25. Juni 2018 / 09:06 Uhr

Dresdner jubeln mit der DFB-Elf: „Wer war´s? Ach, scheißegal!!!“

Dresdner jubeln mit der DFB-Elf: „Wer war´s? Ach, scheißegal!!!“

Jochen Leimert
Die Gäste beim Vereinsfest der SG Striesen bejubeln den 2:1-Siegtreffer durch Toni Kroos.
Die Gäste beim Vereinsfest der SG Striesen bejubeln den 2:1-Siegtreffer durch Toni Kroos. © Steffen Manig
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Beim Vereinsfest der SG Striesen sorgt Toni Kroos erst für Entsetzen und dann für Partystimmung

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Dresden. Als im sommerlich-warmen Sotschi die deutsche Nationalhymne vor dem WM-Vorrundenspiel Deutschland gegen Schweden erklingt, ist die Stimmung im Dresdner Festzelt der SG Striesen trotz der kühlen Temperaturen am Samstagabend prächtig. Dass Marco Reus endlich in der DFB-Startelf auftaucht, der formschwache Erdogan-Verehrer Mesut Özil draußen schmort, Sebastian Rudy den beim 0:1 gegen Mexiko enttäuschenden Sami Khedira und Jonas Hector den Fremdkörper Marvin Plattenhardt ersetzt, das macht den Gästen beim SGS-Vereinsfest Mut, lässt sie den Ausfall von Mats Hummels verschmerzen. „Wir gewinnen 3:1“, legt sich Tom Tippner fest. Der Torwart der Striesener B1, die in der Landesliga den Klassenerhalt geschafft hat, hält seine Prognose für realistisch: „Viele meiner Freunde glauben an eine Klatsche für die Schweden, aber ich nicht“, sagt der Kreischaer.

3:1 – mit diesem Tipp steht der frühere Dynamo-Nachwuchskeeper, der demnächst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten beginnt, aber nicht ganz allein. Mittelfeldspieler René Boden von der 1. Männermannschaft der Striesener, die in der Landesklasse Ost mit Platz fünf das beste Ergebnis seit 16 Jahren erkämpft und die Lokalrivalen aus Weixdorf, von Borea und dem Dresdner SC weit hinter sich gelassen hat, teilt Tippners Meinung. Boden, seit fünf Monaten Vater einer Tochter, ist froh über die Aufstellung von Bundestrainer Joachim Löw: „Rudy habe ich nicht der Anfangself erwartet, die anderen Neuen schon.“ Bodens Trainer Thomas Benedix ärgert sich etwas: „Ich hätte mit Gomez begonnen, weil der in einem Spiel auf ein Tor vielleicht mehr im vollgepackten Strafraum bewirken kann als der Werner.“

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Fassungslosigkeit beim 0:1

Die Partie der Adlerträger gegen das Team der Tre Kronors beginnt verheißungsvoll, die mit vielen Kindern vor der Leinwand hockenden Striesener sehen sich mehrheitlich in ihrer Zuversicht bestätigt. Ein schon leicht angeheiterter Spielerpapa mit den Nationalfarben auf den Wangen und bunter Girlande um den Hals stößt so heftig und unablässig in seine mitgebrachte rote Plastetröte, dass den Umsitzenden fast die Ohren wegfliegen.

Erschrocken sind alle aber, als der starke Rudy volle Kanne den Schuh von Ola Toivonen ins Gesicht bekommt, blutend am Spielfeldrand behandelt und in der 31. Minute doch gegen Ilkay Gündogan ausgewechselt werden muss. Dass der für den FC Toulouse kickende Schwede Toivonen nach einem Fehler von Toni Kroos gleich das 1:0 für den Außenseiter nachlegt, löst Fassungslosigkeit im SGS-Nachwuchszentrum an der Salzburger Straße aus. „So eine Scheiße!“, brüllt ein Fan.

Das Entsetzen hält an, weil der Spielfaden der DFB-Elf nun reißt. Die Schweden haben jetzt Chancen zum 2:0 – und Dresdens Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann staunt über den plötzlich desorientierten Titelverteidiger: „Die bringen vorn nix zwingend zustande, und hinten wackelt die Bude, wenn ein blaues Trikot auftaucht.“ Der CDU-Politiker fragt sich: „Wie kann es sein, dass ein Weltmeister immer wieder so eine Selbstwahrnehmung hat, dass sich die Welt um ihn herum bis zum nächsten Turnier nicht weiterentwickelt?“

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"Jodi jodi jodi jodi hey!"

In der Halbzeitpause herrscht am Bierwagen neben dem Zelt rege Betriebsamkeit. Ein kühles Blondes zur Beruhigung muss her, doch die kommt erst nach Wiederanpfiff. Nach dem Ausgleich von Reus (48.) röhrt Striesens Live-Kommentator Tilo Jacob ins Mikro: „1:1 – jaaaa!!!“ Jetzt fallen vielen Gästen Felsblöcke vom Herzen. Da geht noch was, oder? Aber die Minuten verstreichen ohne weiteres Tor, die Uhr tickt unerbittlich runter. Doch Tim Kausch von der „Ersten“ ist sich 20 Minuten vor dem Ende sicher: „Abwarten! Wir gewinnen noch 2:1!“ Die Hoffnung ringsum schwindet aber rasch, als schon die Nachspielzeit läuft. Thomas Schuch, Chef der Firma „protec event“ und langjähriger Sponsor der SGS, ist genervt: „Ich glaube, wir brauchen einen neuen Bundestrainer und eine neue Mannschaft.“

Der Vater zweier im Verein spielender Söhne flippt nichtsdestotrotz in der fünften Minute der Nachspielzeit vor Freude aus, denn auf der von ihm organisierten Leinwand flimmert plötzlich das 2:1, rennen Jogis Eleven aufgedreht in Sotschi über das Grün. Tilo Jacob hat nicht mitbekommen, dass Kroos der Schütze war. Er fragt die Feiernden übers Mikro: „Wer war´s? Ach, scheißegal!!!“ Als der Abpfiff endlich ertönt, jubeln die Striesener – Alt und Jung – noch einmal. Aus den Boxen wummert nun Partymucke: Es ist Zeit für Andreas Gabaliers „Jodi jodi jodi jodi hey!“ Auf einmal fühlt man sich im kühlen Dresdner Osten wie beim Après-Ski – dabei gastiert die WM am Schwarzen Meer und kein Ösi darf mitspielen.

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