Gerhard Berger war als Teambesitzer von Toro Rosso einer der großen Förderer von Sebastian Vettel. Der aktuelle DTM-Chef warnt vor Langeweile in der Formel 1. Gerhard Berger war als Teambesitzer von Toro Rosso einer der großen Förderer von Sebastian Vettel. Der aktuelle DTM-Chef warnt vor Langeweile in der Formel 1. © Getty
Gerhard Berger war als Teambesitzer von Toro Rosso einer der großen Förderer von Sebastian Vettel. Der aktuelle DTM-Chef warnt vor Langeweile in der Formel 1.

Exklusiv im Interview: Gerhard Berger warnt vor Langeweile in der Formel 1

im exklusiven SPORTBUZZER-Interview spricht der ehemalige Ferrari-Pilot Gerhard Berger über die Mercedes-Dominanz, Vettels künftige WM-Chancen und seine erste Saison als DTM-Chef. Fahren bald japanische Hersteller in der DTM?

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Der Titel in der Formel 1 ist längst vergeben. Der neue Weltmeister heißt Lewis Hamilton – wie schon 2008, 2014 und 2015. Der vierte WM-Titel für den Briten ist auch der vierte in Folge für Mercedes. Vor dem Rennen in Brasilien am Sonntag (17 Uhr, RTL) schaut Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, der von 2010 bis 2013 vier Titel im Red-Bull-Renault gewonnen hatte, daher lieber auf die kommende Saison. „Alles, was wir dieses Jahr noch lernen können, können wir mitnehmen ins nächste Jahr. Deswegen wäre es jetzt falsch, vom Gas zu gehen.

Gerhard Berger, ehemaliger Formel-1-Pilot und heutiger DTM-Chef, kennt Vettel noch aus jungen Jahren, als dieser 2008 im Toro Rosso saß und Berger der Besitzer des Teams war. Was Vettel zum Titel fehlt und wie sich die DTM in Deutschland behaupten kann, erzählt Gerhard Berger im Interview.

Herr Berger, Sie saßen selbst lange Jahre bei Ferrari im Cockpit. Was muss passieren, damit Sebastian Vettel Weltmeister wird?

Sie müssen den eingeschlagenen Weg ohne Kompromisse weitergehen und noch mehr auf jedes Detail achten. Dann bin ich sicher, dass wir nächstes Jahr einen noch engeren Titelkampf erleben werden.

Das heißt, Sie glauben daran, dass Ferrari die Mercedes-Titel-Dominanz brechen kann?

Natürlich! Vettel kann im Ferrari Weltmeister werden!

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Durch Duell Vettel gegen Hamilton wurde die Formel 1 interessanter

Aber auch diese Saison gewann Hamilton im Mercedes am Ende mit großem Vorsprung den Titel. Wie sehen Sie den neuen Weltmeister?

Hamilton hat den Titel verdient gewonnen, er war konstanter und das Team konnte sich im Verlauf der Saison noch steigern, als Ferrari zeitweise gleichauf war. Insgesamt war es bisher eine sehr interessante Saison. Hamilton ist dabei, in die absolute Top-Liga der Formel-1-Historie aufzusteigen.

Was muss passieren, um die Formel 1 spannender zu machen, mehr Zuschauer vor allem in Europa zurück an die Strecken und vor die Bildschirme zu bekommen?

Die Formel 1 lebt von Duellen und Rivalität. Wenn die Kräfteverhältnisse zu wenig ausgewogen sind und ein Team dominiert – so wie Mercedes in den letzten Jahren –, dann führt das zu Langeweile und Zuschauer wenden sich ab. Als es in diesem Sommer zum Duell Hamilton – Vettel kam und neben Ferrari auch noch Red Bull aufschließen konnte, wurde die Sache gleich wieder viel interessanter. Zumindest an der Spitze sind die Teams näher zusammengerückt.

Sie sind seit Saisonbeginn DTM-Chef. Und Ihnen wird ein guter Draht zu Bernie Ecclestone nachgesagt: Haben Sie sich etwas bei ihm abgeschaut?

Ja, den Geschäftssinn. (lacht) Nein, im Ernst: Bernie hat enorm viel dazu beigetragen, dass die Formel 1 zu einer der bedeutendsten globalen Sportplattformen geworden ist. Da kann man sich in der Tat einige Dinge abschauen. Allerdings sehen wir mit den neuen Besitzern der Formel 1 auch, dass die Serie noch einiges ungenutztes Potenzial hat. Man schaue sich nur an, welche Sprünge die Formel 1 in den letzten Monaten in den sozialen Medien gemacht hat.

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Auf Showeffekte und unglaubwürdiges Spektakel sind wir nicht aus

Wie bewerten Sie Ihre erste Saison in der DTM?

Grundsätzlich war’s eine gute erste Saison. Die Neuerungen, die kurz vor Beginn eingeführt worden sind, haben alle Wirkung gezeigt und dazu geführt, dass wir spannende, spektakuläre Rennen gesehen haben. Wir hatten bei insgesamt 18 Rennen gleich zwölf verschiedene Sieger. Die DTM ist attraktiv, was sich auch daran zeigt, dass in dieser Saison mehr Fans zu den Rennen gekommen sind als im Vorjahr. Natürlich gab es auch ein paar Dinge, die noch nicht perfekt liefen – aber das gehört dazu.

Worauf sind Sie stolz, wo sehen sie Verbesserungspotential?

Dass es uns gelungen ist, die Performance Gewichte noch während der laufenden Saison abzuschaffen, auch wenn das länger gedauert hat, als ich mir erhofft hatte. Verbesserungspotential gibt es überall, wir dürfen nie aufhören, konstant die Wünsche und Bedürfnisse der Fans zu hören. Deshalb schauen wir uns im Hinblick auf 2018 alles an: Rennkalender, Eventformat, Rahmenrennen, Attraktionen für die Fans.

Wie lange haben Sie am Anfang gebraucht, um alle Regeländerungen zu verstehen – von Reifen über Gewichte bis zur Team-Order?

Ich bin ja schon etwas länger im Motorsport tätig, insofern habe ich schnell verstanden, wo der Hase langläuft. Das Schwierige ist aber nicht, die Regeln an sich zu verstehen. Wenn man etwas verändern möchte, muss man im Voraus möglichst genau abschätzen können, was im Sinne der Verbesserung eines authentischen Sports ist. Auf Showeffekte und unglaubwürdiges Spektakel sind wir nicht aus.

Japanische Hersteller in der DTM?

Der Mercedes-Ausstieg als Herausforderung: Wie gehen Sie diese an?

Keine Frage, das war der schwierigste Moment in der abgelaufenen Saison, vor allem weil die Nachricht so überraschend kam. Unabhängig vom Ausstieg wollten wir aber ohnehin weitere Hersteller für die DTM gewinnen. Mittelfristig muss es uns gelingen, neue Hersteller oder werksunterstützte Privatteams für die Serie zu gewinnen. Dazu müssen vor allem die Entwicklungs- und Betriebskosten gesenkt werden, um die Einstiegshürde für neue Teilnehmer herabzusetzen. Außerdem halte ich den Rennkalender für entscheidend. Die DTM muss international stärker werden, ohne seine deutschen Wurzeln zu verlieren. Daran arbeiten wir.

Wie sieht es mit einer Zusammenlegung von Super GT-Serie und DTM aus? Gibt es bald ein Dauerduell Deutschland gegen Japan?

Es geht nicht um eine Zusammenlegung der Serien, das wäre nicht sinnvoll. Beide Serien sind in ihren Ländern und auf ihrem Kontinent stark verwurzelt. Wenn wir ab 2019 jedoch wie geplant nach dem gleichen technischen Reglement fahren, dann ist der Schritt für einen Hersteller nicht mehr so groß, an beiden Serien parallel teilzunehmen. Hersteller wollen mit ein und demselben Rennfahrzeug in möglichst vielen Märkten antreten können. Das werden DTM und SUPER GT bieten. Man muss sich allein nur vor Augen halten, dass die größten Automobilhersteller der Welt in beiden Serien aktiv sind – der Volkswagen Konzern mit seiner Premiummarke Audi in der DTM sowie Toyota in der SUPER GT.

Wenn Sie heute noch einmal Fahrer wären: lieber in einem Formel-1-Wagen oder einem DTM-Auto?

Ich hätte gerne eine Kombination aus beiden: die Leistung und Geschwindigkeit der Formel 1, gepaart mit der Ausgeglichenheit und den harten Zweikämpfen der DTM, bei denen man sich auch mal berühren darf.

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