06. Juni 2018 / 13:30 Uhr

Der Videobeweis bei der Fußball-WM 2018

Der Videobeweis bei der Fußball-WM 2018

Redaktion Sportbuzzer
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Der Videobeweis dürfte den meisten deutschen Fußballfans bekannt sein. Bereits seit der laufenden Saison wird der Videoassistent im Rahmen der Partien in der 1. Bundesliga eingesetzt. Doch in vielen anderen Ligen weltweit ist die Situation eine andere. Unter anderem in einigen bedeutenden Fußballnationen wurde die neue Technik noch nicht im Ligabetrieb verwendet.

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WM 2018 mit Videobeweis? Alle Infos!

Bei der Fußball-WM 2018 werden sich allerdings alle teilnehmenden Verbände auf den Gebrauch des Videoassistenten einstellen müssen. Wie die FIFA im Vorfeld der Weltmeisterschaft beschloss, soll der Videobeweis auch bei den 64 Partien in Russland offensichtliche Fehlentscheidungen verhindern.

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Was ist der Videobeweis?

Der Videobeweis oder offiziell auch „Video Assistant Referee“ (kurz „VAR“) stellt nach der Torlinientechnik eine weitere Einbindung von technischen Hilfsmitteln seitens der FIFA dar. Bei offensichtlichen Fehlentscheidungen kann der Videoassistent über Funkkontakt den leitenden Schiedsrichter einer Partie kontaktieren und diesen auf den Fehler hinweisen.

Der Einsatz des VAR ist allerdings – zumindest bis auf Weiteres – nur in vier Konstellationen möglich. Zum einen ist ein Eingreifen bei einer spielentscheidenden Szene vor einer Torerzielung möglich. Darüber hinaus können durch den Videobeweis Fehlentscheidungen im Rahmen von Strafstößen, Roten Karten oder Spielerverwechslungen korrigiert werden.

Durch die Begrenzung der Einsatzmöglichkeiten auf diese Situationen und die Voraussetzung einer offensichtlichen Fehlentscheidung soll der Spielfluss gewahrt werden. Damit will man einen Kompromiss zwischen den Befürwortern und den Kritikern der Technik schaffen.

Der Videoassistent selbst sitzt entweder in einem Zentrum oder notdürftig auch in einem Van vor dem Stadion und verfolgt das Geschehen live. Im Falle einer strittigen Szene kann der VAR dabei auf Wiederholungen zurückgreifen und die Situation aus verschiedensten Blickwinkeln analysieren. Sollte der Videobeweis zum Einsatz kommen, kann sich allerdings auch der leitende Schiedsrichter am Spielfeldrand die Szene nochmals genauer anschauen.

Der Videobeweis bei der Fußball-WM 2018 in Russland

Nach langwierigen Diskussionen – nicht nur innerhalb der FIFA, sondern auch in der Öffentlichkeit – entschied der FIFA-Council Anfang März 2018 den Einsatz des VAR bei der FIFA-Weltmeisterschaft. Damit schloss sich das Exekutivorgan des Weltverbandes der Ansicht des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino an, der als Befürworter der Technik gilt. In diesem Zusammenhang beschloss man zudem den Einsatz des Videobeweises auch im Rahmen der FIFA-Klubweltmeisterschaft im Dezember.

Der Testlauf des Videobeweises

Der Entscheidung des Councils war eine von seitens der FIFA und des International Football Association Board (IFAB) bestimmte zweijährige Testphase vorausgegangen. In dieser sollten der konkrete Einsatz und die Auswirkungen auf den Spielfluss erprobt werden. Dabei war es den Nationalverbänden freigestellt worden, die Technik zu erproben. Neben Deutschland entschieden sich auch Australien, Brasilien, Portugal, die Niederlande und die USA für den Einsatz.

In Deutschland wurde die Testphase dabei in zwei Abschnitte unterteilt. Zunächst sollten die Schiedsrichter in der „Offline“-Phase für den VAR-Einsatz geschult werden. Der Videoassistent konnte also nicht aktiv ins Spielgeschehen eingreifen. Erst mit der aktuellen Saison startete der zweite, entscheidende Abschnitt des Testlaufs in Deutschland. Andere Verbände wie bspw. die australische A-League starteten bereits im April 2017 mit der aktiven Phase.

Die Aufnahme des Videobeweises in die Regularien

Im Anschluss an die Erprobung des Videobeweises beschloss schließlich ein Gremium aus Vertretern der FIFA und des IFAB die offizielle Aufnahme des VAR in das Regelwerk. Somit ist die Technik Teil der „Laws of the Game“ der FIFA. Das Gremium bestimmte dabei jedoch, dass die einzelnen Ligen und Verbände den Einsatz selbst bestimmen können. Aus diesem Grund war die erneute Abstimmung des FIFA-Councils hinsichtlich des Einsatzes im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2018 erforderlich.

Die Kritik am Videobeweis

Auch wenn selbst die Kritiker kaum ernsthaft bezweifeln, dass der Videobeweis durch die Korrektur spielentscheidender Fehler den Fußball gerechter macht, ist ein nicht unerheblicher Teil gegen die Einführung des VAR.

So wird zum einen die Auslegung des Begriffs „offensichtlich“ als Einsatzvoraussetzung kritisiert. In der Tat ist dieses Merkmal auslegungsbedürftig und kann ohne hinreichende Bestimmung nicht einheitlich subsumiert werden. Dieses Problem führte daher auch in der Bundesliga zu belebten Debatten.

Darüber hinaus führen die Gegner des Videobeweises die Behinderung des Spielflusses an. Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang gerne ein Treffer genannt. In strittigen Szenen kommt es so zu der ungewöhnlichen Situation, dass die Torschützen zunächst auf die Rückmeldung des Schiedsrichters warten, ehe sie sich feiern lassen können. Besonders in höchst emotionalen Spielen ist dies ein nicht zu unterschätzendes Argument.

Dies führt auch zu einem weiteren Aspekt, der gegen den VAR ins Feld geführt wird: Fehler machten gerade den Reiz des Fußballs aus. Viele Fans des „ursprünglichen Fußballs“ sehen die Emotionalität des Sports gefährdet. Gerade spielentscheidende Fehler würden nicht selten zu Überraschungssiegen vermeintlicher Außenseiter führen und so die Spannung bewahren. 

Mehr erfahren? Einen ausführlichen Kommentar zur Kritik rund um den Videobeweis hat der Sportbuzzer bereits im April veröffentlicht.

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