05. Dezember 2018 / 15:13 Uhr

Fabrizio Muzzicato: "Ich bin der größte Fan meiner Mannschaft"

Fabrizio Muzzicato: "Ich bin der größte Fan meiner Mannschaft"

Patrick Hilmes
SPORT //  Fu§ball-Oberliga: TB Uphusen - MTV Gifhorn: 
Trainer Fabrizio Muzzicato (vorn) und Co-Trainer Maik Linke (beide TB Uphusen)
FOTO: Bjšrn Hake
Fabrizio Muzzicato und sein TB Uphusen befindensich zur Winterpause mit 23 Punkten auf dem zehnten Tabellenrang. © Björn Hake
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Im Interview zieht der Trainer des TB Uphusen ein Fazit nach der Hinrunde in der Oberliga Niedersachsen

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Herr Muzzicato, wie lautet Ihr Fazit der Hinrunde mit dem TB Uphusen?

Fabrizio Muzzicato: Wir kamen aus einer sehr guten Rückrunde mit gutem und konstanten Fußball. Dann mussten wir im Sommer aber einige Veränderungen vornehmen. Daher war mir schon klar, dass es schwierig wird, diese Leistung sofort zu wiederholen. Den Kern konnten wir halten und haben uns, abgesehen von Viktor Pekrul und Sebastian Kmiec, mit jüngeren Spielern verstärkt. Ich bin sehr überzeugt von der Mannschaft. Wir hatten zwar Probleme in der Vorbereitung, gerade körperlich hatten die Jungs abgebaut. Dennoch sind wir sehr gut in die Saison gekommen. Dann kam mit dem Atlas-Spiel eine verdiente Niederlage und auch ein Bruch. Wir haben angefangen, inkonstant in Leistung und Ergebnissen zu sein. Die Erklärung ist, dass die Stabilität in der Mannschaft nicht gepasst hat. Zudem haben wir ein Stürmerproblem, da Thomas Celik ausgefallen ist. Wir haben Jungs gehabt, die nicht ihre Form gefunden haben. Wie Kevin (Kevin Artmann, Anm. d. Red.), der in der Rückrunde sehr stark war, doch diese Saison einen Tick mehr körperliche Probleme hat. Dann noch die Innenverteidigung mit Frithjof Rathjen. Er hat bewiesen, dass er uns sehr hilft, wenn er denn da ist. Wir waren oft gezwungen, auf der Position zu wechseln. In einer Mannschaft ist die Achse sehr wichtig, auf gewissen Positionen braucht man Konstanz. Die hatten wir nicht. Ziehe ich diese ganzen Sachen ab, muss ich sagen, dass wir es gut hinbekommen haben. Nicht sehr gut, aber auch nicht schlecht. Klar, die Niederlagen haben wehgetan. Insbesondere die, in denen es um Mentalität und Einstellung ging. Das sind Dinge, mit denen ein funktionierendes Team keine Probleme haben dürfte.

Vor der Saison wurde das Ziel vorgeben, eine ruhige Saison zu spielen. Dennoch sind die Ansprüche gestiegen . . .

Richtig, hätten wir gegen Spelle, Northeim, HSC Hannover verloren und gegen die anderen die Punkte geholt, dann wäre es ein anderer Blick gewesen. Aber genau gegen die haben wir souveräne Siege gefeiert. Es ist schwer zu sagen, warum das so ist, denn im Grunde weiß ich, dass die Jungs wollen. Wir werden auch anders wahrgenommen. Ich habe auch schon gehört, dass wir eigentlich Dritter hätten sein müssen. Ich bin der größte Fan von meiner Mannschaft, für mich sind das die besten Spieler. Aber es laufen viele gute Spieler in der Liga rum. Nur weil der TBU jetzt das erste Mal „Stars“ hat, kann man nicht einfach sagen, wir müssten da und da stehen.

Gibt es Lösungsansätze?

Manche haben eine Vorgeschichte. Ich will nicht sagen, die Bremen-Liga hat sie versaut. Die nötige Einstellung alle fünf Tage für ein Spiel zu finden, ist eigentlich etwas Normales. Doch wenn du das fünf, sechs Jahre nicht hattest . . . Für viele ist das immer noch eine Umstellung. Du musst hundert Prozent geben. Aber ich stelle nicht den Charakter der Mannschaft infrage. Unser Ansatz ist es, positionell besser aufgestellt zu sein, insbesondere im Sturm. Man hat es am Kurzeinsatz von David Airich gegen den HSC gesehen. Ich glaube nicht, dass es Zufall war, dass er in 15 Minuten acht gute Situationen hatte. Wir müssen zusehen, dass wir solch eine Komponente einpflanzen. Und wir müssen gucken, dass wir in der Abwehr Kontinuität reinbekommen. Da sind wir zu dünn besetzt.

Ein Problem ist auch, dass der TBU den letzten Platz in der Fairnesstabelle einnimmt . . .

Das ist Wahnsinn. Oft haben wir überdreht. Sebastian Kmiec ist ein Spieler, der mal voll durchzieht und ein Zeichen setzen will. Ole Laabs kriegt mal wegen Diskussionen Gelb. Aber selbst in der Verteidigung haben wir nicht einen von der alten Schule, der mal einen wegschrubbt. Wir als Trainer werfen ihnen immer wieder vor, dass es zu leise ist. Das ist dann wie beim Fußballerischen, da haben sie kein Maß gefunden. Auch das liegt bei manchen daran, dass sie über lange Zeit nicht immer ihre Leistung abrufen mussten.

Auffällig ist: Fehlt Frithjof Rathjen, fehlt Stabilität . . .

Ja, wir müssen uns auch den Vorwurf gefallen lassen, dass wir den jungen Spielern zu wenig Chancen gegeben haben. Vielleicht wäre ja einer explodiert. Doch die Mannschaft ist so aufgestellt, dass manche Spieler sie führen sollen. Einen gestandenen Abwehrspieler haben wir nicht, wenn Frithjof fehlt. Kerem Sahan versuchen wir gerade umzupolen. Aber er hat in der Hinrunde einige negative Erfahrungen gemacht. Das ist aber verständlich.

SPORT // Fu§ball Oberliga TB Uphusen - TuS BersenbrŸck:
Frithjof Rathjen (TB Uphusen)
FOTO: (C) Bjšrn Hake
Auf Abwehrchef Frithjof Rathjen muss immer wieder verzichtet werden, da er Teil im Trainerteam von Werders U14 ist. © Björn Hake
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Gleiches gilt für Kevin Artmann: Fehlt er, fehlt der geordnete Spielaufbau . . .

Ja, die Achse Rathjen, Artmann, Celik war sehr wichtig für uns. Nun war es nicht immer der Idealzustand. Wenn diese Spieler fehlen, musst du das erst mal kompensieren. Das haben wir manchmal geschafft, manchmal nicht.

Kommen wir zu den Spielsystemen. Haben Sie mit dem 3-2-4-1 und dem 4-1-4-1 ihre gewünschte Linie gefunden?

Wir haben das sehr gut umgesetzt. Es war schon eine Zeit lang Thema. Die Spieler haben sich beschwert, dass wir im Spiel dreimal das System gewechselt haben. Da hatten sie auch Recht. Wir sind auch nicht im Profibereich, das wir auf die Situation X mit der Umstellung X reagieren. Im Grunde haben wir oft diese beiden Systeme gespielt und spielerisch eine gute Leistung gezeigt. Oft auch in den Spielen, die wir verloren haben. Die Gefahr ist, die Waage zwischen dem Spielerischen und dem Punkten zu verlieren.

Gibt es in puncto neuer Stürmer Neuigkeiten?

Es gibt Kandidaten. Gespräche haben wir geführt, aber es ist noch alles in der Schwebe. Wir werden versuchen, diesen Typ Spieler zu holen, der vorne die Bälle hält und verteilt. Doch auch wenn es nicht klappt, dann werden wir mit Thomas Celik gut aufgestellt sein, sollte er fit zurückkommen.

Bleibt David Airichs Einsatz gegen den HSC Hannover ein einmaliges Intermezzo?

Man könnte ein Wechselspiel mit der Zweiten hinbekommen. Aber es ist fraglich, ob es für uns und ihn die richtige Geschichte wäre. Er hätte uns überragend geholfen, wenn er Bestandteil der Mannschaft geblieben wäre. Wir haben ja über Konstanz gesprochen, dass hätten wir mit solch einer Konstellation nicht.

Wie beurteilen Sie die Integration der Spieler, die im Sommer dazugestoßen sind?

Ältere Spieler integrieren sich anders als jüngere. Sebastian Kmiec musste sich nicht wirklich integrieren. Ich hatte Aufstellungen, in denen sieben Spieler waren, die vor zwei Jahren noch beim Bremer SV zusammen auf dem Platz standen. Viktor Pekrul auch nicht wirklich. Er ist ein Typ, der würde in jeder Mannschaft nach zwei Wochen so eine Präsenz haben, als ob er schon acht Jahre da ist. Auch auf die Leistung bezogen gilt das. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich mal mit Sebastian unzufrieden war. Viktor hat am Anfang einen sehr hohen Standard gesetzt. Alles, was er macht, ist sehr intensiv. Wenn ich die komplette Hinrunde sehe, dann sehe ich neun, zehn Torvorbereitungen. Das ist für einen Verteidiger überragend. Es ist toll zu sehen, welch Ehrgeiz, welch Hunger er hat.

Doch das sind beides Stammspieler . . .

Wir hatten auch nach dem HSC-Spiel überlegt, etwas anderes zu machen. Dass wir nicht wieder auf die erfolgreiche Mannschaft, sondern auf die Jungs setzen, die hinten dran sind. Nach dem Spiel gegen Arminia Hannover hab ich ihnen riesigen Respekt gezollt. Die junge Generation bekommt immer viel ab, aber wir haben Glück. Wir haben Spieler, die akzeptieren, dass die Alten die Richtung vorgeben.

Also werden Sie in Zukunft vermehrt auf die Jüngeren setzen?

Ich muss vielleicht noch mehr auf Leistung schauen und dieses Zutrauen haben, obwohl einer nur anderthalb Oberliga-Spiele hat. Vielleicht muss man die Konzentration damit schärfen, denn wenn ein Spieler sich zu sicher fühlt, bringt er nicht konstante Leistungen. Daher müssen wir auf manchen Positionen mehr Druck erzeugen. Und das geschieht damit, dass man den Wettbewerb erhöht und manche Leute mal auf die Bank setzt.

Gibt es wieder die Intention, in der Winterpause Spieler mit Ihrem Bruder (Benedetto Muzzicato, Trainer bei Regionalligist BSV Rehden) zu tauschen?

Es gibt die Möglichkeit, wir sind im beiderseitigem Austausch. Interesse ist vorhanden, aber man kann noch nichts Konkretes sagen.

Wer ist denn für den TBU interessant?

Ich würde gerne Tobias Esche sagen.

Aber?

Ich glaube nicht, denn er fühlt sich sehr wohl, und ihm ist es sehr wichtig, Regionalliga zu spielen. Das muss man respektieren. Aber es gibt Jungs, die in Bremen ansässig sind, was ja gut für uns ist. Und jetzt ist ja der TB Uphusen quasi die erste Anlaufstelle.

Mal etwas zum Träumen. Wenn Sie drei Wünsche bezüglich des TBU frei hätten, welche wären das?

Konstanz, denn ohne belastet es die ganze Mannschaft und den gesamten Verein. Dann entweder einen neuen Stürmer bekommen und/oder Thomas Celik zurückbekommen.

Und der dritte Wunsch ist ein Klon von Frithjof Rathjen?

Ja, aber nein (lacht). Das, was über allem steht und von dem viele sagen, dass das doch gar kein Problem wäre. Man muss auf dem Teppich bleiben. Die Liga zu halten, ist immer noch das vorrangige Ziel. Wir als TB Uphusen – egal, was die Leute meinen, welch Star-Truppe wir haben – sind nicht davor gefeit, mal fünf, sechs Spiele nicht zu gewinnen. Die Liga ist so eng beieinander, dass du dir Träume nicht leisten kannst.

SPORT // Fu§ball-Oberliga: TB Uphusen - FC Eintracht Northeim: 
Thomas Celik (TBU)
FOTO: Bjšrn Hake
Wird im Sturm schmerzlich vermisst: Thomas Celik. © Björn Hake

Stichwort Liga: Wie schätzen Sie die Spielklasse bisher ein?

Oftmals entscheiden die Kleinigkeiten und viele sind auf einem Level. Northeim und HSC muss man rausnehmen. Alle anderen haben das gezeigt, was auch wir gezeigt haben: Inkonstanz. Daher ist es schwierig, eine Prognose abzugeben. Ich sehe nicht, warum wir uns als TBU da rausnehmen und sagen könnten: Wir müssen eigentlich Dritter oder Vierter sein. Am Anfang haben schon viele, als wir oben waren, das als Normalzustand angesehen. Und wie würde es denn mit der Regionalliga ausschauen? Da bin ich verwundert. Ich weiß, wie stark wir sein können, aber im Fußball gibt es nun mal viele Faktoren.

„Wir“ heißt in dieser Saison Sie und Mike Gabel. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Er investiert sehr viel Zeit und ist sehr modern eingestellt. Viele leben von ihrem Fachwissen 20 Jahre lang. Mike versucht, auf dem neuesten Stand zu sein. Er ist ein Glücksfall. Er hat eine härtere Herangehensweise als ich, was auch gut ist. Manche sagen ja, ich bin zu nett (schmunzelt).

Nach dem Motto guter Cop, böser Cop?

Ja, so ungefähr. Es ist nicht für jeden etwas. Der eine sagt: Wenn Mike durchdreht, ist das zu viel. Der andere sagt: Fabrizio hat nur eine Tonlage, warum schreit der nicht mal (lacht)? Wir haben eine gute Mischung. Über allen steht aber die fachliche Kompetenz und die hat er auf jeden Fall. Florian Warmer hat da ein gutes Händchen gezeigt.

Damit kommen wir zum Sportlichen Leiter Florian Warmer. Nach dem Abgang von Andre Schmitz ruht nun sämtliche Last auf Warmers Schultern . . .

Er ist sehr aktiv. Wichtig ist, dass er ein sehr gutes Verhältnis zu vielen Spielern hat. Ich als Trainer bewahre mir ja lieber etwas die Distanz. Andre hat viel gemacht und positive Energie reingebracht. Aber ich glaube schon, dass es die richtige Entscheidung war. Es ist praktischer, nur einen Ansprechpartner zu haben. Ich bin froh, Florian als Manager zu haben. Er hat mich in der Anfangszeit immer unterstützt, er war immer gleich, auch wenn es am Anfang nicht so gut lief. Ich spüre da großes Vertrauen und das ist wichtig für mich als Trainer.

Kommen wir zu Ihnen selbst. Werden Sie auch in der nächsten Saison Trainer des TB Uphusen sein?

Das ist schwer zu sagen, ich bin in der Entwicklung. Mich kennen die Spieler als Spieler und als Trainer sehr gut. Das ist eine etwas komische Konstellation. Aber wir sind erst am Anfang einer Geschichte. Ich komme gut mit den Jungs klar. Ich will auch meine nächste Lizenz in Angriff nehmen, um eine Perspektive für weiter oben zu haben. Ich muss das nicht unbedingt haben, hätte aber gerne die Möglichkeit. Man muss jedoch bedenken, dass Fußball ein Ergebnis-Sport ist. Das war ein Grund für mein Ende beim Bremer SV. Wenn man ein Ziel hat, das man nicht erreicht, kann man nicht bei den Spielern anfangen. Als Trainer bist du hauptverantwortlich. Deshalb sollten wir die Rückrunde abwarten. Ich habe Glück, beim TBU sein zu dürfen. Ich kann in der Oberliga sehr viel lernen. Schlechte Entscheidungen werden bestraft, was ich aus der Bremen-Liga gar nicht kannte.

Bedeutet das im Klartext: So sehr hinter her, nach oben zu kommen wie Ihr Bruder, sind Sie nicht?

Ich weiß, dass man erst viel, viel leisten muss. Man muss auch Spaß daran haben, was man macht. So wie der Trainer von Wildeshausen (Marcel Bragula, Anm. d. Red.), der jetzt zu Atlas – eine der besten Möglichkeiten in der Region – nein gesagt hat, weil er sich dort etwas aufgebaut hat. Ich bin einfach froh darüber, was ich erreicht habe. Ich schätze mich nicht so ein, dass ich in vier Jahren 500 andere Trainer übersprungen haben muss und der Platz in der 3. Liga gehört mir. Ich bin gerade mal im vierten Jahr als Trainer. Ich bin froh, Trainer dieser Mannschaft zu sein.

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