11. Juli 2018 / 13:03 Uhr

Deutscher Fan will nach der WM in Kasan leben

Deutscher Fan will nach der WM in Kasan leben

René Wenzel
Stephan Heinzler aus Deutschland will nach Russland auswandern.
Stephan Heinzler aus Deutschland will nach Russland auswandern. © Wenzel
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Nach der WM will sich Stephan Heinzler ein Leben in Kasan aufbauen. Der 47-Jährige ist so sehr von Russland überzeugt, dass er Deutschland den Rücken zukehren möchte.

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Stephan Heinzler zieht die Spanngurte an seinem Anhänger fest. Seine Reise durch Russland soll weitergehen – zurück nach Kasan, wo sich der Deutschland-Fan ein neues Leben aufbauen möchte.

Der 47-Jährige ist bereits seit Anfang Juni unterwegs. Erst Mecklenburgische Seenplatte, dann ein Campingplatz in Moskau. An seinem Fahrzeug hängt ein Anhänger, auf dem er sein Motorrad parkt. „Damit wollte ich eigentlich die Landschaft hier genießen“, erklärt Heinzler. Die Reise verläuft aber überhaupt nicht nach Plan.

Pünktlich zum 2:1 im Stadion

Für das erste Gruppenspiel gegen Mexiko kauft der gelernte Radiologietechniker ein Ticket für 560 Euro. Immerhin sieht er die kompletten 90 Minuten. Das soll sich bei den beiden anderen Spielen gegen Schweden in Sotschi und Südkorea in Kasan nicht wiederholen.

Zwei Tage nach der 1:2-Niederlage gegen Mexiko bricht Heinzler in Richtung Schwarzmeerküste auf. „Ich dachte, dass ich in 30 Stunden ankomme. Aber 150 Kilometer vor Sotschi ging es mit den ganzen Serpentinen los“, sagt der 47-Jährige. Die Zeit rennt davon. Viereinhalb Stunden später sitzt Heinzler pünktlich zum Freistoß von Toni Kroos im Stadion. Der Rest ist bekannt. „Da hat eine Minute gereicht, um am Ende glücklich zu sein“, meint der Coburger.

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Sein Fahrzeug lässt der Deutschland-Fan in Sotschi stehen. Es geht mit dem Flieger weiter. Ohne Handy in der Tasche. „Das wurde mir geklaut“, berichtet Heinzler. Auf dem Weg zum Stadion in Kasan geriet der 47-Jährige wieder in Zeitnot. Immerhin sieht er etwas mehr vom Spiel als in Sotschi – 45 Minuten vom WM-Aus. „Jetzt habe ich die Schnauze voll“, sagt der Coburger, der einen ganz besonderen Weg zurück nach Sotschi wählt: „Ich habe zwei Flüge verpasst und habe mir dann ein Taxi genommen.“ Kosten für 2000 Kilometer? Im vierstelligen Bereich!

Und die Reise geht verrückt weiter. 400 Kilometer vor Moskau stellt Heinzler seinen Bulli auf einem unbewachten Parkplatz ab. Am nächsten Morgen überraschen ihn vier Jugendliche. „Ich war kurz pinkeln und wurde dann angepöbelt. Erst bin ich zurück in den Wagen, dann hat einer von den Jungs in meinen Wagen nach Zigaretten gegriffen“, so der Radiologietechniker. Glück gehabt! An seiner Fahrertür hängen ein Hammer und ein Beil. Unter dem Sonnenschutz klebt eine Dose Pfefferspray. Heinzler greift nach dem Beil. „Wenn der Junge die Kippen nicht zurückgeworfen hätte, dann hätte er das Beil an den Kopf gekriegt“, sagt der 47-Jährige.

Fan-Visum läuft am 25. Juli ab

In Moskau angekommen, läuft alles etwas entspannter. Denn auch aufgrund der fehlenden WM-Spiele mit deutscher Beteiligung droht kein Stress mehr. Heinzler will zurück nach Kasan. Es sei die schönste Stadt auf seiner Reise gewesen: „Und dann will ich auch mal endlich mit meinem Motorrad fahren.“

Zurück nach Deutschland muss der Coburger am 25. Juli – das Fan-Visum läuft ab. Sein Plan: „Ich beantrage ein neues Visum und will mir in Russland ein neues Leben aufbauen. Am liebsten in Kasan. Dieses Land hat mich mit dem Essen, der Landschaft und der Mentalität der Menschen beeindruckt. Ich finde es schade, dass der Westen so eine schlechte Propaganda über Russland betreibt.“

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