Joachim Löw kann nach dem goldenen DFB-Sommer vor der WM 2018 aus dem Vollen schöpfen. Joachim Löw kann nach dem goldenen DFB-Sommer vor der WM 2018 aus dem Vollen schöpfen. © imago
Joachim Löw kann nach dem goldenen DFB-Sommer vor der WM 2018 aus dem Vollen schöpfen.

Die goldene deutsche Generation: Sind wir jetzt auf Jahre unbesiegbar?

Die Teams des DFB dominieren: Ein B-Team gewinnt den Confed Cup, eine geschwächte U21 die EM. Doch wie stark ist der deutsche Fußball wirklich?

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Den Fehler vom Abend des 8. Juli 1990 würde Joachim Löw nie machen. „Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden über die nächsten Jahre nicht zu besiegen sein“, tönte Teamchef Franz Beckenbauer nach dem Gewinn des dritten WM-Titels der Fußball-Nationalmannschaft. Weltmeister geworden, die deutsche Wiedervereinigung mit den besten Spielern der DDR im Anflug. Beckenbauer lud Nachfolger Berti Vogts eine Last auf die Schultern, an der dieser nur scheitern konnte.

Und heute? Ist der DFB nicht nur Weltmeister. Seine Teams gewinnen mit einer als B-Auswahl belächelten A-Mannschaft den Confed Cup in Russland – und mit einer aufgrund der Confed-Cup-Abgänger geschwächten Truppe auch noch die U21-EM in Polen.

Sind deutsche Nationalmannschaften jetzt auf Jahre nicht zu besiegen? Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:0 im Confed-Cup-Finale: „Deutschland ist immer noch die beste Mannschaft der Welt.“ Er fügte aber an: „Im Moment – nach dem Weltmeistertitel 2014 und diesem Cup.“ Garantien für die Zukunft: keine. Dafür beste Voraussetzungen. Die Analyse einer goldenen Fußball-Generation.

Die Confed-Cup-Helden sind wieder gelandet

Warum ist der deutsche Fußball so gut?

Wieder lohnt sich ein Blick zurück. Bei der EM 2000 erlebt das Nationalteam unter Bundestrainer Erich Ribbeck ein Debakel. Der Spiegel ätzt über die Nationalspieler, die nach der Vorrunde ausscheiden: „Da stand jeder für nichts als seine ganz persönliche physische, emotionale und kreative Beschränktheit.“

Die Folge: Statt wie bisher irgendwie weiterzumachen, ändert der DFB Strukturen. Das Nachwuchskonzept wird reformiert, wofür bereits Visionär Vogts in seiner Amtszeit als Bundestrainer erfolglos gekämpft hatte. Bundesweit werden fast 400 DFB-Stützpunkte eingerichtet, an denen Talente von rund 1200 lizenzierten Trainern gefördert werden. Das Klein-Klein hat ein Ende. Die Effekte der systematisierten Ausbildung genießt Joachim Löw als erster Bundestrainer so richtig. Die Spielergeneration, die er aktuell betreut, ist im neuen Nachwuchssystem groß geworden. Die U21-Europameister (Jahrgänge 1994 bis 1996) kennen das alte Fußball-Deutschland gar nicht mehr.

Mit der Systematik ist die Auswahl für die DFB-Trainer gewachsen. Acht Confed-Cup-Fahrer hätten bei der U21-EM auflaufen dürfen. Plötzlich hat Löw neben pausierenden Superstars (Thomas Müller, Mats Hummels ...) sowie Rekonvaleszenten (Marco Reus, Ilkay Gündogan ...) 44 Spieler aus zwei DFB-Kadern, die sich für die WM 2018 in Stellung gebracht haben. Neuentdeckungen nicht ausgeschlossen.

Welche Rolle spielt Löw?

Joachim Löw will mit der deutschen Nationalmannschaft zur WM nach Russland Joachim Löw ist seit elf Jahren Bundestrainer. ©

Sein Verdienst ist die Umsetzung der an der Basis gelegten Grundlagen in Ergebnisse. Bei seinen großen Turnieren als Bundestrainer erreichte er immer mindestens das Halbfinale. Im Vergleich zu früheren Nationaltrainern, die vor allem aus dem Bauch heraus agierten (Beckenbauer, Ribbeck), besitzt er Konzepte, die er auch revidiert. Es gab beispielsweise eine Zeit, als sich Löw gegen das Training von Standardsituationen wehrte. Auf dem Weg zum WM-Titel 2014 erzielte sein Team dann ein Drittel der Treffer nach ruhenden Bällen.

Wie in Russland nimmt sich Löw bewusst Zeit zum Experimentieren – und kann jetzt auf Understatement machen: „Der Confed-Cup-Sieg und die U21-EM sind keine Garantien, um Weltmeister zu werden. Bei einer WM muss alles passen, man muss fast Unmenschliches leisten.“

Was sagen die Titel über die Bundesliga aus?

Klar ist: Eine starke Nationalmannschaft ist kein Garant für internationale Erfolge der deutschen Teams. Die spanische Zeitung AS analysiert: „Deutschland ist wieder da, wo es einmal war: der Schrecken des Fußballs. Seine Vereine nicht, vielleicht weil da gar nicht so viele Deutsche spielen und die Aufstellungen nicht funktionieren.“

Den letzten Europacup feierte Bayern München 2013, deutsche Schlüsselspieler spielen im Ausland oder zementieren – wenn auch diesen Sommer überwiegend geschont – als Angestellte des FC Bayern dessen nationale Übermacht. Andere sorgen zwar in ihren Teams für Ausrufezeichen (Timo Werner bei RB Leipzig, Jonas Hector beim 1. FC Köln), im internationalen Vergleich sind die Klubs aber – noch? – zu klein, um wirklich mitmischen zu können.

Wie reagiert das Ausland?

Die Welt zieht den Hut vor der Dominanz der deutschen Nationalmannschaften. Im englischen Guardian heißt es: „Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Deutschland die beste Fußball-Nation der Welt ist.“ Die spanische El País schreibt über Deutschland als „weltweite Bezugsgröße“ im Fußball.

Nach dem WM-Titel 2014 hat Beckenbauer es übrigens wieder getan. Er glaube, „dass wir eine deutsche Ära im Weltfußball erleben, so wie es eine spanische gab“. Und im Gegensatz zu 1990 könnte der „Kaiser“ dieses Mal recht behalten. Auch Berti Vogts sieht die goldene Generation mit Freude, wie er dem SPORTBUZZER sagte: „Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem Doppelerfolg. Mich freut es besonders für die vielen jungen Spieler. Fantastisch für Deutschland!“

Internationale Pressestimmen: Deutschland gegen Chile

Deutschland (Herren) Deutschland Joachim Löw

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige