23. Juni 2018 / 00:28 Uhr

Eklat um Spruch gegen Felix Brych: Fifa ermittelt gegen Serbien-Trainer 

Eklat um Spruch gegen Felix Brych: Fifa ermittelt gegen Serbien-Trainer 

Redaktion Sportbuzzer
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Mladen Krstajic hat Felix Brych auf sehr unsachliche Weise kritisiert.
Mladen Krstajic hat Felix Brych auf sehr unsachliche Weise kritisiert. © dpa/epa
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Serbiens Chefcoach Mladen Krstajic sorgt mit krassen Aussagen zum deutschen Unparteiischen für einen WM-Skandal. Die Fifa ermittelt bereits. Es geht vor allem um den Videobeweis.

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Was ist denn in den gefahren? Serbiens Trainer Mladen Krstajic hat sich mit Aussagen über den deutschen Schiedsrichter Felix Brych nach der Niederlage gegen die Schweiz massiv im Ton vergriffen. Der ehemalige Bundesliga-Profi verglich den Münchner Schiedsrichter nach dessen erstem Einsatz bei der WM 2018 sogar mit Kriegsverbrechern.

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„Ich würde ihn nach Den Haag schicken“, klagte Krstajic. „Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben.“ Hintergrund: In Den Haag tagt der Internationale Strafgerichtshof, der im Zuge der Verhandlungen über den Jugoslawien-Krieg diverse Serben für Kriegsverbrechen verurteilt hatte – darunter den bosnischen Serben Ratko Mladic, der als „Schlächter vom Balkan“ zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Krstajic weiter: „Augenscheinlich sind leider nur die Serben zu selektiver Gerechtigkeit verurteilt: Früher das verfluchte Haag und heute im Fußball der Videoassistent.“

Für die Fifa zu heftige Aussagen: Am späten Samstagabend gab der Weltverband bekannt, dass er ein Disziplinarverfahren gegen Krstajic gestartet hat.

SPORTBUZZER-Experte Rafati lobt Schiedsrichterleistung

Insgesamt wurden in Den Haag 161 Personen angeklagt, darunter Kosovo-Albaner, Bosniaken, bosnische Kroaten, bosnische Serben und Mazedonier. 84 Angeklagte wurden in Den Haag verurteilt. Ende 2017 wurde der Strafgerichtshof offiziell geschlossen. Prominentester Angeklagter war der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic.

Dass Krstajic Brych mit seiner Aussage in die Nähe von Kriegsverbrechern gerückt hat, ist ein handfester Eklat. Babak Rafati, der Schiedsrichterexperte des SPORTBUZZER, lobte Brychs Leistung im kniffligen Duell zwischen Serben und Schweizern als „ausgezeichnet“ und erklärte: „Von der ersten Sekunde an war Brych total fokussiert und konzentriert, hatte dazu eine sehr gute Zweikampfbewertung und so das Spiel total im Griff. Das haben auch die Spieler gemerkt und ihn akzeptiert.“


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„Der brutale Diebstahl von Brych“

Wegen eines nicht gegebenen Elfmeters steht Brych trotz einer souveränen Leistung im Zentrum schärfster Kritik aus Serbien. „Der brutale Diebstahl von Brych“, titelte die Zeitung Sportski zurnal. „Der Deutsche Felix Brych, eine Schande für die Schiedsrichterorganisation der FIFA, hat Serbien auf dem Weg ins Achtelfinale gestoppt.“ Es ist nicht der erste Skandal um das Duell zwischen Serben und Schweizern. Nach ihren Treffern gegen Serbien formten die Schweizer Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri mit ihren Händen den zweiköpfigen Adler, der auf der albanischen Flagge zu sehen ist. Xhaka: „Es ist ein Sieg für die Familie, die Schweiz, Albanien, das Kosovo…“

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Serbiens Legende und Verbandsfunktionär Savo Milosevic ging Brych ebenfalls verbal an. „Das ist skandalös“, sagte der frühere Nationalspieler. „Wir hätten schon gegen Costa Rica einen Strafstoß bekommen müssen. Wir wurden das zweite Mal betrogen. Das sind spielentscheidende Szenen. Dafür gibt es doch den Videobeweis, um solche Fehler zu vermeiden.“

Das Gespann aus Brych und den Videoassistenten um Felix Zwayer und Bastian Dankert beließ es aber bei der ersten Bewertung auf dem Rasen, es kam zu keiner Überprüfung am Spielfeldrand. In der 66. Minute kämpfte Serbiens Stürmer Aleksandar Mitrovic im Strafraum mit den Schweizern Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär um den Ball. Die Eidgenossen klammerten, der Angreifer stützte sich auf und verschaffte sich so zusätzlich Platz – Brych entschied auf Foul von Mitrovic.

Serbische Journalisten üben harte Kritik

Aus Sicht des deutschen Schiedsrichterchefs Lutz Michael Fröhlich „durchaus vertretbar“ und „keinesfalls krass falsch, sodass ein Videoassistent eingreifen müsste“, wie er der dpa sagte. Der 60-Jährige bescheinigte Brych „eine gelungene Spielleitung“: „Felix Brych hat das brisante Spiel unaufgeregt und sicher geleitet. Er ließ das Spiel laufen, wo es möglich war, und setzte auch die Gelben Karten nachvollziehbar und konsequent ein.“

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Während in den Schweizer Medien der deutsche Unparteiische nach der politisch aufgeladenen Partie kein Thema war, überschlugen sich die serbischen Kommentatoren mit ihrer Kritik. „Eine Schande, wie sie schändlicher nicht sein kann.“ Die Boulevardzeitung Alo titelte: „Der Deutsche hat uns bestohlen. Der Unparteiische massakrierte unsere Mannschaft und ermöglichte unserem Gegner, eine Niederlage in einen Sieg umzuwandeln.“

Für Brych war es der erste Auftritt bei dieser WM, vor vier Jahren kam er in Brasilien bei zwei Vorrundenspielen zum Einsatz. In Russland dürfte der 42-Jährige nun voraussichtlich noch zu weiteren Auftritten kommen – nur die Serben würden beim Weiterkommen nicht mehr unbedingt auf Brych als Schiedsrichter hoffen.

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