Trainer des FC Hansa Rostock Pavel Dotchev. Trainer des FC Hansa Rostock Pavel Dotchev. © Bernd Wüstneck/archiv
Trainer des FC Hansa Rostock Pavel Dotchev.

"Druck oder Stress kenne ich nicht"

Eine Woche vor dem Saisonstart in Lotte spricht Trainer Dotchev über die "Waffe" Ziemer, den Kampf ums Hansa-Tor und seine Kapitäns-Entscheidung. 

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Herr Dotchev, haben Sie von Rostock schon was anderes gesehen, als das Ostseestadion und die Trainingsplätze?

Pavel Dotchev: Ich war mit meiner Frau zwei Mal in der Innenstadt (lacht). Ansonsten habe ich noch nicht so viel gesehen. Ich war ein paar Mal morgens am Strand laufen, aber um richtig abzuschalten, fehlt mir die Zeit. Die Arbeit hat jetzt Priorität, aber das ist nicht schlimm.

Wie können Sie denn abschalten?

​Dotchev: Mein Hobby ist Tennis, das habe ich schon lange nicht mehr gespielt. Meine Schläger habe ich aber mittlerweile schon mal aus Paderborn mitgebracht – irgendwann werde ich die Zeit dazu finden.

Apropos Zeit: Bis zum ersten Punktspiel in Lotte bleiben nur noch ein paar Tage. Sind Sie mit der Mannschaft so weit wie gewünscht?

Dotchev: Natürlich wäre es nicht schlecht, wenn wir noch ein paar Tage mehr Zeit hätten. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg, haben unser Level zu etwa 80 Prozent erreicht.

Inwieweit haben Sie Ihre Startformation bereits im Kopf?

Dotchev: Mit der letzten Vorbereitungspartie gegen Wolfsburg haben wir am Montag noch ein besonderes Spiel, da werde ich weitere Indizien bekommen, mit welchen Leuten ich starten werde.

Der Kader ist ja auch noch nicht ganz komplett.

Dotchev: Das ist richtig, wir wollen uns auf jeden Fall weiter verstärken. Vor allem auch, weil Christopher Quiring verletzt ausfällt, das hinterlässt eine Riesenlücke. Ich werde den Kader aber nicht um jeden Preis auffüllen, sondern hole nur Leute, von denen ich weiß, dass sie uns sportlich weiterbringen. Für mich war es vor allem wichtig, dass wir offensiv an Qualität zulegen. Timo Gebhart hat uns leider verlassen, einen Spielertyp wie ihn brauchen und suchen wir jetzt. Aber solche Leute – davon gibt es nicht so viele.

Kommt noch ein Rechtsverteidiger?

Dotchev: Ja, nach dem überraschenden Weggang von Maximilian Ahlschwede haben wir für Vladimir Rankovic kaum Alternativen.

Werden noch Spieler gehen? Tim Väyrynen haben Sie einen Vereinswechsel nahegelegt.

Dotchev: Für Tim wird’s schwer, das ist kein Geheimnis. Zumal er verletzungsbedingt auch die Vorbereitung verpasst hat. Mit Soufian Benyamina, Marcel Ziemer und Mounir Bouziane haben wir schon drei Stürmer. Dazu kommt noch unser Perspektivspieler Chaka, von dem ich denke, dass er irgendwann explodieren wird. Momentan läuft er der Musik ein bisschen hinterher. Was aber normal ist, denn er kommt aus der 5. Liga.

Ist Väyrynen der Einzige, dem Sie einen Vereinswechsel nahegelegt haben?

Dotchev: Ja.

Marcel Ziemer darf ein paar Tage nach seiner Degradierung ins Oberligateam schon wieder bei den Profis mittrainieren. War das Ganze nur ein Denkzettel für ihn?

Dotchev: Es war eine Maßnahme, um den Spieler wachzurütteln, er sollte ein bisschen über seine Zukunft nachdenken. Felix Dojahn, der Trainer unserer zweiten Mannschaft, hat mir gesagt, dass Marcel sich vorbildlich verhalten hat – das war für mich das Signal: Er hat’s kapiert! Und natürlich ist er bei uns besser aufgehoben, um seinen Fitnessrückstand aufzuholen.

Wann werden Sie den neuen Kapitän bekanntgeben?

Dotchev: Anfang nächster Woche lege ich mich fest. Ich werde einen Kapitän und zwei Stellvertreter benennen – sie werden mit einem jüngeren Spieler und dem Kassenwart den fünfköpfigen Mannschaftsrat bilden.

Welcher Torhüter hat die Nase vorn?

Dotchev: Das Rennen ist noch offen. Louis Zwick und Kai Eisele sind auf Augenhöhe. Nach dem letzten Testspiel gegen Wolfsburg werde ich mich entscheiden.

Welchen Ihrer Stürmer sehen Sie in der Lage, die nötigen Tore zu schießen, damit Hansa sich weiter oben etablieren kann?

Dotchev: Soufian Benyamina ist auf einem sehr guten Weg, auch Marcel Ziemer ist eine Waffe – wenn er fit ist. Aber er muss in der Lage sein, hohes Tempo zu gehen und zwar nicht 30, 40 Minuten, sondern 80 oder 90.

Ist die Situation bei Hansa vergleichbar mit der in Aue vor zwei Jahren, als Sie mit einer völlig neu formierten Mannschaft starteten und gleich den Aufstieg schafften?

Dotchev: Sie ist sehr ähnlich, aber in Aue habe ich bei null angefangen. Hier bei Hansa hatten immerhin noch einige Spieler Verträge. Wir werden – wie in Aue – sicher am Anfang der Saison an vielen Schrauben drehen müssen und Dinge korrigieren. Irgendwann wird die Maschinerie problemlos laufen, so dass wir oben anklopfen können.

Sie waren aus dem Punktspielbetrieb eine Weile raus. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Dotchev: Dass es jetzt endlich losgeht! Auf diesen Adrenalinschub, wenn man am Wochenende auf der Bank sitzt. Glauben Sie mir: Es gibt nichts Besseres für einen Trainer als ein gewonnenes Spiel. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben.

Der Druck spornt sie also an?

Dotchev: Für mich gibt es keinen Druck, den macht man sich nur selber. Genauso ist es mit Stress. Das kenne ich alles nicht, weil ich einen klaren Plan, eine Idee habe. Ich weiß auch, dass wir viele Rückschläge erleben werden. Aber das ist die Kunst: nach Rückschlägen wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Interview: Sönke Fröbe

Region/Mecklenburg Vorpommern F.C. Hansa Rostock F.C. Hansa Rostock (Herren)

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