09. November 2018 / 18:45 Uhr

Jerome Boateng spricht über Rassismus, Mesut Özil und seine Zukunft

Jerome Boateng spricht über Rassismus, Mesut Özil und seine Zukunft

Redaktion Sportbuzzer
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Jerome Boateng äußert sich in seinem neuen Magazin BOA zu aktuellen Problemen in Deutschland.
Jerome Boateng äußert sich in seinem neuen Magazin "BOA" zu aktuellen Problemen in Deutschland. © Imago-Montage
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Bayern-Verteidiger Jerome Boateng hat in seinem Magazin "BOA", welches am Samstag erstmals erscheint, offen über Rassismus in Deutschland, seinen Kumpel Mesut Özil und die Zukunft seiner Kinder gesprochen.

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Er ist sechsfacher deutscher Meister, Champions-League-Sieger und Weltmeister. Und nun hat er auch sein eigenes Magazin: Am Samstag erscheint BOA, das Lifetstyle-Heft von Fußballprofi Jerome Boateng. Und in der ersten Ausgabe kommt der Nationalspieler selbst in einem großen Interview zu Wort - er spricht über Rassismus, seinen Kumpel Mesut Özil und die eigene Zukunft.

Boateng, der beim FC Bayern München unter Vertrag steht: "Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warm mache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe."

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Gerade dann, wenn Jérôme Boateng nicht auf dem Platz stehen kann, zeigt er sich oft in extravaganten Outfits in und um die Münchner Allianz-Arena. Zur Galerie
Gerade dann, wenn Jérôme Boateng nicht auf dem Platz stehen kann, zeigt er sich oft in extravaganten Outfits in und um die Münchner Allianz-Arena. ©
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Boateng: "Dann ruft dir plötzlich jemand 'Hey, mein kleiner Nigger' zu"

Schon während seiner Kindheit musste er sich diesem Problem immer wieder stellen, sagt Boateng. "Ich erinnere mich noch an ein Pokalspiel beim Köpenicker SC. Da ist der Vater eines Gegenspielers auf unsere Seite gekommen, hat mich die ganze Zeit beleidigt. Irgendwann hab ich angefangen zu heulen."

Boatengs Mutter ist Deutsche, sein Vater kommt aus Ghana: "Meine Eltern sprachen lange nicht mit mir über meine Hautfarbe", so Boateng: "Sie war gar kein Thema. Dann ruft dir plötzlich jemand 'Hey, mein kleiner Nigger' zu. Meine Eltern haben mir da erklärt, dass manche Menschen Probleme mit meiner Hautfarbe haben. Ich konnte das nicht glauben. Für ein Kind ergibt das keinen Sinn."

Boateng bezieht heute zum Thema Rassismus in der Öffentlichkeit klar Stellung. Denn "wenn rechte Parolen bis in die Mitte der Gesellschaft vordringen, sollte jeder aufstehen und Stellung beziehen", so Boateng: "Wir Spieler bekommen viel Aufmerksamkeit. Mir ist in den vergangenen Jahren immer klarer geworden, dass ich für viele Menschen auch ein Botschafter bin."

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Boateng weiter: "Ich weiß, viele meinen nun, ich habe gut reden. Als Profifußballer befinde ich mich in einer luxuriösen Situation. Aber auch ich mache mir Gedanken, in welchem Land meine drei Kinder aufwachsen."

Seine zwei Töchter haben noch keine Erfahrung mit Rassismus gemacht: "Sie sind sieben Jahre alt. Bald werde ich mit ihnen über das Thema sprechen müssen." Laut Boateng gebe es Orte in Deutschland, an die er seine Töchter nicht auf Klassenreise fahren lassen würde, in die Berliner Ortsteile Marzahn oder Weißensee etwa - "mit anderer Hautfarbe hast du da immer etwas zu befürchten".

Das sagt Jerome Boateng über Mesut Özil

Auch über Mesut Özil, der ein guter Freund von Boateng ist, spricht der Nationalspieler. Arsenal-Profi Özil beendete im Sommer nach der verkorksten WM in Russland und dem Ärger um sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan die DFB-Karriere. Er beklagte damals in seiner Erklärung, dass er in den Augen von DFB-Präsident Reinhard Grindel und seinen Unterstützern er ein Deutscher sei, wenn die Mannschaft gewinne, aber ein Migrant, wenn sie verliere. Damit kann Boateng selbst wenig anfangen, ihm sei allerdings aufgefallen, dass vor allem bei türkischstämmigen Spielern "viele Fans und Medien viel kritischer als bei anderen Spielern kommentieren".

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