Volltreffer: Holger Eickschen (l.) duscht Meistertrainer Ingo Müller mit einem Fünf-Liter-Glas Bier. © Alciro Theodoro da Silva

Die Aufstiegshelden

Bezirksliga: TSV Landolfshausen ist nach spätem 2:0-Sieg gegen SSV Nörten vorzeitig Meister

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Landolfshausen. Das Warten ist schier endlos. Nur ein Tor braucht der TSV Landolfshausen gegen den SSV Nörten-Hardenberg, um auf eigenem Platz vorzeitig Meister der Fußball-Bezirksliga zu werden. Doch dieser Treffer will einfach nicht fallen, es steht weiter 0:0. Minute für Minute verstreicht, ein TSV-Angriff nach dem anderen endet an der Strafraumgrenze der gut verteidigenden Gäste. Die knapp 80 Zuschauer werden unruhig, das Spiel ist fast beendet. Dann kommt Bruno Weidenbach auf der rechten Seite doch noch einmal durch und flankt zum Elfmeterpunkt, wo Innenverteidiger Heiko Bernheiden hochsteigt (88.). Sein Kopfball fliegt platziert in Richtung linkes Eck. SSV-Keeper Dominik Hillemann streckt sich, hat die Fingerspitzen am Ball. Doch der hat zu viel Tempo drauf und schlägt ins Netz ein. Bernheiden kann sich gerade noch das Trikot vom Leib reißen, ehe sich eine Traube jubelnder Spieler auf ihn stürzt. Danach macht Constantin Johnen mit dem 2:0 alles klar. Es ist geschafft: Landolfshausen ist Meister und steigt in die Landesliga auf.
Nach dem Schlusspfiff brechen bei Akteuren, Verantwortlichen und Fans fast alle Dämme. Von „Oh, wie ist das schön“ über die „Humba“ bis zu „Landesliga, Landesliga, hey“, wird jeder Titelfeier-Klassiker geschmettert. Nur einer bleibt cool wie eh und je: Trainer Ingo Müller. Verschmitzt grinsend steht er im roten Trainingsanzug ein wenig abseits seiner Mannschaft. Nicht einmal die Bierdusche durch Routinier Steffen Köhne bringt ihn aus der Ruhe. Warum auch? Durch den strömenden Regen war Müller ja sowieso bereits klitschnass. „Das war ein schwieriges Spiel, weil Nörten sehr rustikal aufgetreten ist. Als wir in der zweiten Halbzeit nicht richtig vor das Tor kamen, haben die Spieler schon ein bisschen angefangen, zu überlegen. Aber sie sind geduldig geblieben, weil sie wussten, dass unsere Chance noch kommt“, analysiert der Meistertrainer, während Linksaußen Alexander Haas ein „Landesligaaaaaaa“ in Richtung seines Coaches brüllt.
Genau dorthin wird der Weg des TSV nun führen: in die Landesliga. Einen Verzicht auf den Aufstieg, wie es ein Gerücht vor einigen Wochen kolportiert hatte, steht nicht zur Debatte, stellt Müller klar: „Diese Frage hat sich für uns nie gestellt. Es ist völlig klar, dass wir es in der Landesliga versuchen werden.“
Gegen Nörten zeigt Landolfshausen mehrfach, warum es die beste Mannschaft der Bezirksliga ist und auch eine Klasse höher nicht automatisch als Absteiger gesetzt sein wird. Kein anderes Team hat eine derart vielseitige Spielanlage und ist taktisch so gut ausgebildet. Die Außenspieler des TSV wechseln ständig ihre Positionen, Kreativmann Lukas Wierzbowski hat dadurch mehr Platz im Zentrum. Gegen die SSV-Konter verschieben die Gastgeber vorbildlich, dazu verfügen sie mit Marcel Rudolph über einen mitspielenden Torwart, der im Stil von Manuel Neuer auch Mal einen Ball 20 Meter vor seinem Tor per Kopf klärt. Auf ein starres System ist der neue Champion ohnehin nicht festgelegt. Als Müller in der 80. Minute mit Johnen einen zweiten Stürmer bringt, stellt er seine Elf ohne Weiteres von 4-2-3-1 auf ein 4-4-2-System um. Die Maßnahme zahlt sich mit den beiden späten Toren durch Johnen und Bernheiden aus.
Matchwinner und Aufstiegsheld Bernheiden ist unmittelbar nach dem Spiel nicht zum Lachen zu Mute. Eine ganze Weile lang krümmt er sich vor Schmerzen, wird von dabei Müller umsorgt. „Ich glaube, ich habe mir sämtliche Wirbel im Rücken ausgerenkt, weil alle Spieler nach dem Tor auf mich gesprungen sind“, sagt der aufgeschossene 22-Jährige. Das Überstreifen des roten T-Shirts mit der Aufschrift „Aufstiegshelden LA“ gelingt wenig später aber relativ problemlos. Einen wenig rückenschonenden Feier-Ritus übernehmen Bernheidens Mitspieler für ihn: Sie werfen ihren „Meistertrainer“ immer wieder in die Luft. Und in diesem Moment kann selbst Ingo Müller sein Lachen nicht mehr in sich halten.
TSV: Rudolph – Koch, Bernheiden, Busche (46. Schütze), Eickschen – Hegeler (58. Junge), Köhne – Weidenbach, Wierzbowski (80. Johnen), Haas – Jünemann. – SSV: Hillemann – Harms, Wenzel, Engelhardt, Grumme – Sosinski, Stietenroth, Horst, Hartmann – Leifheit (85. Pfeufer), Wienecke. – Tore: 1:0 Bernheiden (88.), 2:0 Johnen (90.+1).

TuSpo Petershütte-Bovender SV (19/03/2017 16:00) Bezirksliga Bezirk Braunschweig 4 (Herren) Region/Göttingen-Eichsfeld SSV Nörten-Hardenberg (Herren) TSV Landolfshausen (Herren)

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