11. Mai 2018 / 07:06 Uhr

Ex-Coach Zorniger adelt Kaiser: „Emotional unerreichbar bei RB Leipzig“

Ex-Coach Zorniger adelt Kaiser: „Emotional unerreichbar bei RB Leipzig“

Anne Grimm
Alexander Zorniger ist in der Nacht zum Donnerstag Papa geworden.
Ex-RB Leipzig-Coach Alexander Zorniger coacht das Team von Dominik Kaiser bei dessen Abschiedsspiel. © dpa
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Im Interview mit dem Sportbuzzer erinnert sich Alexander Zorniger vor dem Abschiedsspiel von Dominik Kaiser an die ersten Kontakte mit dem damals 15-jährigen Fußballer. Außerdem spricht der zweimalige Aufstiegstrainer von RB Leipzig über Bilder in seinem Kopf vor der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte und das Interesse an einer erneuten Verpflichtung seines ehemaligen Kapitäns. 

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Leipzig/Kopenhagen. Mit dem Privatjet samt Tochter Liva sowie Freundin Kristina Ahnert düst Alexander Zorniger, 50, am Sonntag nach Leipzig. Der zweimalige Aufstiegstrainer von RB Leipzig coacht das Team von Dominik Kaiser bei dessen Abschiedsspiel. Er kommt als frischgebackener dänischer Pokalsieger – am Donnerstag gewann sein Team Bröndby IF das Finale gegen Silkeborg 3:1. Im Interview mit dem Sportbuzzer erinnert sich Zorniger an die ersten Kontakte mit dem damals 15-jährigen Kaiser. Außerdem spricht er über Bilder in seinem Kopf vor der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte.

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Es war lange unsicher, ob Sie das Team „Domme und Friends“ am Sonntag coachen. Aber wenn ein Kaiser anfragt, kann man nicht nein sagen?

„Die Situation ist so, dass ich zu 98 Prozent komme. In Deutschland könntest du das sicher nicht machen, zu dem Zeitpunkt einer Meisterschaft. Wir spielen am Montag gegen Midtjylland, das ist der Zweite in der dänischen Liga. Wir sind im Moment, drei Spieltage vor Schluss, nur drei Punkte vorne. Aber es ist ein Ausdruck von der Lockerheit, die ich inzwischen gewonnen habe. Auch für Bröndby ist das kein Problem, die haben mich sogar dazu ermuntert. Zum anderen weiß ich ganz genau, was ich Domme zu verdanken habe.“

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Solch emotionale Szenen wie bei der Auswechslung vergangen Samstag gegen Wolfsburg gab es bei RB Leipzig bisher nur bei der Verabschiedung von Daniel Frahn. Was zeichnet Dominik als Menschen und Fußballer aus?

„Bei ihm gibt es keinen Unterschied zwischen Mensch und Fußballer. Bei allem was er fußballerisch gemacht hat, war immer der Mensch dabei. Manche kriegen den Unterschied nicht hin. Ich habe keinen Profi in meiner Zeit kennengelernt, der so geerdet war. Wahrscheinlich hat ihm auch geholfen, dass er erst spät in den ganzen Zirkus hereingekommen ist. Zielgerichtet, immer in der Lage, jede neue Herausforderung anzunehmen. Er hat Mitspielern und Trainern vertraut. Er hat ein tolles Umfeld. Ich kenne seine Familie sehr gut, sein Bruder hat auch bei mir gespielt. Domme hat es in all seinen Mannschaften geschafft, hochgradig respektiert zu werden. Weil er die Werte zeigt, für die er steht. Bodenständigkeit, fußballerische Qualität, Menschlichkeit. Das hat ihn ausgezeichnet. Daniel und Domme, die zwei werden auf sehr lange Zeit emotional unerreichbar sein bei RB Leipzig.“

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*Können Sie sich noch erinnern, wann und wie Sie sich kennengelernt haben? *

„Das erste Mal bin ich ihm begegnet, als er 15 Jahre alt war. Da bin ich als Trainer zu Normannia Gmünd gekommen und der Verein hat ihn gehen lassen, weil er zu klein war. Ich habe ein, zwei Jahre später seinen Bruder Steffen Kaiser zu mir geholt. Dann habe ich Domme, als er aus der A-Jugend in den Männerbereich gekommen ist, wieder zurück in meine Mannschaft geholt, weil ich seine Qualitäten kannte.“

Wie lief das damals beim Wechsel nach Leipzig ab? Wenn ich mich richtig erinnere, ist Dominik nur ein paar Tage nach Ihnen neu zur Mannschaft gestoßen…

„Auch als er in Hoffenheim war, hatten wir immer Kontakt. Als ich meinen Fußballlehrer gemacht habe, habe ich in Hoffenheim bei Stanislawski hospitiert. Ich erinnere mich noch an ein Spiel, bei dem seine Eltern und Juliane dort waren, sie war schon damals seine Freundin. Das steht auch für Bodenständigkeit. Daran sieht man, was er für Menschen um sich herum haben will. Damals ist Domme vom Regionalliga- in den Profikader hochgestoßen und ich habe ihn das erste Mal bewusst wieder gesehen, die körperliche Robustheit wahrgenommen. Mit seinem 14-jährigen Lächeln unterschätzt man immer ganz gewaltig, wie ekelhaft er auf dem Platz sein kann. Nach dem Jahr bin ich zu RB gegangen und dann war sofort Thema, dass wir ihn verpflichten wollen.“

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Also ist seit dem ersten Kennenlernen bei Normannia Gmünd der Kontakt geblieben, weil Sie ihn als Persönlichkeit geschätzt haben?

„Mir war ganz klar, dass Domme uns in Leipzig brutal weiter helfen kann. Er hat keine offensichtliche körperliche Waffe, aber er ist ein einziges Mentalitätsbündel. Das hat man ganz extrem in dem Drittligajahr in Leipzig gesehen. Damals ist er Spieler der Saison geworden. Er hat in der Dritten und Zweiten Liga auch seine Zeit gebraucht, um sich zu adaptieren. Aber im Gegensatz zu anderen Spielern passt er sich an und stellt seine Fähigkeiten darauf ein.“

In dieser Saison hat er wenige Einsatzzeiten bekommen. War es für Sie absehbar, dass bei ihm auf Champions-League-Niveau eine Grenze erreicht ist?

„Die Qualität bei RB ist enorm. Domme hätte aus meiner Sicht spielen können, wenn man als Trainer sagt, das ist mein Typ. Er hätte regelmäßig spielen können, wenn man entschieden hätte, es ist wichtig, dass neben der ganzen individuellen Qualität ein hohes Maß an Mentalität auf dem Platz gebraucht wird. Es ist ja nicht so, dass er jeden zweiten Ball verstolpert. Aber das ist definitiv eine Trainerentscheidung. Ich bin dafür zu weit weg von der täglichen Arbeit und habe dafür aus Trainersicht auch totales Verständnis. Dass es dem Coach nicht leicht gefallen ist, hat man im letzten Spiel gesehen.“

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Für sein Abschiedsspiel am Sonntag sind bereits 20.000 Tickets verkauft worden – mehr als im Achtelfinale der Europa League gegen St. Petersburg. Worauf freuen Sie sich am meisten, bei der Rückkehr auf die Trainerbank im Leipziger Stadion?

„Ich empfinde es als spezielle Ehre auf dem Platz zu stehen, wenn Domme das letzte Mal aus dem Stadion geht. Das wird ein extrem emotionaler Moment für viele Leute. Oftmals ist er bei irgendeinem Fantreffen, wenn ich mit ihm telefoniere. Er ist eine Integrationsfigur bei RB Leipzig. Wenn ich gehört habe, wer alles dabei sein wird bei dem Spiel: Timo Röttger, Daniel Frahn, Tim Sebastian… Das sind Jungs, bei denen sofort tausend Bilder durch meinen Kopf gehen. Zudem freue ich mich auch auf liebgewonnene Menschen aus dem Umfeld des Teams und auf Diego Demme, Yussuf Poulsen oder Fabio Coltorti. Meine Jungs von damals. Und natürlich die Fans.  Ich werde es genießen. Weil ich ja selbst keinen Abschied von den Fans nehmen konnte. Deshalb ist es auch ein klein bisschen mein Abschied aus dem Leipziger Stadion.“

Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie sich in der nächsten Saison wieder täglich bei Bröndy sehen?

„Ich hätte Domme im nächsten Jahr unglaublich gern hier. Aber da gibt es auch andere Vereine. Wir werden sehen, ob das zusammen kommt. Er soll sich die Zeit nehmen, die er für seine Entscheidung braucht.“

Info: Im zweiten Teil des Interviews, der am Montag erscheint, spricht Alexander Zorniger über die Zukunft zwei ehemaliger RB-Spieler in seiner Mannschaft, die verrückten Fans bei Bröndby sowie das private Glück in Dänemark.

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