01. November 2018 / 13:21 Uhr

Eintracht-Trainer André Schubert im Interview: "Kühler Kopf, auch wenn es mal stürmt" 

Eintracht-Trainer André Schubert im Interview: "Kühler Kopf, auch wenn es mal stürmt" 

Redaktion Sportbuzzer
Der Eintracht-Trainer André Schubert im Interview.
Der Eintracht-Trainer André Schubert im Interview.
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Seit drei Wochen ist André Schubert nun Trainer bei Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig. Jetzt nahm sich der 47-Jährige Zeit für ein großes Exklusiv-Interview. Mit Sportbuzzer-Redakteur Alex Leppert sprach er über Persönlichkeit, Hackentricks und Ängste.

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Herr Schubert, wieso sind sie eigentlich schon so früh Trainer geworden?

Ich hatte zwar fast täglich auf dem Bolzplatz Fußball gespielt, im Verein aber erst sehr spät – in der B-Jugend. Mit 18 bekam ich in einem kleinen Verein dann schon früh die Möglichkeit, eine Jugendmannschaft zu trainieren. Das hat mir Spaß gemacht. Und da hat alles seinen Anfang genommen.

Und plötzlich schüttelt man Pep Guardiola die Hand, dessen Team man gerade besiegt hat...

Na ja, so plötzlich war das nicht, da lagen viele, viele Jahre dazwischen mit vielen Stationen, Arbeit, Zufällen und auch Glück.

Was ist für Sie das Tolle am Trainerjob?

Mit einer Mannschaft zusammenzuarbeiten. Gemeinsam einen Plan zu erarbeiten und zu versuchen, diesen auf dem Platz umzusetzen und dann gegen einen Gegner zu zeigen, dass man das gut gemacht hat.

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Nach Ihrer Zeit bei St. Pauli haben Sie offen drüber gesprochen, dass Sie bei sich selbst Fehler gesehen und daran gearbeitet haben...

Das war nicht nur nach St. Pauli, sondern ist bei mir seit 30 Jahren so. Man entwickelt sich ja als Mensch, als Persönlichkeit weiter. Das ist nie abgeschlossen.

Ihr Hauptwohnsitz war immer Baunatal, werden Sie auch in Braunschweig wohnen?

Diesen Wohnsitz werde ich behalten, aber mir darüber hinaus hier eine kleine Wohnung suchen. Aber dafür hatte ich bisher noch keine Zeit.

Das bringt uns zur sportlichen Situation: Hatten Sie überhaupt keine Angst, dass das bei der Eintracht ein Himmelfahrtskommando werden könnte?

Für mich gibt es in meinem Beruf keine Angst, Angst ist wenig hilfreich im Leistungssport.

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Was macht Sie denn so sicher, zu sagen, ich schaffe das?

Sicher ist nie etwas, aber ich bin sehr überzeugt davon, dass wir die Lage bewältigen werden. Das hängt aber nicht allein am Trainer. Ich spiele nicht, das macht die Mannschaft mit ihren Qualitäten, das ist das Wichtigste. Ich bin Trainer und habe eben einen Teil dazu beizutragen. Man informiert sich im Vorfeld über den Verein und die Gegebenheiten. Braunschweig war aufgrund der vergangenen Jahre in der Bundesliga und 2. Bundesliga kein unbeschriebenes Blatt für mich. Dann habe ich mir die Zusammenstellung der Mannschaft und die bisherigen Spiele angeschaut. Die Lage ist schwierig, aber ich denke dennoch, dass wir am Ende Saison den Klassenerhalt schaffen werden. Das ist das oberste Ziel. Darüber hinaus hat der Verein sehr gute Perspektiven, auch wenn es natürlich Gründe hat, dass der Verein steht, wo er steht.

In Gladbach hatten Sie ja schon mal einen Tabellenletzten übernommen...

Ja, aber da gab es eine stabile Struktur. Da gab es ein festes Teamgebilde, nur wenige Veränderungen im Sommer, ein festes Gebilde um die Mannschaft herum und es gab zuvor auch keinen Abstieg. Da war vieles stabil. Das haben wir hier nicht, das muss man ganz klar so sagen. Es gibt jetzt nicht zwei, drei Stellschrauben, an denen man drehen kann, sondern wir müssen einen ganz neuen Ansatz finden. Eine ganz andere Art und Weise, wie wir die Dinge hier zusammen angehen, sonst wird das nicht gelingen. Schwierig zu diesem Zeitpunkt, aber notwendig.

Haben Sie eigentlich schon mit allen 30 Spielern Einzelgespräche geführt?

Schon am ersten Tag. Aber der Begriff Einzelgespräch ist mir etwas zu weit gefasst. Es gibt den wichtigen, täglichen Austausch, aber auch das längere intensive Gespräch beim Kaffee oder Essen.

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Über was haben Sie denn beispielsweise mit einem Gustav Valsvik gesprochen, der innerhalb eines Jahres vom norwegischen Nationalspieler zum Reservisten eines Drittliga-Schlusslichts geworden war?

Alle wissen, dass Gustav im Sommer eine ganz schwierige Situation hatte. (Valsvik sollte teuer verkauft werden, es fand sich aber kein Abnehmer, d. Red.). So was beschäftigt Spieler. Ich habe das auch in den Trainingseinheiten gesehen und wir haben dann darüber gesprochen. Über eine schwierige Situation, die aber im Profifußball eben vorkommt. Er hat dann im Training gezeigt, dass er sich damit befasst und die Probleme abgehakt hat. Er ist wieder voll dabei.

"Ein super Trainer ohne gute Mannschaft hat wenig Chancen"

Bringt die hohe Qualität eines Trainers eigentlich automatisch mehr Punkte?

Das hoffe ich doch. Letztlich ist ein Trainer mit dafür verantwortlich, die Mannschaft vorzubereiten und dass sie als Einheit einen Plan verfolgt. Dass er gewisse Regeln schafft, dass sie als Gruppe funktioniert, gleichzeitig aber größtmögliche Individualität zulässt. Aber letztlich ist es so, dass eine gute Mannschaft auch mal ohne Trainer punkten könnte, ein super Trainer ohne gute Mannschaft aber wenig Chancen hat. Die Qualität der Spieler ist entscheidend.

Stichwort Individualität: Dürfen Spieler bei Ihnen auch mal Kunststückchen wie Hackentricks anwenden?

Die Spieler sollen ihre individuellen Möglichkeiten ausschöpfen können – aber so, dass sie für ihre Mitspieler berechenbar sind und zum Erfolg beitragen. Insgesamt gibt es aber wenige Situationen, in denen man den Ball mit der Hacke sinnvoll spielen kann. Kunststückchen zum Selbstzweck helfen niemandem.

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Angesichts des Abstiegs und der aktuellen Tabellensituation sind die Nerven der Fans dünner geworden. Spüren Sie das?

Fußball ist sehr stark mit Emotionen verbunden. Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass es wenige Spieler gibt, die zu einem Club kommen, zwölf Jahre bleiben und den Rest ihres Lebens auch dort verbringen. Die Fans haben hingegen 40, 50 Jahre, ein Leben mit ihrem Verein, fahren teilweise am Wochenende mehrere Hundert Kilometer durch die Republik, um mit der Mannschaft zu fiebern. Sie sind ihr Leben lang Fans. Dass sie sich dann Sorgen machen, dass ihr Verein aus dem Profifußball absteigt, ist normal. Auch junge Spieler müssen lernen, dass uns niemand etwas Böses will, sondern dass die Fans Ängste haben oder auch mal verzweifelt sind. Auch damit muss man umgehen. Gerade am Freitag nach der Niederlage gegen den VfL Osnabrück haben die Fans ein sehr feines Gespür für die Situation gezeigt und die Leistung der Mannschaft honoriert. Auch ich bin hier sehr positiv aufgenommen worden, dafür herzlichen Dank.

Seitdem Sie da sind, ist es insgesamt rund um die Eintracht viel ruhiger geworden. Wie sehr nehmen Sie diese Wertschätzung war?

Bezüglich der Medien oder in den sozialen Netzwerken registriere ich das nicht, da ich beides nicht lese. Aber ich freue mich, wenn es tatsächlich so ist, denn es zeugt von Vertrauen. Früher habe ich mir sehr viel mehr Gedanken gemacht, was hier und da in der Zeitung steht. Gerade am Anfang als Profitrainer habe ich immer gedacht, ich müsste alles erklären und Leute überzeugen. Das sehe ich mittlerweile entspannter und unaufgeregter. Ich kann nur meine Meinung zu den Dingen sagen, wie das andere bewerten, kann ich nicht beeinflussen. Und auch wenn es mal stürmt, muss ich als Trainer kühlen Kopf bewahren und gute Entscheidungen treffen können.

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