15. September 2018 / 00:09 Uhr

Die beste unbekannte Frauen-Liga der Welt

Die beste unbekannte Frauen-Liga der Welt

Ellen Hanisch
DFB-Pokalfinale 2018 USER-BEITRAG
DFB-Pokalfinale 2018 © © Ellen Hanisch
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Der deutsche Frauenfußball stecke in der Krise, die Liga sei langweilig. Doch was sind die Ursachen?

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Pünktlich zum Saisonstart nehmen sich der Kicker und die ARD Sportschau der Allianz Bundesliga an und berichten. Die Fußballzeitschrift tut dies wie gewohnt sachlich und mit Fakten. Spielplan, Kader, ein Leitartikel und ein Interview mit Almuth Schult – all das als achtseitige Beilage im aktuellen Heft.

Die Probleme des deutschen Frauenfußballs

Die Sportschau

fand es offensichtlich angebrachter, die Allianz Bundesliga schlecht zu schreiben und auf sinkende Zuschauerzahlen zu verweisen als über die Spielansetzungen oder die Transfers aus der Sommerpause zu berichten.

Kernaussagen: Die Allianz Bundesliga sei langweilig, weil vorhersehbar. Und ZuschauerInnen gebe es auch keine. Mit dem deutschen Frauenfußball ginge es bergab, die Nationalmannschaft sei schließlich bei der WM 2017 (sic!) schon im Viertelfinale ausgeschieden.

Es werden Probleme aufgezählt, die schon seit Jahren bekannt sind.

Die Verantwortlichen der Sportschau versäumen es jedoch, die Ursachen für diese Probleme zu benennen.

Woher sollen die ZuschauerInnen denn kommen?

Der gemeine deutsche Fußballfan verfolgt in der Regel ausschließlich Männerfußball. Einer von vielen Gründen für diese Präferenz ist die Berichterstattung. Morgens den Sportteil der Tageszeitung aufschlagen, abends Sportschau – läuft! In seiner Welt kommt Frauenfußball nicht vor.

Warum letzte Saison „in einer fußballverrückten Stadt wie Köln“ zu den Heimspielen der Frauenmannschaft im Schnitt nur 324 ZuschauerInnen kamen, bleibt im Artikel der Sportschau gänzlich unerwähnt. Als eine der 324 Zuschauerinnen und Einwohnerin Kölns kann ich an dieser Stelle vielleicht weiterhelfen.

In Gesprächen mit fußballverrückten KölnerInnen außerhalb des Südstadions bin ich regelmäßig auf großes Erstaunen gestoßen:

„Wie? Wir haben eine Frauenmannschaft? In der ersten Liga??“

Diese Ahnungslosigkeit ist einfach zu erklären. Fehlende mediale Berichterstattung und die stiefväterliche Behandlung der Frauenabteilung durch den eigenen Verein verhindern, dass in Köln überhaupt ein größeres Interesse am Frauenfußball entstehen kann. Und Köln ist kein Einzelfall.

Saisonstart Allianz Bundesliga
Saisonstart Allianz Bundesliga © Ellen Hanisch
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Ist die beste Frauen-Liga der Welt unattraktiv? Das Hauptproblem der Allianz Bundesliga sei aber nicht die sinkenden Zuschauerzahlen, sondern ihre „sportliche Langeweile“. Sportliche Langeweile, weil es in den vergangenen Jahren immer den Zweikampf von Wolfsburg und Bayern um die Meisterschaft gab? Im Gegensatz zum Bayern der Männerfußball-Bundesliga sind die beiden Spitzenmannschaften nicht unschlagbar. Gerade weil die Allianz Bundesliga relativ ausglichen ist, gilt sie als die beste Frauen-Liga der Welt.

Weiterhin heißt es im Artikel die Vereine hätten den Fans nicht mehr zu bieten als Fußball. In einer Zeit, in der sich die Spitze des DFB in Sphären jenseits des Fußballs bewegt, eigentlich eine gute Nachricht. Beim Frauenfußball begibt sich jedenfalls niemand in Gefahr, unfreiwillig einem Schlagerkonzert beiwohnen zu müssen.

Der wahre Teufelskreis des Frauenfußballs Die Rechnung der Sportschau ist einfach: Kaum ZuschauerInnen, der deutsche Frauenfußball stagniert im internationalen Vergleich, Starspielerinnen wandern ins Ausland ab, noch weniger ZuschauerInnen – ein Teufelskreis.

Pikanterweise fehlt diesem Teufelskreis die Komponente mediale Berichterstattung. Die eigene Verantwortung als Sportsendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird nicht hinterfragt. Statt zum Saisonstart der Allianz Bundesliga die wichtigsten Informationen zu liefern – Wer spielt wann gegen wen? Wo werden die Spiele übertragen? – wird lieber das Bild einer drögen Liga vermittelt, die anzuschauen sich eh nicht lohnt.

Gelesen wird dieser Artikel natürlich vom gemeinen deutschen Fußballfan, der kurz aufmerkt – „Oh, Frauenfußball!“ – und sich danach erst recht kein Spiel der Frauen mehr ansehen wird. Und das ist der wahre Teufelskreis des deutschen Frauenfußballs!

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