11. März 2018 / 21:06 Uhr

Eine erkenntnisreiche Niederlage für Atlas Delmenhorst

Eine erkenntnisreiche Niederlage für Atlas Delmenhorst

Nico Nadig
Immerthal
Atlas-Winterzugang Philip Immerthal (am Ball) tat sich zu Beginn noch schwer, wurde mit fortlaufender Spieldauer aber immer besser. © Michael Winter
Anzeige

Oberliga-Aufsteiger verliert das erste Pflichtspiel des Jahres gegen Bersenbrück mit 1:3

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Mehr als 100 Tage ohne Pflichtspiel gehen nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei – das war die eine Erkenntnis. Die Partie beim TuS Bersenbrück lieferte dem Trainerstab des SV Atlas Delmenhorst aber noch eine weitere, wohl wichtigere: Das Team ist in der Fußball-Oberliga weiterhin konkurrenzfähig. Die lange Vorbereitung hat zwar Schäden hinterlassen,
irreparabel sind diese jedoch keineswegs. Zweifelsohne schmerzte die 1:3 (0:0)-Niederlage gegen den Tabellenzweiten, weil sie vermeidbar gewesen wäre. Wenn der SVA um Coach Jürgen Hahn daraus aber die richtigen Schlüsse zieht, kann sie sich für die restliche Saison als durchaus wertvoll erweisen. Und ein Spaziergang wird diese offensichtlich nicht:
Denn da der MTV Gifhorn den Tabellenführer SC Spelle-Venhaus mit 4:1 abgefertigt hat und weitere direkte Konkurrenten gepunktet haben, hat Atlas als Elfter nur noch ein Drei-Punkte-Polster auf die Abstiegszone.

Dabei hätten die Blau-Gelben durchaus etwas Zählbares aus dem mit 920 Zuschauern gut besuchten Hasestadion entführen können – die angekündigten, gewaltbereiten Gruppen aus Osnabrück und Bremen tauchten übrigens nicht auf. Atlas stellte den TuS über weite Strecken vor arge Probleme. Und immerhin ließen die Bersenbrücker zuletzt mit einem 2:0
gegen den Spitzenreiter Spelle und einem 5:0 über den Regionalligisten BSV Rehden aufhorchen. Verständlich also, dass man nach Abpfiff in zahlreiche enttäuschte Gesichter blickte. "Wir hatten einen guten Plan. Außerdem haben wir eine gute Moral bewiesen. Letztlich war die Niederlage unglücklich, leider gab es heute kein Geschenk", sagte Hahn, der am Sonntag seinen Geburtstag feierte. Noch angefressener und enttäuschter wirkte Kapitän Stefan Bruns, der mit seinem Anschlusstreffer zum 2:1 nochmals Hoffnung aufkeimen ließ. Er attestierte der Mannschaft eine starke kämpferische Leistung und ein kompaktes Defensivverhalten. "Kleinigkeiten haben die Begegnung entschieden. Wir hätten einen Punkt holen können. Es ist schwierig, das jetzt in Worte zu fassen", sagte Bruns.

Lücken im Zentrum

Die Blau-Gelben brauchten eine Weile, um den Winterrost abzuschütteln – gänzlich von ihm befreien konnten sie sich nicht. Im Zentrum fehlte der verletzte Musa Karli gerade in der Anfangsphase an allen Ecken und Enden. Bruns als defensiverer Part und Nick Köster als offensiverer, der die gegnerische Abwehrreihe früh anlief, erledigten ihren Job zwar souverän. Doch Winterneuzugang Philip Immerthal wirkte dagegen noch wie ein Fremdkörper. In der Mitte klaffte deshalb häufig ein großes Loch. "Philip hat eine halbe Stunde gebraucht, das danach aber gut gemacht. Er muss die Abläufe noch kennenlernen. Und ich glaube, es war sein erstes Oberligaspiel. Wir müssen einfach noch Geduld haben", meinte Hahn.

Überhaupt passte die Abstimmung zuerst in keinem Mannschaftsteil, was auch mit mangelnder Konzentration zu tun hatte. Beispiel gefällig? Innenverteidiger Marlo Siech leitete die größte Chance des TuS in der ersten Halbzeit mit einem schlampigen Rückpass ein. Bulani Malungu schnappte sich das Leder, scheiterte jedoch freistehend an dem glänzend parierenden SVA-Keeper Florian Urbainski (11.). Fünf Minuten später knallte der Ball gegen die Latte des Atlas-Gehäuses. Viel mehr passierte in der Folge allerdings nicht. Die Hahn-Elf stand defensiv nun sicherer, verhinderte das Umschaltspiel der Bersenbrücker.

Im Angriff haperte es dagegen gewaltig. Die Fehlpassquote war enorm hoch – Atlas machte sich aufkommende Chancen durch Ungenauigkeiten schlicht selbst zunichte. Außerdem hatten die Blau-Gelben Probleme, aus der eigenen Hälfte zu kommen, sobald der TuS Stefan Bruns zugestellt hatte. Die langen Bälle des Innenverteidiger-Duo Siech/Mark Spohler
landeten einfach zu häufig im Nichts. Mit einem ereignislosen, aber durchaus gerechtem 0:0 ging es für die Teams also in die Kabinen. Jürgen Hahn konnte bis dato zufrieden sein. Einziger Wermutstropfen: Stürmer Marco Prießner musste nach einem Schlag auf die Wade früh ausgewechselt werden, für ihn kam Dominik Entelmann (28.).

Deutlich druckvoller und zielstrebiger spielten die Blau-Gelben dann in Durchgang zwei auf. Beinahe hätten sie sich auch belohnt: Nach einem schönen Pass von Patrick Degen tauchte Köster allein vor dem TuS-Keeper Christoph Bollmann auf. Bevor er allerdings abschließen konnte, hob der Linienrichter seine Fahne (51.). Eine durchaus strittige Entscheidung, es sah eher nach gleicher Höhe aus. Das Schiedsrichtergespann um Benjamin Schmidt gab in Durchgang zwei überhaupt eine unglückliche Figur ab.

Statt selbst die Führung zu bejubeln, musste Atlas das 0:1 durch Malungu schlucken (56.). Die Bersenbrücker schalteten in dieser Situation blitzschnell um, der Stürmer musste nur noch einschieben. Hahn: "Völlig unnötig. Urbainski muss den Ball vorher nicht ins Zentrum schlagen." Seine Elf erholte sich jedoch schnell von dem Schock. In der 63. Minute behauptete Entelmann das Leder und lief auf das Tor zu, wurde von Verteidiger Nicolas Eiter allerdings geschubst und fiel hin. Schiedsrichter Schmidt entschied völlig zurecht auf Freistoß. Über die Gelbe Karte lässt sich jedoch diskutieren. Eiter verhinderte mit seinem Schubser eine klare Torchance, Rot wäre eher gerechtfertigt gewesen. Der anschließende ruhende Ball segelte über den Kasten.

In der Schlussphase drängten die Blau-Gelben auf den Ausgleich und kassierten prompt das 0:2. Wieder schaltete Bersenbrück schnell um, Luis Murillo ließ Spohler aussteigen und schob locker ein. Was man Atlas jedoch nicht vorwerfen kann, ist eine schlechte Moral. Trotz des Rückstandes rannte die Hahn-Elf weiter an und belohnte sich letztendlich auch. Nach einer Flanke von Köster nickte Bruns zum Anschluss ein (90+1.). Im direkten Gegenzug sorgte Bersenbrück dann aber für die Entscheidung: Murillo traf zum 3:1, nachdem Urbanski einen Schuss von dem ehemaligen Cottbus-Profi Emil Jula pariert, aber abprallen lassen hatte. Hahn: "Bersenbrück hat unsere wenigen Fehler einfach eiskalt bestraft".

Mehr zum SV Atlas Delmenhorst
Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Bremen
Sport aus aller Welt