13. Januar 2018 / 12:04 Uhr

Fans feuern Dynamo auch in Spanien an

Fans feuern Dynamo auch in Spanien an

Jochen Leimert
Die Fans verfolgen das Training im Marbella Football Center.
Die Fans verfolgen das Training im Marbella Football Center. © Jochen Leimert
Anzeige

Große Vereinstreue: Bis zu 40 Anhänger reisen ihren Lieblingen ins Trainingslager in Marbella nach

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Marbella. Wo Dynamo ist, da sind auch seine Fans. Seit es für die Ostdeutschen Reisefreiheit gibt, werden die Schwarz-Gelben überallhin von ihren Anhängern begleitet. Im Trainingslager Marbella trifft man auch in diesem Jahr viele bekannte Gesichter wieder – ob aus Dresden, Ostritz, Berggießhübel, Radeberg, Thallwitz. Altenburg oder Hamburg. Sie hängen beim Training im Football Center oder bei den Spielen ihre Fahnen auf, trinken gemeinsam das eine oder andere Bier und feuern ihre Lieblinge an. In der Spitze bis zu 40 Personen mit schwarz-gelber DNA fanden sich in diesem Jahr im Camp ein.

Lutz Siebeneichler aus Thallwitz ist seit 1977 SGD-Fan. Infiziert mit dem Dynamo-Virus wurde er vor mehr als 40 Jahren beim Europacup-Spiel gegen den FC Zürich. Die Dresdner gewannen damals zu Hause mit 3:2, schieden aber wegen der Auswärtstorregel aus. Was der Begeisterung Siebeneichlers jedoch keinen Abbruch tat. Seither ist der heute 55-Jährige dem Verein eng verbunden – auch wenn die „Thallwitzer“ kein eingetragener und nur ein kleiner Fanclub sind. Sechs Personen fahren regelmäßig zu den Spielen. Er selbst reiste 2013 das erste Mal mit ins Trainingslager, damals noch in die Türkei. „Da haben wir die ganzen anderen Experten kennen gelernt. Und seither treffen wir uns immer wieder – auch im Trainingslager“, erzählt der Dachdecker. Er mag besonders Andreas Lambertz: „Es ist schön, dass sich so eine Legende noch einmal für uns reinhängt.“ Auf Siebeneichlers Trikot steht aber nicht „Lumpi“: „Da habe ich den Zwölften Mann drauf.“

JETZT Durchklicken!

Lutz Siebeneichler (55) ist einer von den Thallwitzern. Zur Galerie
Lutz Siebeneichler (55) ist einer von den Thallwitzern. © Jochen Leimert
Anzeige

Eine feste Größe in der Fanszene ist auch Lutz Teichmann. Er ist so etwas wie der Sprecher der „Jokers“ aus Radeberg. Der Kraftfahrer ist mit fünf anderen Radebergern nach Andalusien gereist, wohnt wieder im Hotel „Pyr“. Die Unterkunft habe sich bewährt: „Da waren wir die letzten Jahre schon.“ Diesmal sei es aber etwas laut: „Wir haben eine Amateurmannschaft aus Holland da, die haben mächtig gefeiert.“ Der 46-Jährige hat auch gern mit seinen Freunden Spaß, doch etwas Kultur im Dynamo-Urlaub müsse auch sein: „Dieses Mal waren wir in Cadiz, hatten einen sehr schönen Tag. Das ist eine tolle Stadt mit einer sehr schönen Kathedrale.“

Seine Lebensgefährtin fährt trotzdem nicht mehr mit: „Sie war in der Türkei mal mit dabei, aber das wurde ihr dann zu stressig. All die Fahrerei, das Training – und dann müssen wir ja auch noch feiern“, lacht der 46-Jährige, ein stämmiger und freundlicher Zeitgenosse mit Kurzhaarfrisur und Brille. Immer hat er seine Kamera dabei, um alles zu dokumentieren. Auf Facebook ist er sehr aktiv. „Das alles etwas aufzuarbeiten, das kostet auch Zeit“, stöhnt er. Die Fahrerei aber stört ihn nicht, denn als Trucker ist er es gewohnt, Kilometer zu schrubben. Sein Chef richte es ihm oft ein, dass er Dienstfahrten mit Auswärtsreisen der Mannschaft verbinden kann: „Dafür bin ich ihm sehr dankbar, ohne ihn ginge vieles nicht.“

Mehr zu Dynamo Dresden

Teichmann mag derzeit am liebsten die beiden Linksbeiner Philip Heise und Haris Duljevic. „Dass Heise sich noch reinhängt, obwohl man ihn nicht nach England gelassen hat, finde ich klasse. Duljevic ist die Entdeckung der Hinrunde. Der Mann ist für uns auch Gold wert.“ Ein Standpunkt, denn auch Doreen Hertel aus Berggießhübel teilt: „Er ist mein Lieblingsspieler. Ich habe mir seinen Namen aufs Trikot drucken lassen. Er hat es jetzt auch unterschrieben. Das macht mich glücklich.“ Die 51-Jährige, von Beruf Physiotherapeutin, mag die natürliche Art des neuen Linksaußen, seine stürmische und unberechenbare Spielweise. „Er hat voll eingeschlagen, bleibt hoffentlich noch lange bei uns.“

Roy Kattner (50) hätte auch nichts dagegen. Der Diplom-Kaufmann aus Hamburg, ein Exil-Dresdner, schätzt den Bosnier ebenfalls. „Er ist noch entwicklungsfähig, kann noch mehr, als er bisher zeigt. Ich bin gespannt.“ Kattner ist mit Falko Fehrmann (49) aus der Hansestadt an der Elbmündung angereist. Der Feinmechaniker, der auch auf Marineschiffen Messgeräte einbaut und wartet, ist der Bruder von Doreen Hertel. Er genießt mit der Schwester und den Freunden ebenfalls seit Jahren den Kurzurlaub mit Dynamo: „Es ist doch schön Bekannte wiederzutreffen und sich über Dynamo auszutauschen.“ Toll fanden es Hertel, Kattner und Fehrmann, dass die SGD den Anhängern an einem Abend ein längeres Treffen mit der Mannschaft im Hotel ermöglichte: „Am Anfang war es noch ein bisschen steif, aber Ralf Minge hat das Eis gebrochen. Dann sind wir mit den Spielern richtig gut ins Gespräch gekommen. ,Mingus' hat uns sogar eine Runde spendiert. So etwas macht nicht jeder Verein.“

Sehnsucht nach der Sportgemeinschaft hat auch Veikko Vogt: Der nach Spanien ausgewanderte Elektromeister stammt aus Elbflorenz und hält seinem Verein wacker die Treue. Er hat in Marbella nur eine kurze Anreise, denn der Sachse arbeitet seit sieben Jahren an der Costa del Sol. Er installiert in den Villen rund um die Golfplätze Satelliten-Schüsseln, Alarmanlagen, Poolpumpen, Haus- und Gartenbeleuchtungen sowie Fußbodenheizungen mit deutscher Gründlichkeit. Viele seiner Kunden sind Deutsche oder Engländer, die hier Feriendomizile haben. Zum Testspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:2) brachte Vogt eine große Fahne mit Dynamo-Emblem mit. „Ich komme jedes Mal, wenn Dynamo in der Nähe ist. Ich war schon dabei, als sie das erste Mal in Benahavis trainiert haben“, erzählt er und seine Augen funkeln, als er die Sonnenbrille abnimmt. Auch beim 2:1-Sieg gegen die Bremer Reserve war er wieder da – trotz Dauerregens.

Zum Testspiel gegen den FC Groningen brachte Vogt wie schon gegen Wolfsburg (1:2) und Bremens U23 (2:1) seine große Fahne mit Dynamo-Emblem mit. „Ich komme jedes Mal, wenn Dynamo in der Nähe ist. Ich war schon dabei, als sie das erste Mal in Benahavis trainiert haben“, erzählt er. In Dresden wohnen noch seine Eltern und Schwiegereltern, doch höchstens einmal im Jahr kommt er nach Hause. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Wenn ich Feierabend oder Wochenende habe, bin ich im Urlaub“, feixt er.

Früher wohnte Vogt in Prohlis, fuhr mit Bus und Straßenbahn zum Dynamo-Stadion und stand an der Rennbahn an, wenn es dort Europacup-Karten gab. Die neue Dresdner Arena kennt er allerdings nur aus dem Fernsehen. Die Spiele schaut er in „Richies Sportsbar“ an. Der Handwerker lebt gern in Südspanien, nachdem er nach der Wende einige Jahre in Leipzig und dann in München verbrachte. Nach diversen Urlaubsreisen an die Costa del Sol wagten er und seine Frau 2010 den nächsten Schritt: „Hier ist das Leben entspannter, ruhiger als in Deutschland. Man muss improvisieren, doch das können wir Ossis ja.“ Seinen Lieblingsverein begrüßte Vogt sogar in der deutschsprachigen Zeitung „Surdeutsche“. Er schaltete eine Anzeige mit Dynamo-Logo, fuhr auch zum Flughafen, als die Mannschaft ankam. Kommen die Spieler im nächsten Jahr wieder nach Andalusien, „dann bin auch ich wieder hier“, verspricht er.

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Dresden
Sport aus aller Welt