"Erzieher – das wäre etwas, das mich interessiert" - Florian Fromlowitz © imago/Hübner

"Du musst jetzt ins Tor, obwohl du gar nicht gewollt bist" - zweiter Teil des Interviews mit Florian Fromlowitz

Ex-96-Torwart Florian Fromlowitz spricht im zweiten Teil des XXL-Interviews über seinen Ruf in der Zeitung, fehlendes Vertrauen - und seine Perspektive nach dem Fußball.

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Als Robert Enke sich am 10. November 2011 das Leben nahm, wurde er die neue Nummer eins im 96-Tor: Für Florian Fromlowitz war die Last am Ende zu groß. Es folgten eine Karriere voller Zweifel und der sportliche Absturz von der Bundes- bis in die Regionalliga.

Inzwischen lebt der 30-Jährige mit Familie in der Pfalz und arbeitet an seinem Comeback bei Viertligist FC Homburg. Und er hat Pläne für die Zeit nach dem Fußball: „Erzieher, das wäre etwas, was mich interessiert.“! Hier geht es weiter mit dem zweiten Teil des Interviews mit Florian Fromlowitz.Teil 1 könnt ihr hier lesen.

Ex-96-Manager Jörg Schmadtke hat gesagt, Sie seien immer ein sehr sensibler Typ gewesen.

Florian Fromlowitz: Ja, ich habe vielleicht immer so ’ne Fassade aufgezogen. Das war so ein Schutz, den ich mir selbst aufgebaut habe. Insgesamt bin ich eher ein zurückhaltender, ruhiger Typ. Der vielleicht auch ein bisschen an die Hand genommen werden musste. 

Wenn ich Vertrauen gespürt habe, konnte ich immer sehr viel zurückgeben. Leider habe ich das in meiner Karriere nicht so oft erfahren, dass ein Trainer voll auf mich gebaut hat. Das war vielleicht mein Pech. Aber jetzt bin ich auf jeden Fall im Reinen mit mir, und die Leute wissen, dass ich auch eine weiche Seite habe.

Als Sie in Duisburg auf die Bank sollten und aus dem Stadion geflohen sind, galten Sie als arroganter Schnösel. Dabei hatte Ihre Frau gerade eine Fehlgeburt erlitten. Sie sind zu ihr ins Krankenhaus.

Ich habe mich einfach nicht in der Lage fühlt, mich da auf der Bank zu setzen, das habe ich auch dem Trainer Olli Reck gesagt. Mein Fehler war, die Flucht zu ergreifen, das Handy auszumachen und die Sache dann auch nicht intern im Verein anzusprechen.

Ich habe eine hohe Geldstrafe bekommen und bezahlt, ich habe einen Ruf wegbekommen in der Zeitung – das hat mir dann sehr geschadet und mich noch weiter ins Tal herunterkatapultiert. Hätte ich diesen privaten Schicksalsschlag öffentlicher gemacht, dann wären die Leute wahrscheinlich sanfter mit mir umgegangen.

58-mal stand Florian Fromlowitz für Hannover 96 im Bundesliga-Tor. Nach seinem Weggang führte sein sportlicher Weg abwärts.

Was halten Sie von Psychologen im Profifußball?

Wir Spieler sind auch nur Menschen, keine Maschinen. Auch ich musste da erst hineinwachsen, hatte dann mit Dr. Marlovits (der Psychologe Andreas Marlovits betreute die 96-Profis nach dem Enke-Tod, d. Red.) hilfreiche Gespräche. Da war mir klar, dass es auf jeden Fall eine Kopfsache ist, ich konnte diese Situationen nicht alleine bewältigen.

Sie haben sogar unter der Dusche gebetet?

Das war damals, als mich Mirko Slomka aus dem Tor rausnehmen wollte, schon in der Winterpause versucht hat, mit Gerhard Tremmel einen Torhüter zu verpflichten, was mich psychologisch auch sehr, sehr getroffen hat. Ich wusste: Du musst jetzt ins Tor, obwohl du gar nicht gewollt bist. Das war für mich dann die schwierigste und härteste Phase. Und dafür habe ich mir Kraft geholt.

Sie müssen jetzt schon Ihre Zeit nach dem Fußball planen. Was würden Sie gern beruflich machen?

In der Zeit mit meiner Familie und den Kindern konnte ich mich neu kennenlernen. Erzieher – das wäre etwas, das mich interessiert. Leuchtende Kinderaugen, frohe Kinderherzen – das geht mir nahe. Ich glaube, dass ich mit Kindern sehr gut umgehen kann. Und dann vielleicht noch Jugendtorwarttrainer.

Wissen Ihre beiden kleinen Kinder, drei und vier Jahre alt, dass Sie Torwart sind?

Die wissen schon, was der Papa mal gemacht hat und was noch sein Beruf ist. Aber es wäre schön und ist auch ein kleiner Traum von mir, wenn sie mich noch mal im Tor sehen könnten.

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