05. November 2018 / 12:41 Uhr

DFB-Jugendboss Schönweitz zweifelt am deutschen Nachwuchs: Darum sind Mbappé und Co. besser

DFB-Jugendboss Schönweitz zweifelt am deutschen Nachwuchs: Darum sind Mbappé und Co. besser

Redaktion Sportbuzzer
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DFB-Jugendchef und U20-Nationalcoach Meikel Schönweitz kritisiert die aktuelle Jugendarbeit in Deutschland.
DFB-Jugendchef und U20-Nationalcoach Meikel Schönweitz kritisiert die aktuelle Jugendarbeit in Deutschland. © Getty Images
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Das Tief der DFB-Elf ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Selbst Jugendchef Meikel Schönweitz beklagt sich nun über das in die Jahre gekommene System in der Nachwuchsarbeit - und holt zum Rundumschlag aus.

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Fehlt es dem DFB derzeit am passenden Konzept zur Ausbildung von künftigen Top-Stars? Der Sportliche Leiter der Juniorenteams Meikel Schönweitz findet: ja! Im Interview mit dem Kicker geht er hart mit der derzeitigen Lage der Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball ins Gericht. "Andere Nationen überholen uns, weil unser System in die Jahre gekommen ist", sagt Schönweitz, der aktuell auch U20-Nationaltrainer ist. Und er fordert: "Daher müssen wir das System wieder anpassen."

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Vier Gründe für die Krise der DFB-Jugend

Die Gründe für die Krise der DFB-Teams, die beim schwachen Abschneiden der Nationalelf bei der WM im Sommer und zuletzt auch mehrfach in der Nations League deutlich wurde, macht er vor allem an vier Dingen fest: der rasant steigenden Geschwindigkeit, dem negativen Einfluss des Geldes, einem zu großen Umfeld der Spieler und dem Wandel der Gesellschaft. Vor allem letzteres ist dem 38-Jährigen ein Dorn im Auge. Aus seiner Sicht "fehlen viele Alltagserfahrungen", was die Entwicklung zum gut ausgebildeten Profi erschwere.

"Mir geht es um die ganz simplen Dinge im Kindes- und Jugendalter. Springen, hüpfen, klettern, spielen, ausprobieren, lernen - wer von den jugendlichen Fußballern hat das heute noch völlig unbeschwert?" Durch die Digitalisierung ginge "Zeit für viele andere Dinge verloren", meint Schönweitz: "Der Straßenfußball wurde von der Playstation abgelöst." In anderen Ländern ist das wohl ähnlich der Fall wie in Deutschland. Doch Schönweitz betont, dass die Voraussetzungen dort andere seien. "Viele Talente aus den Pariser Vororten spielen, ähnlich wie Jungs in Südamerika, heute noch auf der Straße Fußball, und sie sehen in ihm oft die einzige Chance, ein besseres Leben zu führen." Das führe dazu, dass sich die Spieler dort persönlich besser entwickeln können. Neue Supertalente wie der Franzose Kylian Mbappé werden sich deshalb wohl auch in Zukunft in anderen Ländern entwickeln.

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Schönweitz pflichtet Ex-DFB-Trainerausbilder Hyballa bei

Mit seinen Aussagen schlägt Schönweitz in die gleiche Kerbe wie zuletzt Peter Hyballa. Der Ex-DFB-Trainerausbilder beklagte sich zuletzt im SPORTBUZZER-Interview darüber, dass die deutschen Jugendspieler heute jede taktische Grundformel beherrschen, aber mit keinem Trick mehr am Gegenspieler vorbeikommen. "Viele Kinder und Jugendliche dürfen und können nicht mehr spielen", kritisierte er.

Das einflussreiche Umfeld eines angehenden Fußballprofis hat aus Sicht des DFB-Jugendbosses zudem zur Folge, dass die Fähigkeit zur Problemlösung abhanden kommt. "Die Professionalisierung führt dazu, dass den Jungs zu viel abgenommen wird, ihnen Probleme aus dem Weg geräumt werden. Das erschwert die persönliche Entfaltung." Auch der finanzielle Aspekt wirkt sich negativ aus, meint Schönweitz: „Geld bestimmt oftmals Handlungen und Entscheidungen. Diese sind dann nicht immer gut für die Entwicklung der Spieler“, bemängelte Schönweitz.

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