt das in der Querrichtung schon deutlich schneller. Nicht viel mehr als das Mindestmaß würde die Wiese haben, sagt Werner. 45 Meter Breite schreibt der DFB vor, 46,5 sind es in Degersen. „Aber das ist ja erlaubt“, betont er. Und ergänzt schelmisch lachend: „Man ist eben nur schnell im Strafraum.“

Nur drei Meter bleiben von der Seitenauslinie bis in den Sechzehner. „Da sind Einwürfe wie Ecken“, sagt Werner. Gegnerische Schützen würden sich beim Eckball oft verkalkulieren und den Ball auf der anderen Seite direkt wieder ins Aus schießen. „Nur gegen europäische Mannschaften dürften wir hier nicht spielen. Dafür gibt es andere Auflagen.“ Ich ahne, dass diese Problematik derzeit zu vernachlässigen ist. Den Rückweg über das Feld bringe ich deutlich leichtfüßiger hinter mich. Werner erklärt, dass mir das nicht nur so vorgekommen ist. „In Richtung Vereinshaus ist der Platz abschüssig“, sagt er. Dreieinhalb Meter Höhenunterschied seien es insgesamt.

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Das Spiel war manchmal zum Hände-über-den-Kopf-schlagen oder nicht mit anzusehen. Zur Galerie
Das Spiel war manchmal zum Hände-über-den-Kopf-schlagen oder nicht mit anzusehen. ©

​Spielrichtung in Degersen entscheidend

Oliver Görlach, seit September 2017 der Trainer der ersten und einzigen Mannschaft des Vereins und inzwischen auch eingetroffen, bestätigt, dass es auf die Spielrichtung hier durchaus ankommt. „Bergauf werden lange Pässe schnell kurz“, sagt er. „Es ist auch mental ein Problem, wenn man abwärts spielt und dann in die beschwerliche Rückwärtsbewegung muss.“ Doch nicht nur in der Defensive gibt es derzeit Schwierigkeiten bei Görlachs Kickern. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt Werner. Der Spielbetrieb sei sehr teuer und ob sich das noch lange lohne, müsse man mal sehen.

Früher wurde mal Landesliga beim SV gespielt, noch bis 2013 kickte der Club immerhin in der Bezirksliga, eh die Mannschaft schließlich zurückgezogen wurde. „Wir werden den Ruf, dass es hier öfter Ärger gegeben hat, leider nicht so richtig wieder los“, bedauert Görlach. Das würde die Suche nach neuen Spielern natürlich erschweren. Leute, die neben dem Platz mit anpacken, findet man noch schlechter. „Klempner, Platzwart, Kellner, Elektriker“, Werner sei alles in einer Person.

​"Überlegen schon, ob das alles noch Sinn macht"

Derzeit können beide nicht mit Gewissheit sagen, ob es überhaupt weitergeht mit dem Fußball beim SV Degersen. „Wir überlegen schon, ob das alles noch Sinn macht“, sagt Görlach. In der 3. Kreisklasse belegte das Team am Saisonende Rang sechs. Vielleicht läge die Zukunft eher beim Darts. Da gäbe es derzeit eine große Nachfrage. „Immerhin gibt es an der Scheibe keine Probleme mit Maulwürfen“, denke ich mir auf dem Heimweg, während das Navi mich gekonnt aus dem Ort lotst.

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