Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus muss im Testspiel gegen den FC Oberlausitz auf einige Stammkräfte verzichten. Dynamo Dresdens Spieler und Trainer Uwe Neuhaus wünschen sich eine entspanntere Saison 2018/19. © dpa
Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus muss im Testspiel gegen den FC Oberlausitz auf einige Stammkräfte verzichten.

Dynamo Dresden übt sich in Selbstkritik

Die Spieler und Trainer Uwe Neuhaus nehmen einen Berg an Hausaufgaben mit in die Sommerpause.

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Dresden. Dass es ein schwieriges Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga werden würde, war nach dem Abgang der Offensivkräfte Stefan Kutschke, Akaki Gogia und Marvin Stefaniak klar, doch an eine derartige Hängepartie dachte bei Dynamo Dresden im Sommer 2017 wohl niemand. „Vor der Saison hatte keiner das Ziel bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zu zittern“, räumte auch Stürmer Pascal Testroet nach dem 0:1 gegen Union Berlin ein. Er ist heilfroh, dass seine Mannschaft am Sonntag noch einmal mit einem blauen Auge davonkam. Auf eine weitere Saison samt Dauerstress im Abstiegskampf hat der 27-Jährige keine Lust: „Nächstes Jahr muss wieder anders laufen. Wir wollen ja alle auch wieder ein bisschen mehr Freude am Fußball haben.“

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Kapitän Marco Hartmann gestand: „Ich bin froh, dass wir kein weiteres Spiel mehr haben. Dass es vorbei und geschafft ist, weil man viel gearbeitet hat und es zäh war. Ich glaube, dass so auch irgendwann die Überzeugung nicht mehr dagewesen wäre.“ Man habe in der Mannschaft in den letzten Wochen viel geredet, versucht, die letzten Reserven zu erschließen. Jetzt fühlten sich die Spieler ausgelaugt, verbraucht – einfach reif für die Insel. Dass Dynamo nach dem Laktattest am Donnerstag in die Sommerpause starten und die Truppe etwas Abstand gewinnen kann, empfindet Testroet als Privileg. „Megagut“, fühle sich das an. „Wenn wir jetzt 100 Kilometer weitergucken nach Aue… Was haben die für eine brutale Situation! Die haben zwischenzeitlich, glaube ich, acht Spiele nicht verloren, die waren eigentlich durch. Und dann verlieren die auf einmal drei in Folge und stehen gegen uns mit dem Rücken zur Wand. In dem Spiel spielen sie 0:0 und dann in Darmstadt 0:1. Die haben jetzt die beschissene Relegation.

Damit der Kelch mit der letzten Ölung auch im nächsten Jahr an den Schwarz-Gelben vorübergeht, müssen jetzt die Hausaufgaben erledigt werden. Dazu zählt eine kritische Bestandsaufnahme, die nur belegen kann, dass der Absturz von Rang fünf im Vorjahr auf Rang 14 in der abgelaufenen Saison kein überraschender Zufall, kein unglücklicher Ausrutscher war. Vielleicht war sich die Mannschaft auch zu lange zu sicher, nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten zu können. Platz fünf und der allseits gelobte Ballbesitzfußball trübten wohl die Sinne für die Tatsache, dass man sich für das eine nichts mehr kaufen konnte und das andere nicht mehr in gleichem Maße wie in der Vergangenheit erfolgreich war. „Wir gehören da unten nicht hin, wir sind einfach zu gut, um abzusteigen!“ – dieses Motto wurde der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus beinahe zum Verhängnis. „Ich war ja auch einer, der das häufig gesagt hat und auch der Überzeugung war, aber im Endeffekt sind wir vielleicht doch nicht so gut“, übte Marco Hartmann Selbstkritik.

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Der oft verletzte und so auch um seine Form ringende Kapitän glaubt, dass es Dynamo besonders in der Offensive an Qualität gefehlt habe: „Wenn du über drei, vier Spiele die Hütte nicht triffst und einer vergibt viele Chancen – das kann immer im Fußball passieren, aber über ein ganzes Jahr? Dann fehlt dir die Qualität.“ 42 Tore nur schoss die SGD in dieser Zittersaison – das waren gleich elf weniger als im Vorjahr, die Anzahl der Gegentreffer stieg auch, aber nur um sechs auf 52.

Dass die Lücken im Kader nicht nur aufgefüllt werden, sondern die Schwachstellen behoben werden müssen, ist Trainer Uwe Neuhaus klar. Auch er bekam am Sonntag einmal mehr vor Augen geführt, woran Dynamo krankt: „Auf dem Weg nach vorne hatten wir keine Durchschlagskraft, wenig Torgefahr, obwohl wir über außen gute Ansätze hatten.“ Daran müsse man arbeiten, so der 58-Jährige. Er sieht der Weiterentwicklung der Mannschaft aber optimistisch entgegen: „Wir haben keine schlechte Ausgangsposition. Wir haben einen sehr guten Stamm als Mannschaft, der hier erhalten bleibt. Wir müssen natürlich auch nach Verstärkung suchen, aber das haben wir schon Wochen und Monate gemacht. Das ist ja eine ganzjährige Aufgabe.“ Vielleicht könne man schon in Kürze Ergebnisse präsentieren. Ein Name, der derzeit hoch gehandelt wird, ist der des 21 Jahre alten Deutsch-Türken Ugur Tezel. Der Rechtsverteidiger aus der Hertha-Reserve konnte mit 33 Spielen in der Regionalliga Nordost überzeugen. Er könnte die Rolle von Paul Seguin (zurück nach Wolfsburg) als Backup für Niklas Kreuzer einnehmen.

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Ein klares Ziel für die kommende Saison hat Neuhaus bereits ausgegeben: „Unser Bestreben geht sicherlich dahin, eine Heimbilanz zu schaffen, auf die alle stolz sein können.“ Noch einmal Letzter in der Heimtabelle will niemand bei Dynamo werden, der bohrende Fragen auf der Straße vermeiden möchte. „In unserem Hexenkessel müssen wir anders auftreten, wieder etwas ausstrahlen“, fordert Pascal Testroet. Der Bocholter bekräftigte seine Absicht: „Ich will nächste Saison wieder ein geileres Jahr haben.“

Von Caroline Grossmann und Jochen Leimert

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