DSC_0498 (1) Ob die Frauen des TV Jahn Delmenhorst auch am Ende der kommenden Saison jubeln können? © Ingo Moellers
DSC_0498 (1)

TV Jahn: Ein Himmelfahrtskommando

Die Frauen des TV Jahn Delmenhorst kämpfen in der neuen Saison der 2. Bundesliga unter erschwerten Bedingungen um den Klassenerhalt

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

425 Kilometer oder anders gesagt: knappe fünf Stunden Autobahnfahrt. Jena ist von Delmenhorst aus nun wahrlich keinen Katzensprung entfernt. Warum also sollte jemand die thüringische Stadt besuchen wollen? Nun, vielleicht um die „Sieben Wunder von Jena“ zu begutachten – sieben Sehenswürdigkeiten, mit denen dort geworben wird. Oder aber, um die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst spielen zu sehen. Denn die müssen die 425 Kilometer lange Reise ab der nächsten Saison auf jeden Fall antreten. Nachdem sie am Dienstag erst die Zusage zur Teilnahme an der 2. Bundesliga erhalten haben, hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die beiden Staffeln nun eingeteilt. Und die Jahn-Frauen bekommen es in der Nord-Staffel eben unter anderem mit dem FF USV Jena II zu tun. Die erste Partie ist für den 3. September terminiert.

Attraktiver dürften aber die Begegnungen gegen den Bundesliga-Absteiger Borussia Mönchengladbach, die Reserve des VfL Wolfsburg und natürlich das Derby gegen den TV Cloppenburg sein. Auf welchen Gegner sich die Delmenhorsterinnen um ihren Trainer Claus-Dieter Meier am meisten freuen? „Schwer zu sagen. Für uns sind die meisten Gegner Neuland. Ich kenne Cloppenburg, vielleicht Meppen, und dann hört es auch schon auf. Wir fiebern einfach jedem Spiel entgegen“, sagt Meier.

Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga erwartet die Jahn-Frauen aber nicht nur ein sportliches Abenteuer, sondern auch eine finanzielle Herausforderung. Allein die Kosten für die Fahrtstrecken steigen, so reisen die Delmenhorsterinnen unter anderem nach Jena, Potsdam und Mönchengladbach. Alles Städte, die nicht gerade um die Ecke liegen. Besorgt ist Meier deswegen aber nicht, gemeinsam mit den Vereinsverantwortlichen hat er das alles durchgerechnet. „Der Aufwand ist hoch, aber wir können ihn stemmen. Vom DFB erhalten wir Zuschüsse für die Fahrten und auch für die Übernachtungen“, erzählt Meier. Die Summe habe der Verein bereits in die Kalkulationen mitaufgenommen. Mit einem Schmunzeln im Gesicht merkt Meier an: „Da weiß man so langsam, wo das ganze Geld vom DFB hinfließt.“

Ungleich schwieriger ist dagegen die sportliche Herausforderung. Denn die Jahn-Frauen sind als Aufsteiger ohnehin schon Außenseiter, erschwerend kommt hinzu, dass die 2. Frauen-Bundesliga ab der Saison 2018/19 revolutioniert wird. So steht eine tief greifende Veränderung auf dem Plan des DFB: Statt zwei Staffeln (Nord und Süd) gibt es dann nur noch eine. Was das für die Delmenhorsterinnen bedeutet? Nun, wenn sie sicher die Klasse halten wollen, müssen sie ihre Premierensaison auf dem sechsten Rang der Zwölferstaffel beenden. Allerdings könnte den Jahn-Kickerinnen auch schon der siebte Platz reichen, dann müssten sie jedoch eine Relegationsrunde erfolgreich abschließen. Ansonsten wäre das Abenteuer 2. Bundesliga nach nur einer Saison schon wieder Geschichte. Meier: „Ich kann das schwer beschreiben, wir müssen uns also mit fünf oder sechs Teams um einen Platz streiten. Das ist ein Himmelfahrtskommando.“

Und die Statistiken der vergangenen sechs Jahre unterstreichen das: Nur zweimal schloss ein Aufsteiger seine Premierensaison auf dem sechsten Tabellenplatz oder besser ab. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass es sich bei den beiden Teams um Arminia Bielefeld und die Reserve des VfL Wolfsburg handelte. „Dort herrschen Profi-Bedingungen, das ist noch mal etwas anderes“, erzählt Meier. In den restlichen vier Fällen stieg der Regionalliga-Aufsteiger zumeist wieder sang- und klanglos ab. Beispiel gefälligst? Die Frauen aus Bramfeld. Sie sammelten in der just abgelaufenen Saison magere drei Pünktchen, hatten damit 15 Zähler weniger als der Vorletzte auf dem Konto. Und während der kompletten Spielzeit kassierten sie 98 Gegentreffer, versenkten das Leder aber nur 18 Mal selbst im Netz. Claus-Dieter Meier: „Das kann uns natürlich auch passieren. Vielleicht werden einige dann lachen, aber wie man sieht, haben sich auch schon andere blamiert. Wobei ich dann nicht von einer Blamage sprechen würde. Die Unterschiede innerhalb der Liga sind einfach gravierend.“

Aber was sind das für Unterschiede, die solche Befürchtungen aufkommen lassen? Wie Meier erklärt, vor allem finanzielle. Ein Teil der Vereine bezahlt seinen Spielerinnen Geld, ein anderer wiederum nicht – dazu gehört der TV Jahn Delmenhorst. „Wir sind ein Amateurverein, und haben damit auch andere Ziele. Anders gesagt: Für uns stehen nächstes Jahr 22 Pokalspiele an. Absolute Highlights. Was am Ende dabei rauskommt, wissen wir nicht.“ Eine genaue Zielsetzung gebe es zurzeit nicht, die bespreche er mit dem Team, sobald der Kader spruchreif sei. Abgänge oder Neuverpflichtungen vermeldet Meier bislang jedoch nicht. Einfach gestaltet sich die Suche nach neuen Spielerinnen für den Trainer ohnehin nicht – erneut spielt das Geld eine Rolle. Meier erklärt: „Wir erfüllen keine finanziellen Forderungen, ansonsten hätten wir sicherlich schon die eine oder andere Akteurin holen können. Unser Ziel ist es, dass Neuverpflichtungen zu uns kommen, weil sie Lust und Freude am Spielen haben.“ Denn alles andere passe laut Meier nicht zur Philosophie des Vereins.

Neben der 2. Bundesliga steht für die Jahn-Frauen noch ein weiterer Höhepunkt an, wenngleich dieser kein Neuland mehr für sie ist: die Teilnahme am DFB-Pokal. Gegen wen sie in der ersten Runde ran müssen, wissen sie noch nicht. Meier wünscht sich jedoch einen etwas leichteren Gegner. „Wir brauchen als erstes Los nicht gleich den FC Bayern München. Zu der Zeit stecken wir noch mitten in der Vorbereitung. Falls wir dann aber die zweite Runde erreichen, darf es schon ein anderes Kaliber sein.“ Vielleicht die Erstliga-Mannschaft des FF USV Jena?

Region/Bremen Bezirk Weser-Ems TV Jahn Delmenhorst (Frauen) Frauen Regionalliga Nord Region Norddeutschland Frauen 2.Bundesliga Deutschland 2. Frauen-Bundesliga Nord

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige