Mark Clattenburg ist ein unkonventioneller Schiedsrichter. © imago

EM-Finalschiedsrichter Clattenburg: Eigentlich sollte er gar nicht dabei sein

Der Engländer Mark Clattenburg pfeift das EM-Finale - gegen den Willen seiner Bosse.

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Mark Clattenburg sollte eigentlich gar nicht da sein. Ein Tattoo, ein Konzert von Ed Sheeran und die erzkonservativen Schiedsrichterbosse aus seiner Heimat hätten die EM-Teilnahme des Referees aus England fast verhindert. Doch Clattenburg, der am Sonntag das Finale zwischen Frankreich und Portugal im Stade de France (21.00 Uhr/ARD) leiten wird, hat einen Freund. Und der heißt Pierluigi Collina.

Der Schiedsrichterchef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) setzte gegen den Willen des englischen Verbands FA durch, dass einer seiner Lieblingsschüler bei der EURO dabei ist. Damit es keinen allzu großen Stress gab, durfte die FA ihren Kandidaten (Martin Atkinson) auch nach Frankreich schicken. Das ist übrigens der Grund dafür, warum England als einzige Nation mit zwei Unparteiischen vertreten ist.

Der Streit um Clattenburg begann nach den Olympischen Spielen 2012 in London. Als Erinnerung an das Finale des Fußballturniers zwischen Mexiko und Brasilien (2:1) ließ sich Clattenburg die olympischen Ringe auf den Arm tätowieren. Clattenburgs Bosse bei der FA, Mike Riley und David Elleray, waren not amused. Für die Herren sind eine Tätowierung und die geforderte Seriosität eines Unparteiischen nicht miteinander vereinbar.

Konzertbesuch statt Ligaspiel

Als sich Clattenburg dann auch noch einen kleinen Verstoß gegen die Statuten erlaubte, wurde er prompt von seinen Vorgesetzten abgestraft. Weil der Unparteiische zu einer Begegnung getrennt von seinen Assistenten anreiste, um auf dem Weg ein Konzert von Popstar Sheeran zu besuchen, suspendierte die FA den Profi-Referee für einen Spieltag der Premier League.

Um keine weitere Angriffsfläche zu bieten und das Tattoo zu verbergen, hat Clattenburg während seiner bisherigen drei EURO-Partien immer Trikots mit langen Ärmeln getragen. Das tat der Leistung des 41-Jährigen, der bei seiner ersten Endrunde dabei ist, keinen Abbruch.

Clattenburg, der seit 2004 in der Premier League pfeift und schon zwei Jahre später auf der FIFA-Liste zu finden war, leitete souverän die Vorrundenpartie zwischen Italien und Belgien sowie das Achtelfinale zwischen Polen und der Schweiz (5:4 im Elfmeterschießen). Auch beim Skandalspiel zwischen Kroatien und Tschechien (2:2), das aufgrund der Ausschreitungen von kroatischen Randalierern kurz vor dem Abbruch stand, machte der Schiedsrichter eine gute Figur.

Seine Klasse zeigte Clattenburg schon Ende Mai, als er in Mailand das brisante Endspiel der Champions League zwischen den Stadtrivalen Real und Atletico Madrid (5:3 im Elfmeterschießen) ohne große Probleme über die Bühne brachte.

Die Szene, als Pepe auf dem Boden liegen bleibt, ist unvergessen:

Ein wenig mehr Mühe im Europacup hatte der Schiedsrichter vor rund zwei Jahren. Am 1. Mai 2014 sorgte Clattenburg für ein Novum, als er die zuvor ausgewechselten Mirko Vucinic und Lazar Markovic beim Europa-League-Spiel zwischen Juventus Turin und Benfica Lissabon mit Roten Karten von der Ersatzbank in die Kabine schickte.

Wie Clattenburg, der früher als Elektriker arbeitete, hatte auch schon der Portugiese Pedro Proenca vor vier Jahren beide großen Endspiele (Champions League und EM) kurz hintereinander gepfiffen. Clattenburg ist der dritte Engländer, der ein EM-Endspiel leitet.

(SID)

Region/National

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