09. März 2018 / 12:58 Uhr

Dynamo Dresdens Aosman im Fokus von Bernd Stange und syrischer Nationalelf

Dynamo Dresdens Aosman im Fokus von Bernd Stange und syrischer Nationalelf

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Bernd Stange tritt in Kürze sein Amt als syrischer Nationaltrainer an. 
Bernd Stange tritt in Kürze sein Amt als syrischer Nationaltrainer an.  © dpa
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Der frühere DDR-Auswahltrainer Bernd Stange wird am 14. März 70 Jahre alt. Der perfekte Zeitpunkt für eine neue Herausforderung, ausgerechnet in Syrien.

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Jena/Dresden. Am kommenden Mittwoch wird Bernd Stange 70 Jahre alt. Der frühere DDR-Auswahltrainer hat aber keine Zeit, seinen Geburtstag groß zu feiern, denn er ist im Mittleren Osten unterwegs. Der gebürtige Lausitzer, der kurz vor einem Engagement als Nationaltrainer Syriens steht, beobachtet Spiele am Persischen Golf. Vorab stand der Fußball-Weltenbummler den DNN ausgiebig Rede und Antwort. Teil Zwei des Interviews lesen Sie morgen auf www.sportbuzzer.de

Herr Stange, wissen Sie, was das arabische „Eid milad saeid“ übersetzt heißt?

Nein, das weiß ich nicht.

Es heißt „Alles Gute zum Geburtstag“.

(lacht) Ich will keine weiteren Sprachen neben Deutsch, Englisch und Russisch lernen. Diese Sprachen beherrsche ich perfekt.

Sie werden 70. Wie alt fühlen Sie sich?

Ich fühle mich topfit und gesund. Ich bin frei von Krankheiten und jeglichen Verletzungen und glaube einfach nicht, dass ich schon 70 werde.

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Welche Wünsche haben Sie noch?

Zusammenhalt in der Familie und vor allem Gesundheit. Das ist das Wichtigste.

Sie blicken auf ein ereignisreiches Leben zurück. Was waren in Ihrer sportlichen Karriere die Höhepunkte?

Das sind so viele, dass da ein Interview überhaupt nicht ausreicht. 165 Länderspiele mit fünf verschiedenen Ländern. Da gab es so viele Höhepunkte. Man kann da das eine mit dem anderen nicht aufwiegen. Manchmal ist ein Durchmarsch mit Appolon Limassol ohne eine einzige Niederlage genauso hoch zu bewerten wie ein Sieg mit der DDR-Nationalmannschaft gegen Frankreich mit Platini, Tigana, Giresse.

Welche Dinge hätten Sie in Ihrem Leben anders gemacht?

Aus dem System des DDR-Leistungssports kommend, eine praktisch bankrotte Mannschaft wie Hertha BSC zu übernehmen – so etwas würde ich nie wieder tun. Ich würde heute auch nicht mehr erlauben, dass eine Mannschaft wie der VfB Leipzig in die erste Bundesliga aufsteigt und seine besten Spieler verkaufen muss, weil das Geld nicht reicht. Und am Ende landet alles beim Trainer.

Sie haben seit Januar 2018 ein Angebot, Trainer der syrischen Nationalmannschaft zu werden. Wie kam es dazu?

Ich habe eine schriftliche Einladung vom Präsidenten des syrischen Fußballverbandes bekommen, die Nationalmannschaft von Syrien auf den Asien-Cup 2019 vorzubereiten. Das hat mich total überrascht und aus meinem Pensionsdasein herausgerissen. Das Angebot beruht auf meiner super Arbeit unter kompliziertesten Bedingungen im Irak. Sie haben sich erkundigt und gesagt: „Es ist eine ähnliche Situation und trotzdem muss die Mannschaft vorbereitet werden, weil wir Mitglieder der großen FIFA-Familie sind. Das könnte der Bernd Stange lösen.“

Was finden Sie an dieser Aufgabe am spannendsten?

Es ist eine unglaubliche Herausforderung, weil die 30 besten Spieler Syriens in der ganzen Welt verstreut spielen. In Deutschland, in Holland, in Schweden, in Saudi-Arabien, in Katar, in den Emiraten, in Amerika. Es ist eine unheimliche logistische Herausforderung, diese Mannschaft irgendwie zusammen zu bekommen und vielleicht beim Asien-Cup eine Überraschung zu schaffen. Mir ist Ähnliches mit dem Irak gelungen.

Haben Sie dabei auch den Dresdner Aias Aosman im Blick?

Er muss beweisen, dass er eine Verstärkung ist. Es ist ja bekannt, dass ich vor allem Fußball spielen lassen will. Und da ist das ein interessanter Spieler, der sich jetzt bei Dynamo durchsetzen muss.

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Haben Sie schon mit Ihm gesprochen?

Ja, das habe ich gemacht. Ich habe fast mit allen Nationalspielern telefoniert. Er ist ein fußballbegabter Spieler, der alles hat, was ein guter Fußballer braucht, aber der sich durchsetzen muss. Und das ist die Forderung. Ein guter Fußballer allein reicht aber noch nicht aus. Er muss hart an sich arbeiten.

Aufgrund des Bürgerkriegs muss die Mannschaft seit 2011 ihre Heimspiele auf neutralem Boden austragen. Wie sieht es in denn in Syrien aus?

Ich war vor kurzem zwei Tage in Syrien, und die Situation ist überaus kompliziert. Es ist ein geschundenes Land. Dort ist sieben Jahre Krieg. Der dauert länger als der Zweite Weltkrieg.

Sie haben schon oft in kritische gesehenen Regionen gearbeitet. Dennoch haben Sie immer wieder betont, sich aus der Politik herauszuhalten. Wie schaffen Sie das?

Ich bin ein überaus politisch interessierter Mensch. Das ist schon dadurch begründet, dass ich in verschiedenen Gesellschaftssystemen gearbeitet habe, und dass ich sehr viel gesehen und erlebt habe. Und ich weiß, dass es in bestimmten Gebieten absolut unangebracht ist, sich politisch zu äußern. Ich beziehe mich dabei auch auf die Regularien der FIFA, dass eben politische Botschaften unerwünscht sind. Und das hält eben die FIFA-Familie auch zusammen. Dass Kriege unterbrochen werden, um ein Qualifikationsspiel auszutragen. Und das ist großartig. Man würde das zerstören, wenn man sich von seiner Arbeit ablenken lässt. Die Aufgabe eines Fußballtrainers ist die Ausbildung junger Leute zur Höchstleistung. Das ist meine Aufgabe, und die unterscheidet sich überhaupt nicht darin, dass sich die politischen Systeme ändern. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen.

Wir bitten darum.

Ich habe die Fußballmannschaft des Irak trainiert unter einem Saddam Hussein. Dafür wurde ich von den Medien, vor allem von den deutschen Medien, fertig gemacht. Und ich habe die gleiche Mannschaft unter dem Gouverneur Paul Bremer betreut. Bremer war der von der USA eingesetzte Gouverneur für den sogenannten befreiten Irak. Dabei habe ich die gleiche Arbeit gemacht und habe dafür die höchste Fußballauszeichnung der FIFA erhalten.

Den „FIFA Presidential Award“ 2003.

Ja genau, und eigentlich hat sich nix geändert, nur die Spitzen in der Politik.

Syrien ist bereits Ihre sechste Nationalmannschaft. Es waren vor allem kleinere Fußballnationen. Warum sind Sie ein Aufbauhelfer für den Fußball?

Der Grund ist relativ einfach. Ich hatte natürlich als DDR-Nationaltrainer die Chance, im wiedervereinigten Deutschland mich sofort durchzusetzen. Bei Hertha BSC oder beim VfB Leipzig. Zweimal hat es nicht geklappt. Muss ich so sagen. Ich war einfach nicht reif, nicht vorbereitet für diese Aufgabe. Sportlich ja, aber es lief noch so vieles nebenher. Und dadurch hatte ich meine Chance als Osttrainer natürlich verwirkt. Und wenn man Deutschland einmal den Rücken kehrt, dann gibt es keine Rückkehr mehr. Dann ist man verbrannt.

Haben Sie keine Angst, in Krisengebieten zu arbeiten?

Angst ist in dem Fall unangebracht. Angst habe ich manchmal auf vollbesetzen Plätzen. Da erfasst mich manchmal ein mulmiges Gefühl. Ich glaube, dass man heute überall aufpassen muss in der Welt.

Timotheus Eimert

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