Bei den Relegationsspielen in Braunschweig und München kam es zu Krawallen. Bei den Relegationsspielen in Braunschweig und München kam es zu Krawallen. © imago
Bei den Relegationsspielen in Braunschweig und München kam es zu Krawallen.

Die Relegations-Schande: Pro und Kontra

Die Relegationsspiele der 1. und 2. Bundesliga wurden von Ausschreitungen überschattet – ist dieses Format am Ende der Saison überhaupt sinnvoll? Zwei Meinungen. 

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Unter anderem flogen Eisenstangen, Böller und Sitzschalen. Die Relegationsspiele zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig (1. Bundesliga) sowie 1860 München und Jahn Regensburg (2. Bundesliga) wurden von Randale überschattet. Liegt das an der Relegation? Und wie finden wir dieses Format? Der SPORTBUZZER-Zweikampf.

PRO: Bloß nicht einknicken!

Von Sebastian Harfst

Die Zustände in dieser Woche während und nach den Relegationsspielen in Braunschweig und München waren skandalös. Darüber gibt es keine Diskussion. Es ist nicht zu tolerieren, wenn Chaoten ihren persönlichen Frust in Aggression ausarten lassen und damit den Spielbetrieb, die Spielstätten und vor allem die Gesundheit anderer Menschen gefährden.

Aber deswegen die Relegation abschaffen? Das Herzschlagfinale im – zumindest an der absoluten Spitze – zunehmend vorhersehbaren deutschen Liga-Fußball?

Das hieße: Einknicken vor Unbelehrbaren! Kapitulation vor Asozialen! Bankrotterklärung vor einer die öffentliche Debatte dominierenden Minderheit! Und somit eine Niederlage nicht nur für das Konzept vom Fußball als Zuschauersport, sondern für den Sport allgemein, der durch Spannung die breite, nach Unterhaltung und Emotionen gierende Masse unterhält und emotionalisiert – aber keinesfalls radikalisiert.

Die Konsequenzen aus Braunschweig, wo auch die geografische Nähe zum Relegations-Rivalen aus Wolfsburg verschärfend wirkte, und München, wo sich auch der Frust der „Löwen“-Anhänger über die desolat agierende Klubführung äußerte, müssen andere sein. Es ist nämlich ziemlich einfach, nur über unbelehrbare Chaoten zu schimpfen – wenn gleichzeitig die mitunter aufopferungsvolle Präventionsarbeit der Fanprojekte chronisch unterfinanziert ist. Wie forderte der Leiter der bundesweiten Koordinierungsstelle für Fanprojekte mal: „Die Arbeit mit Fans muss genauso wichtig sein wie die Sponsorenakquise.“

Denn klar ist auch: Der Fußball ist gesellschaftlich so sehr präsent, dass er eine soziale Verantwortung besitzt.

Wie also werden aus bösen Fans in Zukunft friedliche? Wie wird Wut positiv kanalisiert? Diese Fragen gilt es zu beantworten (übrigens nicht nur in Fußballstadien). Und nicht, einen besonders spannenden Teil des Wettbewerbs abzuschaffen.

Fliegende Sitze und Stangen, Pyros, Großaufgebot der Polizei, Spielunterbrechung: Beim Relegationsspiel des TSV 1860 gegen Jahn Regensburg zeigten sich die Sechzig-Anhänger von ihrer übelsten Seite. Die Bilder der Schande aus Fröttmaning.

KONTRA: Keine blauen Augen mehr!

Von Tim Lüddecke

"All in“ zu gehen, bedeutet auch, am Ende den Einsatz hinzublättern. Ohne Theater. Mit Haltung. So vernichtend, so folgenschwer die Niederlage auch sein mag. Eine utopische Vorstellung, wie die asozialen Aktionen mancher Idioten (das Wort Fan verbietet sich an dieser Stelle) nun wieder zeigen. Ausschreitungen, in den unsäglichsten Ausprägungen, haben die jüngsten Relegationsspiele der 1. und 2. Bundesliga verunglimpft. Dabei nur von schlechten Verlierern zu sprechen, wäre fatal. Es ist ein Muster zu erkennen, dass Spiele in denen es wirklich um etwas geht, enormes Randale-Potenzial birgen.

Mit einer Relegationsabschaffung würde man den Unbelehrbaren zumindest etwas Wind aus den Segeln nehmen. Eine große Bühne, auf die ganz Fußball-Deutschland blickt, fiele weg.

Mal ganz zu schweigen von der Farce, die ein solches Format unter sportlichen Gesichtspunkten einnimmt. Wie ist es zu vertreten, dass eine Mannschaft, die eine beständig gute Saison spielt, um ihren verdienten Lohn gebracht wird? Und wie ist es zu vertreten, dass eine andere Mannschaft, die eine beständig schlechte Saison spielt, nicht dafür belangt wird?

Die finanzielle Schere zwischen 1. und 2. Bundesliga geht sowieso schon immer weiter auseinander. Seit Wiedereinführung der Relegation setzte sich in sieben von neun Fällen der Erstligist durch, gerade erst der VfL Wolfsburg mit einem fünfmal höheren Etat als Gegner Eintracht Braunschweig. Dass der Kleine am Ende dann eine Backpfeife verpasst bekommt und der Große sich mit zwei blauen Augen – und einer gebrochenen Nase (Hamburger SV) – davon stiehlt, darf nicht sein. Schon mal gar nicht abseits des Platzes. Der DFL ist das herzlich egal. Zusätzliche Spiele bedeuten zusätzliche Einnahmen.

Doch K.-o.-Spiele haben in einer Fußball-Saison über 34 Spieltage einfach nichts zu suchen – dafür gibt es den DFB-Pokal. Und da ist auch die Sache mit dem Einsatz nicht ganz so verhängnisvoll.

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