11. Juni 2018 / 10:11 Uhr

Dominick Drexler: „Zwei Jahre wie ein Traum“

Dominick Drexler: „Zwei Jahre wie ein Traum“

Thomas Pfeiffer
Zwei Jahre lang Erfolgsjubel für die KSV Holstein, jetzt in Diensten des dänischen Meisters FC Midtjylland: Dominick Drexler.
Zwei Jahre lang Erfolgsjubel für die KSV Holstein, jetzt in Diensten des dänischen Meisters FC Midtjylland: Dominick Drexler. © Imago/DeFodi
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Der Ex-Holstein-Spielmacher Dominick Drexler über die Störche, die Champions League und eine mögliche Rückkehr nach Kiel

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Er war neben Torjäger Marvin Ducksch die herausragende Figur im zwei Jahre währenden Fußball-Märchen von Holstein Kiel: Dominick Drexler. Der Zweitliga-Aufstieg 2017 und der erst in der Relegation vor knapp vier Wochen gestoppte Durchmarsch in die Bundesliga wären ohne den Spielmacher wohl kaum möglich gewesen. Nach seinen überragenden Leistungen hat der gebürtige Bonner einen Vier-Jahres-Vertrag mit dem FC Midtjylland geschlossen. Im Exklusiv-Interview mit den Kieler Nachrichten spricht Drexler über die schöne Zeit mit den Störchen und seine Perspektiven beim dänischen Meister.

Herr Drexler, wo sind Sie gerade, und wie geht es Ihnen?

Dominick Drexler: Ich traue mich fast gar nicht, das Ihren hart arbeitenden Lesern zu verraten: Ich liege an einem Strand in der Nähe von Saloniki und genieße einen Cocktail. Ich versuche einfach, nach der wirklich turbulenten Schlussphase der Zweitliga-Saison auszuspannen. Ehrlich gesagt habe ich im Urlaub eine ganze Weile gebraucht, um mich von den körperlichen und mentalen Strapazen zu erholen.

Wo und wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

Ich habe mit meiner Lebensgefährtin und zwei befreundeten Paaren ein Boot gechartert, mit dem wir uns um die Türkei und Griechenland herum bewegen.

You make me happy Baby ❤️

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Ihr neuer Klub FC Midtjylland beginnt bereits am kommenden Donnerstag mit der Saison-Vorbereitung. Ab wann werden Sie dort sein?

Am Mittwoch erledige ich in Kiel meine letzten Angelegenheiten und fahre dann abends hoch nach Dänemark.

Haben Sie schon eine Wohnung oder geht’s erst einmal ins Hotel?

Ein Spieler, der den Verein verlässt, überlässt mir sein Haus an einem See. Bis ich dort einziehen kann, lebe ich im Hotel.

Wann ist der FCM erstmals an Sie herangetreten?

Wie diverse andere Vereine aus mehreren Ländern, auch aus der Bundesliga, bereits im vergangenen Winter. Es gab Gespräche, aber mir war schnell klar, dass ich die Saison mit Holstein zu Ende spielen wollte, weil ich wusste, was mit der KSV noch alles möglich sein könnte. Die Verhandlungen mit den Klubs liefen dann über mehrere Monate, wie das so üblich ist. Die Entscheidung für Midtjylland ist dann tatsächlich erst nach der Relegation gegen den VfL Wolfsburg gefallen. Die Verantwortlichen des dänischen Meisters haben mir, genau wie Holstein vor zwei Jahren, den Eindruck vermittelt, dass sie mich unbedingt haben wollen. Ich denke, nur so kann es eine ähnlich gute Sache werden wie bei den Störchen. Ich hatte auch finanziell sehr interessante Angebote aus der zweiten englischen Liga, aber bei den Dänen hatte ich einfach das beste Gefühl. Außerdem wollte ich einen langfristigen Vertrag, den ich mit vier Jahren Laufzeit dann auch bekommen habe.

In unserem letzten Interview mit Ihnen haben Sie gesagt, dass Sie die Bundesliga lieben. Ist es Ihnen schwergefallen, die Angebote deutscher Klubs auszuschlagen?

Zunächst einmal ist es mir unfassbar schwer gefallen, Kiel und Holstein zu verlassen. Stellvertretend für die tolle Arbeit, die sämtliche KSV-Mitarbeiter geleistet haben, will ich den Physiotherapeuten Sebastian Süß erwähnen, der mich zwei Jahre lang vor jedem Spiel fit bekommen hat. Aber ich hatte eben mehrere Angebote vorliegen, auf die das Attribut zutraf, dass man es nicht ablehnen kann. Und das beste Gesamtpaket kam aus Midtjylland. Ein Wechsel innerhalb der Zweiten Liga kam für mich nicht in Frage.

Wie lautet, kurz und knapp zusammengefasst, unter sportlichen und menschlichen Aspekten das Fazit Ihrer Zeit in Kiel?

Das waren zwei Jahre wie ein Traum. In Kiel wurden zum ersten Mal in meiner Karriere meine sportlichen Fähigkeiten vom Klub, den Fans und den Medien erkannt und angemessen gewürdigt. Hier habe ich meine Freundin gefunden, mit der ich jetzt ein Jahr zusammen bin. Überhaupt bin ich mit allen Menschen im Norden sehr gut klargekommen.

Der Saisonverlauf 2017/18 von Zweitligist Holstein Kiel

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Wenn Holstein den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hätte, wären Sie ein Storch geblieben?

Natürlich hätte es diese Möglichkeit gegeben. Allerdings hätte man abwarten müssen, welche Spieler und Funktionsträger bei der KSV geblieben wären. Beispielsweise wäre Kapitän Rafael Czichos (jetzt 1. FC Köln) eine sehr wichtige Personalie gewesen. Dass Markus Anfang den Verein in Richtung Köln verlassen hat, war für mich mit ein Grund zu gehen, denn erst dieser Trainer hat aus mir gemacht, was ich heute bin.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage bei Holstein nach dem massiven personellen Umbruch ein?

Ich bin da zwiegespalten. Auf der einen Seite hat Holstein noch viele Spieler aus dem Erfolgskader der vergangenen Saison unter Vertrag. Dadurch ist die Qualität immer noch sehr hoch. Jetzt kommt es darauf an, dass der neue Trainer Tim Walter und der neue Sportchef Fabian Wohlgemuth das bestehende Aufgebot so verstärken, dass die Abgänge kompensiert werden können. Das wird die wichtigste Aufgabe sein. Denn die derzeitige Euphorie um die Störche kann auch zur Gefahr werden, wenn sich nicht alle Beteiligten inklusive der Fans bewusst machen, dass ein sehr anstrengender Kampf um den Ligaverbleib bevorsteht.

Lassen Sie uns über ihren neuen Klub sprechen. Wie schätzen Sie die dänische Superliga ein?

_Die kann ich gar nicht seriös einschätzen, weil ich dort noch nicht gespielt habe. Ich denke, dass es mir guttut, in einer dominant auftretenden Mannschaft zu agieren. Das kommt meinem Spiel entgegen. _

Werden Sie taktisch eine ähnliche Rolle einnehmen wie bei Holstein?

Ja, ich bin als Zehner eingeplant. Wahrscheinlich wird eine Doppel-Sechs hinter mir absichern, so dass ich mich in der Offensive entfalten kann.

Was würde es Ihnen bedeuten, dass Sie nach einer erfolgreichen Qualifikation demnächst in der Champions League spielen könnten?

Das wäre die Krönung meiner Karriere, die ich mir jetzt noch gar nicht vorstellen kann.

Sie sind 28 Jahre alt. Wie sehen Ihre beruflichen Perspektiven nach Ablauf des Vier-Jahres-Vertrages aus?

Ich habe derzeit nicht konkret vor, mit 32 aufzuhören. Aber in vier Jahren werde ich mich schon fragen, ob es körperlich und mental mit dem Profifußball weitergehen kann. Vielleicht kehre ich auch zu Holstein zurück.

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Steckbrief: Dominick Drexler

Geboren: 26. Mai 1990 in Bonn.

Größe: 1,82 m.

Position: zentrales, offensives Mittelfeld.

Bisherige Vereine: Bayer Leverkusen II (2009 bis 2010), Rot-Weiß Erfurt (2010 bis 2013), SpVgg Greuther Fürth (2013 bis 2014), VfR Aalen (2014 bis 2016), Holstein Kiel (2016 bis 2018), FC Midtjylland/Dänemark (Vertrag bis 2022).

Erfolge: 64 Zweitliga- und 147 Drittliga-Spiele. Wurde nach der Hinrunde 2017/18 vom „kicker“ zum besten zentralen, offensiven Mittelfeldspieler der Zweiten Liga gekürt. Platz drei in der Scorer-Rangliste 2017/18 mit zwölf Toren und elf Vorlagen.

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