Ein Bild aus Leipziger Zeiten: Daniel Frahn beim Torjubel 2015. Ein Bild aus Leipziger Zeiten: Daniel Frahn beim Torjubel 2015. ©
Ein Bild aus Leipziger Zeiten: Daniel Frahn beim Torjubel 2015.

Exklusiv: Daniel Frahn kritisiert Ex-Klub RB Leipzig! „Das war wie ein Schlag ins Gesicht“

Rekordtorschütze Daniel Frahn hat RB Leipzig einst von der Regionalliga in die 2. Bundesliga geschossen. Im Interview rechnet er mit seinem Ex-Klub ab.

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Herr Frahn, 2010 gingen Sie, damals noch zu Regionalliga-Zeiten, zu RB. In den darauffolgenden Jahren wurden Sie Rekordspieler (154 Spiele) und –torschütze (66 Tore) – stünde der Klub ohne Sie da, wo er heute steht?
Wenn man sieht, dass ich den Verein aus der 4. und auch aus der 3. Liga hochgeschossen habe, denkt man sich schon: Das habe alles erst ich mit möglich gemacht.

Sie spielen heute beim Chemnitzer FC in der 3. Liga. Wie fühlt es sich an, jetzt nicht mehr dabei zu sein?
Wenn man vor dem Fernseher sitzt und sieht, dass bei RB kaum ein Spieler dabei ist, der in der 3. Liga ein Tor geschossen hat, geschweige denn in der 4. Liga, fragt man sich schon manchmal: Was ist falsch gelaufen?

Den Sprung von der Regionalliga in die Bundesliga hat nur ein RB-Spieler geschafft: Dominik Kaiser.
Er hat auch die gewisse Qualität, hat in der 3. und 2. Liga überragend gespielt. Solchen Spielern gönnt man es ja auch, dass sie da mit hochmarschiert sind. Der soll meinetwegen auch die Champions League gewinnen. Aber du brauchst halt auch jemanden, der dir Rückhalt gibt, und den hatte er von Anfang an mit Ralf Rangnick. Und ich eben nicht.

Rangnick wurde 2012 Sportdirektor in Leipzig. Was hat sich dadurch geändert?
Es wurde alles professioneller: Es gab auf einmal Frühstück, Mittag, Abendbrot – Sachen, die in der Regionalliga neu für uns waren. Doch damit stieg auch der Druck. Man durfte sich keine Fehler mehr erlauben. Man musste durch die Ligen durchmarschieren, sonst gab es Veränderungen. Es konnte nicht schnell genug nach oben gehen.

Hatten Sie, als es dann 2014 mit dem Aufstieg in die 2. Liga geklappt hat und Sie immer weniger Spielzeit bekamen, das Gefühl, dass Ihre Dienste bei RB nicht mehr gefragt waren?
Zwischenzeitlich ja. Es war ja auch für mich mein erstes Zweitligajahr, ich hatte anfangs drei Tore geschossen. Aber man hätte mir vielleicht schon mehr Zeit geben können, zumal ich in den Jahren zuvor ja auch immer Tore geschossen habe. Da hatte ich schon den Gedanken: Für die unteren Ligen hat es gereicht für euch, aber nach drei Toren in drei Monaten auf einmal nicht mehr?

Was ist das für ein Gefühl?
Ich habe mich gefragt: Wofür habe ich das überhaupt alles gemacht? Aber bei RB ist es halt so, dass du fünf Tage der Held bist und am nächsten Tag die Koffer packen musst. Das war schon in der 4. und 3. Liga so. So viele Spieler, wie ich bei RB kennengelernt habe, werde ich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben nicht mehr kennenlernen (lacht).

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?
Na ja, entweder du lieferst und schießt in einem halben Jahr zehn Tore – oder halt nicht. So läuft es im Profifußball, vielleicht bei RB sogar ein bisschen krasser, weil die finanziellen Möglichkeiten da sind. Das wollte ich erst auch nicht wahrhaben, für mich liefen die Jahre davor ja nur positiv. Dass man wirklich auch selbst austauschbar ist, den Gedanken hatte ich nie.

Diese eine Sekunde, in der man Ihnen das erklärt hat …
Ralf Rangnick hat mir mitgeteilt, dass RB für die Rückrunde (2014/15; d. Red.) drei neue Stürmer (Omer Damari, Ante Rebic, Yordy Reyna, von denen keiner mehr im Erstliga-Kader steht, d. Red.) holen wird. Und mir klipp und klar zu verstehen gegeben, dass sie von der Qualität alles besser sind als ich. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe ja immer meine Leistung gebracht, hatte in dem halben Jahr hinter Yussuf Poulsen immer noch die zweitmeisten Tore auf dem Konto. Mich so versuchen loszuwerden, das war nicht der ganz feine Zug.

War die Anstellung Ralf Rangnicks der Anfang Ihres Endes bei RB?
Schwer zu sagen, aber er war schon der Initiator davon, dass ich dann gegangen bin. Zum Abschied hat er mir eine SMS geschrieben, in der er sich für die gemeinsamen Jahre bedankt hat.

In Ihrem letzten Spiel wurden Sie als „Mister RB“ verabschiedet. Wird Leipzig künftig zum Bayern-Verfolger Nummer eins?
Davon gehe ich ganz schwer aus. Weil sie einen so guten Fußball spielen. Da wird einem ja nie langweilig, wenn man denen zuguckt. Und wie ich gelesen habe, will Herr Mintzlaff (Vorstandsvorsitzender; d. Red.) in den nächsten sechs, sieben Jahren um die Meisterschaft mitspielen. Ich glaube nicht, dass es so lange dauern wird. Weil es keinen Stillstand geben wird bei RB Leipzig.

Ebenso wenig hören die Ausschreitungen gegen RB auf, war das schon in der Regionalliga so?
Ich kann mich noch daran erinnern, wie unser Bus beim Spiel gegen Braunschweig II mit Farbmitteln beschmiert worden ist. Oder in Halle, wo wir mit Steinen beworfen wurden und eine Scheibe kaputtgegangen ist. Aber wir wussten halt – das hört sich jetzt blöd an –, dass es dazugehört, dass wir überall gehasst werden.

Sie sind immer noch Publikumsliebling und Kultfigur. Können Sie sich irgendwann eine Rückkehr zu RB vorstellen?
Absolut. Und ich glaube, das Verhältnis zum Klub ist immer noch so, dass mir die Türen weiterhin offen stehen. RB war und ist eine Herzensangelegenheit für mich.

Das Interview ist der Teil der Serie „Diese eine Sekunde“. Das Buch können Sie hier bestellen.

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