09. Januar 2019 / 15:37 Uhr

Ergün Günal - Auf Spielersuche für den türkischen Fußballverband

Ergün Günal - Auf Spielersuche für den türkischen Fußballverband

Michael Kerzel
Fußball RW Hürriyet
Ergün Günal, Chawkat El-Hourani,
Ergün Günal (li) scoutet für den türkischen Fußballverband. © Ingo Möllers
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Der Delmenhorster Ergün Günal scoutet in hiesigen Gefilden Fußballer für den türkischen Verband - und will dabei auf der Seite der Spieler stehen

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Ergün Günal schaut leidenschaftlich gerne Fußball. Vor allem Nachwuchsspielern sieht er gerne beim Kicken zu. Und er hat ein gutes Auge dafür, ob sie Talent haben oder nicht. Das ist offenbar auch dem Türkischen Fußballverband (Turkish Football Federation, TFF) aufgefallen. Denn für diesen scoutet der 44-jährige Delmenhorster seit August vergangenen Jahres Spieler. „Ich bin empfohlen worden, mein Name fiel wohl öfter“, berichtet Günal. Er sichtet im Bereich Niedersachsen und Norddeutschland.

Günal ist im Delmenhorster Fußball verwurzelt, betreute Anfang dieses Jahrzehnts zusammen mit Trainer Mesut Karagöz eine Jugendmannschaft beim TV Jahn, in der unter anderem sein Sohn Emir spielte. Diese E-Jugend hatte es in sich: Emir Günal spielt derzeit in der Niedersachsenliga für den JFV RWD Rehden, Simar Alkas läuft für den B-Jugend-Bundesligisten Holstein Kiel auf, Emre Karagöz (Jahrgang 2003) und Kaan Er (2002) spielen für den Nachwuchs Werder Bremens. „Ich bin damals viel rumgekommen und habe viele Leute von vielen Vereinen kennengelernt. Der Kontaktbaum ist immer weiter gewachsen“, erinnert sich Günal. Unter anderem brachte ihn der damalige Vorsitzende von RW Hürriyet, Metin Kalabalik, mit Murat Atik zusammen. Dieser hat die Uefa-Pro-Lizenz und arbeitete schon als Co-Trainer in der ersten türkischen Liga. 2013 trainierte er den Landesligisten TSV Oldenburg. Günal war Obmann bei Hürriyet. „Über ihn bin ich auch zum Erwachsenenfußball gekommen“, berichtet Günal.

Über die Jahre habe er so Kontakte zu deutschen und türkischen Vereinen aufgebaut. Und natürlich zu vielen Spielern. „Spieler sind häufig zu mir gekommen und haben gefragt, was sie machen können, um höherklassig Fußball zu spielen, und ich habe dann meine Ratschläge gegeben“, erzählt Günal. Seine Aufgabe besteht nicht darin, den nächsten Mesut Özil oder Nuri Sahin zu finden. „Die Nachwuchsspieler in den Jugendteams der Bundesligisten sind bekannt, die haben die Verantwortlichen in der Türkei selbst auf dem Schirm. Ich soll die noch nicht entdeckten Spieler finden“, sagt Günal.

Dafür schaut er sich Jugendspieler von den Landes- bis zu den Regionalligen an. Viele haben türkische Wurzeln, könnten also auch für den türkischen Verband auflaufen. Gerade für die kleineren Vereine der Türkei in der ersten oder auch der zweiten türkischen Liga sind diese Spieler interessant. „Wir haben viele gute Jungs, aber in der Türkei gibt es nicht so ein gutes Jugendliga-System wie in Deutschland“, berichtet Günal.

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Hofft auf seine Chance in der Türkei: Ex-Werder-Talent Abdullah Dogan. © FR
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Er beobachtet die aus seiner Sicht interessanten Spieler in einem Zeitrahmen von mindestens sechs Monaten dreimal. „Wenn ich da Fortschritte erkenne, bleibe ich dran. Sonst eben nicht“, sagt der 44-Jährige. Talent haben viele, sagt der Delmenhorster, der Wille und der Biss entscheiden. Günal achtet auf kleinere Dinge, schaut, welcher Spieler für sein Alter schon besondere Fähigkeiten hat. Wenn ein Spieler in der U10 beispielsweise aktiv den Ball fordert und mit den Händen anzeigt, wohin er gespielt werden soll beziehungsweise Laufwege aufzeigt, zeugt das von Fußballverständnis. „Und es ist wichtig, wie die Spieler unter Druck agieren. Sind sie dann noch mutig genug und spielen genaue Pässe? Es darf nicht zu lange zwischen Kopf und Fuß dauern“, sagt Günal.

Wenn er einen interessanten Spieler findet, fertigt er einen Bericht über diesen an und sendet ihn an Verdat Inceefe. Dieser spielte viele Jahre für den Topclub Galatasaray Istanbul, holte vier Meisterschaften als Verteidiger und absolvierte bei der Europameisterschaft 1996 alle drei Gruppenspiele für die Türkei. Er arbeitet als Koordinator beim TFF und gibt die Berichte an Trainer, Betreuer und Teammanager weiter. „Wenn dann jemand Interesse an einem Spieler anmeldet, schaue ich mir den genauer an, gehe vielleicht auch mal zu einem Training, um zu schauen, wie er sich da charakterlich verhält“, erklärt Günal.

Wie ein großer Bruder

Der Delmenhorster kümmert sich auch nicht nur um Spieler mit türkischen Wurzeln. Ein Beispiel ist Joel Schallschmidt. Dieser spielte in Delmenhorst für den TuS Heidkrug. „Er hat gesagt, er möchte etwas höher spielen und ich habe ihm dann gesagt, was er dafür machen muss. Er hat es ernst gemeint, also habe ich ihn mit nach Rehden genommen. Dort kommt er in der A-Jugend Niedersachsenliga regelmäßig zum Einsatz“, berichtet Günal. Rehden kann mit einem Sieg im Nachholspiel gegen den MTV Gifhorn die Tabellenspitze erobern, die Regionalliga winkt. Und in Rehden ist bekanntlich auch ein Herrenteam eines Fußball-Regionalligisten beheimatet.

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Ein anderer Günal-Schützling ist Abdullah Dogan. Der geborene Bremer spielte ab der U17 für Werder und ging nach der U19 zu Schwarz-Weiß Rehden. Nach einem Jahr – in der Hinrunde kam er auf 15 Einsätze – hängte der 21-Jährige für sechs Monate seine Fußballschuhe an den Nagel, will jetzt aber wieder durchstarten. Dabei soll ihm Günal helfen. „Er hat mich mit zu einem Sichtungsspiel in Den Haag genommen und dort bin ich einem türkischen Scout aufgefallen“, berichtet Dogan. Nun warten er und Günal auf einen Anruf aus der Türkei. „Der Scout ist für mehrere türkische Vereine der ersten und zweiten Liga unterwegs. In den nächsten Wochen soll es Trainingscamps in der Türkei geben“, erklärt Günal. In diesen soll sich Dogan dann für einen Vertrag bei einem Erst- oder Zweitligisten empfehlen. „Das ist eine große Chance für mich. Ergün Günal ist wie ein großer Bruder für mich. Er hilft Menschen“, lobt Dogan.

Mit sechs Spielern fuhr der Delmenhorster Scout zu dem Sichtungsspiel. Neben Dogan spielte sich Tunahan Bozkaya in den Vordergrund. Der 19-Jährige lief bis zum Sommer 2018 in der A-Jugend-Bundesliga für den 1. FC Magdeburg auf, bevor er in die Landesliga zum FC Nöttingen II ging. Nun will auch er den nächsten Schritt in der Türkei machen.

Günal eckt bei Vereinen auch durchaus an. Ihm wird vorgeworfen, sich zu sehr in Vereinsbelange einzumischen, die ihn nichts angehen. Dass er Spieler mehr oder weniger ungefragt anspricht und diese an deren aktuellem Verein vorbei an andere Vereine vermitteln will. Günal bestreitet das nicht an: „Ich bin eben immer auf der Seite des Spielers“, sagt er. Ein weiterer Vorwurf ist, dass er seine Vermittlerdienste nicht in erster Linie zum Wohl der Spieler anbietet, sondern um selbst im Mittelpunkt zu stehen. Das bestreitet Günal vehement: „Da kann ich nur drüber lächeln. Ich arbeite im Hintergrund und bin nicht der Dirigent. Wenn es mir um mich ginge, würde ich viel präsenter sein“, sagt er.

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