09. Oktober 2018 / 11:28 Uhr

DTB-Coach Tiedemann: "Es fehlt an der richtigen Einstellung"

DTB-Coach Tiedemann: "Es fehlt an der richtigen Einstellung"

Michael Kerzel
André Tiedemann trainiert den Delmenhorster TB bereits seit mehreren Jahren. Er führte das Team in die Kreisliga, steht dort aber derzeit am Tabellenende.
André Tiedemann trainiert den Delmenhorster TB bereits seit mehreren Jahren. Er führte das Team in die Kreisliga, steht dort aber derzeit am Tabellenende. © INGO MOELLERS
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Coach des Kreisligisten spricht im Interview über die Gründe für die Krise beim derzeitigen Schlusslicht

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Der Delmenhorster TB hat keines seiner ersten zwölf Saisonspiele in der Kreisliga Oldenburg Land/Delmenhorst gewonnen. Trainer André Tiedemann sieht ein Mentalitätsproblem seiner Spieler als Ursache. Fußballerische Qualität sei genügend vorhanden, um den Klassenerhalt zu schaffen. Im Interview spricht das DTB-Urgestein über die aktuelle Krise.

Herr Tiedemann, der Delmenhorster TB ist nach zwölf Spieltagen sieglos Tabellenletzter in der Fußball-Kreisliga. Warum ist die Mannschaft so schlecht?

André Tiedemann: Es kommt vieles zusammen gerade. Vor allem spielen wir als Mannschaft nicht gut zusammen. Wir haben gute und schlechte Phasen. Gegen Hürriyet am Wochenende (DTB verlor mit 2:7, Anmerkung der Redaktion) waren wir allerdings 90 Minuten schlecht, sonst wenigstens regelmäßig 45 Minuten gut. Aber das reicht in der Kreisliga eben nicht. Gegen Wardenburg führen wir mit 3:1 und müssen das Ding in der ersten Halbzeit schon entscheiden, gegen Huntlosen führen wir 3:0 zur Halbzeit, gegen Hasbergen führen wir mit 3:1 und haben zwei Mann mehr auf dem Feld, trotzdem haben wir kein Spiel gewonnen. Wir bekommen gerade unsere Gegentore viel zu einfach.

Ist die Abwehr zu schlecht?

Das liegt ja nicht nur an der Abwehr, die hat auf keinen Fall alleine Schuld. Wir bekommen von vorne bis hinten keinen Zugriff auf den Ball. Außer den Torhütern, die konstant stark halten, kann man keinen Mannschaftsteil von der Kritik ausnehmen.

Woran liegt es, dass die Spieler keinen Zugriff bekommen?

Ich vermisse den absoluten Willen bei den Spielern. Die Interessen scheinen sich in eine andere Richtung zu entwickeln, dem Fußball wird einfach eine geringere Priorität zugemessen. Wenn ich in der Kreisliga spielen will, dann muss ich dafür was machen. Wenn ich nicht trainiere und auch privat sonst nichts für mich mache, dann reicht es halt nicht.

Was versuchen Sie, um dieses Einstellungsproblem zu bekämpfen?

Ich lasse da natürlich nichts unversucht, aber ich fahre jetzt nicht mit dem Bus rum und hole alle Spieler zum Training ab. Das muss schon von ihnen selbst kommen. Am Donnerstag vor dem Hürriyet-Spiel waren fünf Leute beim Training, einige haben nicht mal abgesagt vorher. Ich habe das klar angesprochen und hoffe, dass sich das jetzt bessert. Als Trainer hat man die Arschkarte. Ich kann natürlich sagen, dass die Spieler, die nicht zum Training kommen, nicht spielen. Nur dann habe ich nicht genug Leute am Wochenende. Und es fehlen die Leute, die auch mal zehn Prozent mehr geben, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Die Schuld wird aber beim Mitspieler gesucht. Auf dem Feld bäumen sich die Spieler nicht auf, da fehlt es an Mentalität. Was die bewirken kann, sieht man bei den Hasbergen, die sind Vierter, aber haben qualitativ keine besseren Spieler als wir. Wir haben gegen die mit 3:1 geführt und dann fliegen noch zwei Hasberger vom Platz. Die wurden aber immer besser, haben gekämpft und noch ausgeglichen, während meine Jungs komplett neben der Spur waren. Das ist dann der Mentalitätsunterschied.

Die fußballerische Qualität ist an sich aber vorhanden, oder?

Ich glaube schon, dass wir eine höhere Qualität als einige andere Mannschaften in der Liga haben. Aber ich sehe nicht, dass wir wie in der vergangenen Saison aus der Winterpause kommen und alles gewinnen. Die anderen Mannschaften treten geschlossener auf als wir. Wir haben in der Sommerpause einige neue Leute dazubekommen. Das sind qualitativ gute Spieler und auch gute Menschen, da kann man nichts sagen. Aber fußballerisch passt es bei uns nicht zusammen. 50 bis 60 Prozent der Spieler bleiben unter ihren Möglichkeiten. Sei es, weil sie einen schlechten Lauf haben oder weil sie – warum auch immer – nicht trainieren. Einige Spieler haben unsere Situation durchaus begriffen, anderen geht sie nicht besonders nah. Zwölf Spiele ohne Sieg nagen bei dem einen oder anderem natürlich auch im Kopf, anderen scheint das egal zu sein. Es fehlt einigen Leuten an der richtigen Einstellung, die man bei einem Mannschaftssport braucht. Als ich noch gespielt habe, war ich immer beim Training, wenn es irgendwie ging. Da bleibe ich nicht zu Hause, wenn ich etwas kränkel. Ich habe auch immer versucht, und mache das auch jetzt noch, meinen Urlaub so zu legen, dass ich beim Fußball da bin. Was einige Leute aktuell an Trainingseinheiten verpassen, habe ich im ganzen Leben nicht verpasst. Verletzungen natürlich ausgenommen.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Erst einmal ist es unser Glück, dass andere Mannschaften im Keller auch nicht viel mehr Punkte haben als wir. Die gewinnen allerdings haushoch gegen uns (Der Drittletzte TV Falkenburg gewann erst ein Saisonspiel: mit 5:0 beim DTB, Anmerkung der Redaktion). In der Winterpause muss man natürlich versuchen, neue Leute zu holen, aber das ist schwierig. Und das macht die mannschaftliche Geschlossenheit ja nicht besser. Eigentlich wäre es besser, ein kleiner verschworener Haufen zu sein. Aber das ist aufgrund des Verletzungspechs schwierig. Kapitän Lukas Benthien fällt ein paar Wochen aus, gegen Hürriyet mussten wir mit zwei Sechsern in der Innenverteidigung spielen. Dazu ist unser Torjäger vom Dienst, Daniel Glander, nach einem Arbeitsunfall noch nicht wieder voll da. Das merkt man. Wenn der nicht trifft, haben wir ein Problem. Wir können uns so nie mit einer ersten Elf einspielen. Da unsere zweite Mannschaft Freitagabend spielt, bekommen wir von denen Leute dazu. Die hauen sich voll rein.

Wenn die Qualität da ist, die Einstellung aber nicht stimmt, ist dann vielleicht der Trainer der falsche?

Bei anderen Kreisligisten wäre ich wahrscheinlich schon gefeuert worden, aber der Delmenhorster TB ist da anders. Der Vorstandsvorsitzende Hamid Mehrdadi ist bei fast jedem Training und auch in der Kabine dabei. Der sieht, mit welchem Herzblut ich dabei bin und wie ich arbeite. Du kannst als Trainer aber noch so engagiert sein: Wenn die Spieler nicht mitziehen, klappt es nicht. Wenn der Verein kommt und sagt: Mit einem anderen Trainer läuft es besser, dann bin ich der Letzte, der sich da versperrt. Ich dränge mich nicht auf und bin keine One-Man-Show. Es geht hier nicht um mich, es geht darum, dass der DTB in der Kreisliga spielt. Ich bin seit 1991 im Verein, und nur um diesen geht es. Ich rede offen mit dem Vorstand darüber und dieser sieht ja, was ich hier mache. Und ich habe auch weiter Lust drauf, hier Trainer zu sein. Ich verlange von den Spielern nur eines: Sie sollen so viel Herzblut reinstecken, wie ich es tue. Dann werden sich auch die Erfolge einstellen.

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