SPORTBUZZER-Handball-Reporter Jens Kürbis hat Nationalkeeper Silvio Heinevetter vor den entscheidenden Gruppenspielen in der Hauptrunde exklusiv interviewt. SPORTBUZZER-Handball-Reporter Jens Kürbis hat Nationalkeeper Silvio Heinevetter vor den entscheidenden Gruppenspielen in der Hauptrunde exklusiv interviewt. © Felix König
SPORTBUZZER-Handball-Reporter Jens Kürbis hat Nationalkeeper Silvio Heinevetter vor den entscheidenden Gruppenspielen in der Hauptrunde exklusiv interviewt.

Exklusiv: Silvio Heinevetter im Interview - "Das geht mir tierisch auf den Zeiger"

Deutschland steht bei der Handball-Europameisterschaft in Kroatien vor wichtigen Spielen. Dass die DHB-Auswahl noch Chancen auf das Halbfinale besitzt, hat das Team vor allem seinen Torhütern zu verdanken. Andreas Wolff und Silvio Heinevetter halten bärenstark. Heinevetter im SPORTBUZZER-Interview über seine Tricks, seinen Ärger - und seine Darts-Fähigkeiten.

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Am Rande der Pressekonferenz vor dem wichtigen Gruppenspiel gegen Dänemark sprach SPORTBUZZER-Redakteur Jens Kürbis (52), selbst ehemaliger Nationaltorhüter (39 Länderspiele, WM 1990 und 1993) , mit Silvio Heinevetter. Ein Gespräch unter Keepern.

Wie ist nach dem Sieg die Stimmung im Team?

Alle sind gut drauf. Tschechien war schon ein hartes Stück Arbeit. Man hat schon gesehen, warum sie die Überraschungsmannschaft des Turniers sind. Wichtig ist hinten raus: Wir haben die zwei Punkte. Und man hat schon nach dem Spiel gemerkt: Alle sind schon sehr auf Dänemark fokussiert. Da knistert es. Das wird ein K.o.-Spiel. Der Sieger hat die besten Chancen aufs Halbfinale, für den Verlierer wird es schon schwierig. Es ist ein Duell, in dem es um Alles oder Nichts geht.

Andreas Wolff und du, ihr wart die Matchwinner gegen Tschechien. War das das perfekte Spiel, das des Teams im Team?

Zum Team im Team gehören bei mir mehr. Ohne Abwehr wäre der beste Torhüter der Welt nichts. Mit den Jungs vor uns haben wir schon ganz gut verteidigt, obwohl wir noch Pech hatten, ungewöhnliche viel abgefälschte Bälle bekommen haben.

Doch dann kam Minute 48, der Wechsel im Tor. Macht ihr das unter euch aus? Warst du sauer? Du hast bis dahin ja top gehalten, aber dann kamen ein paar zu viel Tore über rechts.

Nein, das entscheidet der Trainer. Ich kann seine Entscheidung aber verstehen, er wollte einen neuen Impuls geben. Und da ist es besser den Torhütern rauszunehmen, als die ganze Abwehr auszuwechseln. Und das ging ja komplett auf. Andi hat die ersten sechs, sieben Minuten nicht mal einen Ball aufs Tor bekommen und vorn haben die Jungs getroffen.

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Spielst Du gern vorn vorn, also in der Startsieben?

So wie der Trainer es will. (grinst) Natürlich will ich anfangen, keine Frage. Wer das nicht will, hat in der Nationalmannschaft nichts zu suchen. Wenn der Trainer sagt Bank, weiß ich aber, dass ich mich drauf einstellen muss, dass ich bereit bin. Und das bin ich, wie man die Spiele zuvor gesehen hat.

Was bist Du für ein Typ? Der, der Wurfbilder studiert oder der, der intuitiv hält? Der Däne Mattias Andersson hat ja gleich eine Datenbank über jeden seiner Gegenspieler angelegt.

(lacht) Mann, der ist Schwede. Aber da oben in Flensburg sind ja fast nur Dänen. Da kann man schon mal durcheinander kommen. Aber zu deiner Frage: Andersson ist keine Ausnahme. Auch ich habe meine Aufzeichnungen, immer mein kleines schlaues Buch dabei. Außerdem kennt man ja seine Pappenheimer über die Jahre. Das Wichtigste für mich ist, dass man sich mit seinen Vorderleuten bespricht. Und ich vertraue auch auf meine Intuition. Wurfbilder machen bei mir maximal 20 Prozent aus, aber wichtige 20 Prozent.

Du kommst ja viel über die Emotion. Wie steckst Du Kopftreffer wie im Tschechien-Spiel weg? Pushen sie dich? Ich war früher auf 180.

Du meinst so wie: Jetzt zeig ich's dir?

Ja.

Nein, in der Richtung pushen sie mich nicht. Ich brauche das nicht. Sonst müsste ich mir ja in jedem Training einen auf die Omme ballern lassen müssen. Wenn du im Spiel bist, und einen drauf bekommst, bist du ja 'eh schon auf Betriebstemperatur. Wichtig ist, wenn du die Birne hinhältst, dass der Ball danach nicht reingeht. Dann ist alles gut.

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In der ersten Halbzeit gab es den Videobeweis nach einem von Dir gehaltenen Ball. Und dann entschieden die Schiris auf Tor.

Ich bin mir sicher, das der nicht drin war. Du kennst doch das Gefühl. Ich hätte es mir gern hinterher noch mal angesehen, einfach so. Aber ich durfte nicht. Sie haben es nicht zugelassen.

Ihr hattet nach dem Spiel einen Team-Abend. Was passiert da?

Erst einmal habe ich mit Peke und Peter Gräschus, unserem Physio, 50 Minuten im Bus Skat durchgekloppt. Und danach gab es kroatische Spezialitäten in einem Restaurant um die Ecke. Heißt: Fleisch, Cevapcici, Ajvar, Zwiebel - das komplette Programm.

Es wurde auch viel darüber gesprochen, dass ihr als Team zusammengerückt seid, weil wir als Medien zu viel Druck gemacht hätten. Ist der Druck wirklich so groß?

Der eine oder andere liest das schon. Druck ist ja auch nicht immer negativ. Den machen wir uns ohnehin selbst, Aber mir geht das schon tierisch auf den Zeiger, dass die Presse gegen den Trainer schreibt, behauptet wir machen alles alleine, lassen den Trainer außen vor. Wir sind nicht hergereist als Einzelspieler, sondern als Mannschaft, da gehört der Trainer dazu.

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"Zimmer, Bett, Toilette, Essen - mehr brauche ich nicht"

Blick auf Dänemark. Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Gibt es da noch Überraschendes?

Ehrlich? Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, nur ein paar Minuten gesehen. Aber klar ist, die haben ein extrem gutes Tempospiel, Topleute auf jeder Position. Das wird eine heiße Kiste.

Apropos heiße Kiste. Ich dartet ja in euer Freizeit viel. Finn Lemke soll Verbot haben, weil er die Scheibe nicht trifft, andere Gefahr laufen, getroffen zu werden . . .

Das Problem ist hier, die Decke ist zu flach. Und Finns Würfe bleiben oben an der Decke hängen. Das ist der Grund.

Hast du eigentlich die Scheibe mitgebracht? Du bist ja einer der Darts-Spezies.

Nein. Die haben die Jungs im Bus mitgenommen, auch die Staffelei dafür.

Eine Staffelei?

Ja, die ist ganz praktisch. Früher hatten wir die Scheibe an der Hoteltür hängen. Und einige treffen nun mal nicht. Da gab es hinterher immer fette Rechnungen vom Hotel.

Das neue Hotel ist ja ganz schick, moderner, luftiger. Hilft der Tapetenwechsel auch mental?

Das ist mir egal. Zimmer, Bett, Toilette, Essen - mehr brauche ich nicht. So viel Freizeit haben wir eh nicht. Wir sind auch nicht hier, um uns Land und Leute anzusehen.

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