14. September 2018 / 15:30 Uhr

Fanclub kritisiert Bundesligist: RB Leipzig will so „unpolitisch“ wie möglich bleiben

Fanclub kritisiert Bundesligist: RB Leipzig will so „unpolitisch“ wie möglich bleiben

Anne Grimm
Die Fans von RB Leipzig teilen die unpolitische Haltung des Clubs nicht.
Die Fans von RB Leipzig teilen die unpolitische Haltung des Clubs nicht. © GEPA Pictures
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In der Stadionordnung von RB Leipzig sind Verbote gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit verankert. Wenn es aber darum geht, an politischen Diskussionen teilzunehmen oder sich klar zu positionieren, hält sich der Verein lieber zurück.

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Leipzig. Als Ralf Rangnick in dieser Woche nach der Wahl seines neuen und alten Kapitäns Willi Orban gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, dass der Anführer der Mannschaft eine Binde in Regenbogenfarben aufs Feld trägt, antwortete der Trainer von RB Leipzig: „Grundsätzlich muss man im Fußball schon schauen, dass man sich nicht vor jeden Karren spannen lässt.“

"Politik hat im Stadion nichts zu suchen?"

Die Regenbogenfarben bedeuten das Einstehen für Toleranz und Vielfalt. So werden zum Beispiel beim VfL Wolfsburg in dieser Saison alle Mannschaftskapitäne, vom Nachwuchs bis zu den Profis, Frauen wie Männer, mit einer bunten Binde am Arm auflaufen. Das Symbol deckt sich mit den Werten der Stadionordnung von RB Leipzig, in der geschrieben steht: „Verboten ist den Besuchern, rassistische, fremdenfeindliche, antisemitische, extremistische, gewaltverherrlichende sowie jegliche Form von politischen Parolen zu äußern oder zu verbreiten … sowie Bevölkerungsgruppen durch Äußerungen, Gesten oder sonstiges Verhalten zu diskriminieren.“

Rangnick bekräftigt: „Die Mannschaft hat eine klare eigene Meinung und setzt sich sozial immer wieder stark ein.“ Spieler wie Lukas Klostermann, Yussuf Poulsen oder Willi Orban nehmen regelmäßig an Charity-Aktionen teil, spenden unter anderem für kranke Kinder oder benachteiligte Familien.

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Wenn es darum geht, politisch Position zu beziehen, bleiben die Verantwortlichen des Vereins aber lieber still. So wie bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Gehört Politik ins Stadion?“ am Donnerstagabend im Theater der Jungen Welt (TdJW). Moderator und Sportjournalist Ronny Blaschke erklärte, der Bundesligist habe die Einladung zur Veranstaltung mit der Begründung „man möchte politische Debatten vermeiden“ abgesagt.

Kein Benefizspiel gegen Babelsberg

Ähnlich formulierte Rangnick seine Position auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hannover 96: „Der Fußball kann grundsätzlich sehr viel zusammenbringen. Auch Themen einen, die sonst schwierig zu vereinen sind. Dazu muss er aber zunächst versuchen, sich selber aus politischen Positionen rauszuhalten und eine unpolitische Rolle einzunehmen.“

Dass nicht alle Fans mit dieser Haltung einverstanden sind, zeigen die „Rasenballisten“. Fanclub-Vertreter Niko Dietze sagte im TDjW: „Bei uns im Stadion wird deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, dass es einen antirassistischen oder antidiskriminierenden Konsens gibt. Grundlegend hat man bei RB Leipzig häufig das Gefühl, sie möchten sich eine ganz weiße Weste anziehen, die von keiner Seite befleckt wird. Man möchte niemandem auf den Schlips treten.“

Dazu passt das vereinbarte Benefizspiel zwischen RB Leipzig und dem SV Babelsberg 03, dass im Frühjahr öffentlich verkündet und für den Sommer geplant, nur wenige Tage später von beiden Seiten offiziell aus „terminlichen und organisatorischen Gründen” abgesagt worden war. Nach Informationen des SPORTBUZZERS war die bundesweit geachtete Kampagne des Regionalligisten, „Nazis raus aus den Stadien” als Slogan für das Spiel, zu politisch für den Bundesligaclub.

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