14. September 2018 / 19:00 Uhr

Detlef Kuckuck und Nico Felix kontern Ewald Lienen

Detlef Kuckuck und Nico Felix kontern Ewald Lienen

Jörg Bressem
Stützpunkttrainer Nico Felix erklärt den jungen Fußballern, was von ihnen erwartet wird.
Stützpunkttrainer Nico Felix erklärt den jungen Fußballern, was von ihnen erwartet wird. © jö
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Nachwuchsförderung bei den Leistungszentren darf nicht nur bei den Profivereinen liegen

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Wer verliert, hat alles falsch gemacht und muss sich hinterfragen. Seit der blamablen WM-Pleite der Fußball-Nationalmannschaft steht auch die Arbeit in den DFB-Stützpunkten in der Diskussion.

In der Nachwuchsförderung werde zu schematisch ausgebildet, heißt es. Die 366 Stützpunkte seien sogar gänzlich überflüssig, gab Ewald Lienen neulich in einer Talkshow bekannt. Ihre Arbeit sei auf die Nachwuchsleistungszentren der Profivereine übergegangen. Der Sportbuzzer  nahm die Debatte zum Anlass, um die Arbeit im DFB-Stützpunkt Schaumburg anzusehen. Am Rande einer Trainingseinheit und eines Leistungsvergleiches mit der Hannover-Land-Auswahl unterhielten wir uns in Lüdersfeld mit den beiden Stützpunkttrainern Detlef Kuckuck und Nico Felix, zwei von bundesweit 1300 Experten, die im Dienst des DFB Talente aufspüren.

Es gibt die Kreisauswahl und die Auswahlspieler am Schaumburger DFB-Stützpunkt. Wie passt das zusammen?

Als für die Talentförderung 2003 die DFB-Stützpunkte geschaffen wurden, wurde das System der Kreisauswahlmannschaften in Teilen abgelöst. Heute ist es so, dass wir natürlich zusammenarbeiten und uns bei Sichtungen die besten Spieler für den Stützpunkt heraussuchen.

Detlef Kuckuck

Was hier läuft, ist eigentlich nichts anderes als zusätzliche Trainingseinheiten neben denen in den Vereinen. Entscheidend ist der Wohnort. Wir haben hier also auch Spieler, die zum Beispiel beim JFV Calenberger Land sind, aber in Schaumburg wohnen. Trainiert werden von uns zwei U-12-Jahrgänge. Die Spieler bleiben zwei Jahre bei uns und wechseln danach häufig den Verein, die besten teilweise auch in das Nachwuchsleistungszentrum eines Profiklubs, zum Beispiel in den von Hannover 96.

Nico Felix

Wie funktioniert diese Auswahl?

Neben dem Training gehört es zu den Funktionen des Stützpunktes, dass sich die Spieler präsentieren können, etwa bei den Funktionsspieltagen oder Sichtungsturnieren. Das sind Pflichttermine für die Vertreter der meisten umliegenden Profiklubs. Beim Avacon-Cup zum Beispiel war auch viel Prominenz. Dort sind aber auch Beobachter vieler anderer Vereine, etwa vom JFV Calenberger Land, der in Schaumburg mittlerweile sehr aktiv ist.

Nico Felix

Umfrage: Sollen die Leistungszentren gänzlich an die Profivereine angedockt werden?

Wie ist die Erwartungshaltung der Eltern?

Wenn die Kinder zu uns kommen, sprechen wir mit ihnen und versuchen, ein realistisches Bild zu zeichnen. Zum Stützpunkt eingeladen zu werden, ist nur der erste, ganz kleine Schritt, dem noch viele Selektionsprozesse – meistens sehr schmerzhafte – folgen. Die Zahl derer, die es in den bezahlten Fußball schaffen, liegt unter einem Prozent. Andererseits möchten wir den Spielern und auch den Eltern aber nicht ihre Träume nehmen. Auch aus ihnen speisen sich Begeisterung, Ehrgeiz und Engagement.

Detlef Kuckuck

Eltern, die früher selbst guten Fußball in Schaumburg gespielt haben, können oft besser einschätzen, wie selten es ist, ganz nach oben zu kommen. Ich denke zum Beispiel an Oliver Jelinek oder Roland Blaume, deren Kinder wir trainieren durften.

Nico Felix

Woran misst sich eigentlich der Erfolg des jeweiligen Stützpunktes?

Ich freue mich zunächst einmal riesig, wenn sich die Spieler bei uns weiterentwickeln und habe da ganz erstaunliche Prozesse erlebt. Im U-12-Alter passiert unglaublich viel. Es kamen introvertierte, schüchterne Spieler zu uns, die sich innerhalb eines Jahres zu Verantwortungs- und Leistungsträgern entwickelten. Andere stagnierten plötzlich, auch das gibt es. Natürlich ist es eine Bestätigung, wenn Spieler den Sprung zu Bundesligaklubs schaffen, etwa Tim Dierßen oder U-16-Nationalspieler Maximilian Franke von Hannover 96.

Nico Felix

In der deutschen Nachwuchsförderung werde den Spielern die Individualität wegtrainiert. Die Spieler würden im Zeitalter der Laptop-Trainer in komplizierten Spielsystemen versinken. Das sei auch einer der Gründe, warum Deutschland keine echten Stürmer mehr habe?

Was speziell unsere Arbeit angeht, trifft das definitiv nicht zu. Unser Schwerpunkt ist nämlich auf das individuelle Training ausgerichtet. Es geht darum, Fähigkeiten auszubauen. Gruppentaktische Aspekte stehen für uns nicht im Vordergrund, das kommt später.

Detlef Kuckuck

Auch die Spielergebnisse in Leistungsvergleichen mit anderen Stützpunkt-Auswahlen sind uns nicht so wichtig, wie man vielleicht meinen könnte. Der einzelne Spieler steht für uns im Vordergrund. Wir lassen maximalen Raum für Individualität, wir fördern sie.

Nico Felix

Thema Nachwuchsleistungszentren: Der DFB hat sämtliche Profiklubs verpflichtet, sie zu betreiben, bis hinunter zur Dritten Liga. Was sagen Sie Ewald Lienen?

Dass er mir erklären soll, wer denn die Vorauswahl vornimmt. Den Bundesligisten werden durch die Stützpunkte die Talente bei den Sichtungsturnieren quasi serviert. Kein noch so eifriger Scout des FC St. Pauli würde flächendeckend die Dörfer abgrasen, um dort beim Training plötzlich ein Talent zu entdecken. Seine Aussage stimmt aber insoweit, dass wir beobachten, dass die Nachwuchsleistungszentren immer frühzeitiger und schon im U-12-Alter tätig werden.

Nico Felix

Von hiesigen Eltern war zuletzt zu hören, dass etliche Trainingseinheiten ausfielen und über die Termine spät informiert wurde.

Wir fühlen uns beim TuS Lüdersfeld sehr gut aufgehoben und der Verein stellt uns seinen Sportplatz zur Verfügung, wann immer es geht. Aber im letzten Winter ging es halt nicht immer, das wissen wir noch. Teilweise sind wir nach drinnen gegangen oder wir haben andere Angebote gemacht, zum Beispiel Ernährungsberatung.

Detlef Kuckuck

Der Trainerstab

Der 58-jährige Detlef Kuckuck ist schon seit 2003 dabei, wohnt in Wunstorf und arbeitet bei der Stadt Garbsen im Kulturbereich. Nico Felix ist 42 Jahre alt, ist seit fünf Jahren Stützpunkttrainer und befasst sich als Controller bei der Aerzener Maschinenfabrik überwiegend mit Zahlen. Außerdem gehört Steffen Führing zum Trainerteam, der sich neben der Talentförderung auch um die Fortbildung der Nachwuchstrainer in den Schaumburger Vereinen nach einem bundesweit einheitlichen Programm kümmert.

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