Newcomer des Jahres: Gianni Infantino und Aleksander Ceferin Gianni Infantino ist seit 26. Februar 2016 FIFA-Präsident © MICHAEL BUHOLZER / SID
Newcomer des Jahres: Gianni Infantino und Aleksander Ceferin

Ein Jahr Infantino: Der Anti-Reformer

Vor zwölf Monaten am 26. Februar 2016 wurde Gianni Infantino zum Nachfolger von Sepp Blatter als Fifa-Präsident gewählt. Ein Neuanfang? Eher nicht. Eine Aufregerbilanz.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da war Luis Figo ein Fan vom just zum Fifa-Präsidenten gewählten Gianni Infantino. „Die gewählte Person genießt meine volle Unterstützung“, sagte der frühere Weltfußballer in Diensten des FC Barcelona und Real Madrids über den neuen mächtigsten Mann im Weltfußball. Zuvor hatte Figo tüchtig die Wahlwerbetrommel für den Schweizer gerührt: „Gianni Infantino kennt den Fußball wie niemand anders“, schrieb er bei Facebook.

Ein knappes Jahr später reagiert Figo, der selbst mit Ambitionen auf das Fifa-Präsidentenamt angetreten war und zugunsten Infantinos zurücktrat, kurz angebunden, als er auf das erste Jahr des Schweizers an der Spitze angesprochen wird. „Ich bin raus aus der Fifa, und deswegen habe ich dazu nichts zu sagen“, sagte der Portugiese unlängst dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Rande der Laureus World Sports Awards in Monaco. Das Gespräch war damit beendet.

figo Luis Figo und Gianni Infantino gemeinsam im Februar 2016 © dpa

Der einstige Infantino-Fan, mit einem hohen Funktionärsamt in der Fifa-Entwicklungskommission für seinen Einsatz belohnt, will sich nicht mehr zur Fifa äußern. Der Weltverband bestätigt auf Nachfrage, dass Figo das Amt auf eigenen Wunsch nicht einmal angetreten habe.

Am Sonntag jährt sich Infantinos Amtsantritt zum ersten Mal, und die Causa des einstigen Unterstützers Figo illustriert ein Fifa-Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen. Als Reformer des von Skandalen unter Vorgänger Sepp Blatter geplagten Verbands angetreten, hat Machtmensch Infantino Anhänger verprellt, fragwürdige Personalentscheidungen getroffen und Ermittlungen der Ethikkommission aushalten müssen. Der Europarat hat eine Untersuchung begonnen. „Ich sehe keine Reform unter der neuen Führung“, sagt die Vorsitzende des Sportkomitees, Anne Brasseur.

Die Aufreger des ersten Infantino-Jahres:

Die Mega-WM:

Sumpf des Jahres: WM-Affäre Die WM-Aufstockung ist eines der zentralen Versprechen von Infantino © FIRO/SID

Mit der Ankündigung, die WM-Endrunde aufzustocken, hatte Infantino die kleineren der 211 Fifa-Mitgliedsverbände umgarnt. Deren Traum: einmal dabei sein! Also lieferte der 46-Jährige: Die WM 2026 wird auf 48 Mannschaften ausgeweitet. „Es ist zu beobachten, dass der Kommerz bis hin zum Klamauk zuletzt zu stark in den Mittelpunkt gestellt wurde“, sagt DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Mammut-WM kommt! Pro und Kontra: Brauchen wir eine WM mit 48 Teams?

Berechnungen ergaben, dass die Mega-WM zusätzlich 605 Millionen Euro in die Fifa-Kassen spülen würde. Hinter den Kulissen haben die Positionskämpfe der Kontinentalverbände um die zusätzlichen Startplätze längst begonnen.

Der Führungsstil:

FIFA-Generalsekretärin Samoura erhält eigenes DFB-Trikot Fatma Samoura ist FIFA-Generalsekräterin © SEBASTIAN CASTANEDA / SID

Infantino versprach, die Fifa transparenter aufzustellen. Dabei galt er in seiner Zeit als Uefa-Generalsekretär nicht als Reformer. Nun wirkt es, als versuche er vor allem seine eigene Macht auszubauen. Von 400 Mitarbeitern in der Züricher Fifa-Zentrale sind seit Infantinos Amtsantritt 81 gegangen – oder gegangen worden. Immer wieder gibt es Berichte über ein angeblich von Angst geprägtes Betriebsklima. Die von Infantino installierte Generalsekretärin Fatma Samoura, vorher in Diensten der UN und – so sagen es Insider boshaft – bar jeglicher Fußballkenntnis, erklärte jüngst im Schweizer Fernsehen: „Ich sage den Leuten intern: Wenn sie ihr Verhalten nicht ändern und nicht die Interessen der Fifa vertreten, müssen sie die Fifa verlassen.“ Die „Neue Zürcher Zeitung“ zitierte eine Quelle, die von „Willkürherrschaft“ sprach.

Neuer Fifa-Schock: Chefaufseher Scala tritt ab

Chefaufseher Domenico Scala, der Reformen wie die Trennung von Geschäftsführung und Fifa-Politik sowie strengere Integritätskontrollen von Funktionären in Gang brachte, legte sein Amt im Streit nieder. Zuvor war beschlossen worden, dass die Fifa-Regierung ermächtigt wird, Mitglieder der eigenen Kontrollkommissionen zu benennen und zu entlassen. Sprich: Die Unabhängigkeit der Aufpasser ist passé. Aufseher wie der frühere deutsche Richter Hans-Joachim Eckert, der als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission Funktionärsgiganten wie Blatter und Ex-Uefa-Boss Michel Platini suspendiert hat, sind Infantino ausgeliefert. Ermittlungen gegen Infantino wegen Vergehen gegen den Fifa-Ethikcode wurden eingestellt.

Die Finanzen:

Die FIFA im Finanzloch © SID-IMAGES

Der Fifa fällt es schwer, sich zu verkaufen – ein Erbe der Blatter-Ära. Und die Skandale haben Geld gekostet. Das Geschäftsjahr 2015, vor Infantino, endete mit einem Minus von 122 Millionen Dollar. Die Reserven des nach Schweizer Vereinsrechts eingetragenen Verbands sanken um fast 200 Millionen Dollar auf 1,34 Milliarden.

Selbstbedienungsladen: 71,3 Millionen Euro in die eigene Tasche der Funktionäre

Infantino kündigte an: „Ich werde die Fifa in eine bessere und nachhaltigere Zukunft führen, damit wir uns alle wieder voll auf den Fußball konzentrieren können.“ Bisher ist ihm das nicht gelungen. Zwei der Topsponsorenplätze für die WM 2018 in Russland sind noch nicht verkauft. In Kategorie zwei sind erst zwei von bis zu acht Partnerschaften fix. Dabei ist die Fifa extrem abhängig von den WM-Einnahmen. Mehr als 90 Prozent der Einnahmen stammen aus den Erträgen der Turniere.

Der Neuanfang unter Infantino gestaltet sich schwierig. Ein Szenekenner behauptet gar, in Sachen Reformen sei Blatter auf dem besseren Weg gewesen …

KOMMENTIEREN

Die besten Bundesliga Quoten werden bereitgestellt von Smartbets.

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige