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FC Hansa: Breiers perfekte Premiere

Sönke Fröbe
3:1 für Hansa! Stürmer Pascal Breier jubelt über sein zweites Tor gegen Rot-Weiß Erfurt. © Lutz Bongarts

Zwei Tore, stehende Ovationen von den Fans, viel Lob vom Trainer und den Mitspielern: Der Ex-Stuttgarter freut sich über einen traumhaften Start in Rostock.

Als Pascal Breier nach 88 Minuten ausgewechselt wurde und vom Rasen in Richtung Bank trabte, erhoben sich die 11700 Zuschauer im Ostseestadion von ihren Sitzen und feierten den neuen Hansa-Stürmer. „Es war ein Supergefühl, als das ganze Stadion aufgestanden ist und gejubelt hat“, sagte der 25-Jährige, der in der Winterpause von Stuttgart II aus der Regionalliga Südwest nach Rostock kam und am Sonnabend erstmals in einem Pflichtspiel für seinen neuen Verein auflief. Es war eine perfekte Premiere: Beim hart erkämpften 3:1 (1:0)-Sieg gegen den FC Rot- Weiß Erfurt erzielte Breier die Hansa-Tore Nummer zwei und drei (71., 84.). Sein Sturmpartner Soufian Benyamina hatte die Rostocker in Führung geschossen (28.).

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„So ein Einstand ist natürlich überragend. Es hätte nicht besser laufen können“, befand Breier, der die Atmosphäre im Ostseestadion sichtbar genoss: „Gerade zu Hause, vor so einem Publikum, will man was zeigen. Dass es mir so gelungen ist, freut mich natürlich sehr.“ Bisher zeigte der frühere Jugendnationalspieler sein Können meist vor deutlich kleinerem Publikum beim VfB Stuttgart II oder davor in Großaspach. „Deshalb freue ich mich umso mehr, bei Hansa Rostock zu sein und diese Atmosphäre aufzusaugen.“

Trainer Pavel Dotchev war am Ende hochzufrieden mit seiner Doppelspitze, denn auch Breiers Nebenmann zeigte eine starke Vorstellung und traf: Nach Zuspiel des überragenden Henning brachte Benyamina die Rostocker in Führung. „So wie sie heute gespielt haben, kann ich mir vorstellen, dass wir dieses Duo häufiger zusammen da vorne sehen werden“, meinte Dotchev und verteilte ein Extra-Lob an den fleißigen Breier: „Super, wie er für die Mannschaft auch nach hinten gearbeitet hat! Die Tore waren die Krönung, damit hat er sich selbst belohnt. Tolle Sache, das freut mich sehr für ihn.“

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Mittelfeldmann Bryan Henning, der Breier und Benyamina je ein Tor auflegte, fand vor allem Breiers zweiten Treffer „überragend“: Technisch perfekt hatte der Ex-Stuttgarter eine scharfe Hereingabe von Henning weiterverarbeitet und den Ball nach einer Drehung abgeklärt zum 3:1 im Erfurter Tor untergebracht. „Genau so einen brauchen wir!“, meinte Henning.

Zuvor hatten die Rostocker das „ganz schwere Spiel“ (Dotchev) gegen den Tabellenletzten dominiert. Nach dem 1:1 durch Razeek (62.) sah es kurz so aus, als könnten die Thüringer nach dem 3:1-Heimsieg gegen Magdeburg fünf Tage zuvor für eine weitere Überraschung sorgen und auch in Rostock einen Punkt mitnehmen. „Das Gegentor darf nicht passieren, da waren wir zu unbekümmert“, urteilte der Hansa-Coach. Doch seine Mannschaft zeigte die richtige Reaktion. „Nach dem 1:1 haben wir uns kurz geschüttelt und dann noch mal eine Schippe draufgelegt“, sagte Innenverteidiger Oliver Hüsing. Dafür zollte nach dem Abpfiff auch der Gästetrainer den Rostockern Respekt. „Hansa hat sich zu einer Spitzenmannschaft entwickelt“, meinte Stefan Emmerling.

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Für diese Trainer war Hansa der Karriereknick

Christian Brand: Der einstige Bundesligaprofi (Werder, Hansa) kam im  Dezember 2015 vom damaligen Viertligisten Regensburg und schlug anfangs gut ein. Doch der Erfolg ließ schnell wieder nach – auch weil es zwischen dem Trainer und Teilen der Mannschaft nicht mehr stimmte. Kurz vor Ende der Saison 2016/17 war für Brand Feierabend in Rostock. Dumm gelaufen für Hansa: Denn wenige Wochen zuvor war Brands Vertrag bis zum 30. Juni  2019 verlängert worden. Der 45-Jährige ist bis heute ohne neuen Job. Brands Nachfolger wurde der aktuelle Hansa-Trainer Pavel Dotchev. © Lutz Bongarts
Frank Pagelsdorf: Er ist der  populärste und erfolgreichste Nachwende-Trainer des FC Hansa. Zwei Mal (1995 und 2007) stieg der Niedersachse mit dem Koggenklub in die Bundesliga auf. Sein erstes Engagement  (1994-97) wurde für den Trainer zum Karriere-Turbo: Er wechselte nach Hamburg und führte den HSV in die Champions League. Im August 2005 heuerte „Pagel“  wieder in Rostock an und schaffte 2006 erneut den Aufstieg in die Bundesliga. Nach seinem Aus bei Hansa (10. November 2008) ging er für ein Jahr zum Al-Nasr Sports Club nach Dubai (bis Februar 2010). Seitdem ist Pagelsdorf vom Trainerkarussell runter. © dpa
Andreas Zachhuber: Der gebürtige Wismarer ging als zweimaliger „Retter“ in die Vereinsgeschichte ein: 1999 schaffte er mit den „Helden von Bochum“ am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Zehn Jahre später meisterte „Zacher“ ein ähnlich aussichtsloses Unterfangen und rettete Hansa erneut – dieses Mal vor dem erstmaligen Absturz in die Drittklassigkeit. Im Februar 2010 setzte Manager Rene Rydlewicz den engagierten Coach vor die Tür – am Ende der Saison stieg Hansa in die 3. Liga ab. Es blieb Zachhubers bislang letztes Engagement als Trainer. Heute ist der 55-Jährige als Event-Manager für die Stadt Rostock tätig. © OZ-Archiv
Thomas Finck: Übernahm 2010 nach der erneuten Entlassung von Andreas Zachhuber das Traineramt. Allerdings nur für vier Spiele, da ihm die nötige Lizenz für eine längerfristige Anstellung fehlte. Derzeit ist der gebürtige Rostocker als Scout für den FC Ingolstadt unterwegs. © OZ-Archiv
Wolfgang Wolf: Der Ex-Bundesligaprofi (Kaiserslautern, Stuttgarter Kickers) und -Trainer (Wolfsburg, Nürnberg) ersetzte im Dezember 2011 Aufstiegstrainer Peter Vollmann. Den sofortigen Abstieg aus der 2. Liga konnte Wolf allerdings nicht verhindern: Im September 2012 wurde er entlassen. Hansa war die (bislang) letzte Trainerstation im Profifußball für den heute 60-Jährigen, der von Mai 2014 bis September 2015 Sportlicher Leiter beim 1. FC Nürnberg war.
Karsten Baumann: In der Bundesliga machte sich der Mann mit dem markanten Kahlkopf als beinharter Verteidiger beim 1. FC Köln und bei Borussia Dortmund einen Namen. Als Trainer  heuerte der gebürtige Oldenburger im Dezember 2014 in Rostock an. Weil auch Baumann keinen konstanten Erfolg an die Küste bringen konnte, musste er schon ein Jahr später wieder gehen. War’s das für ihn schon mit der Trainerkarriere im Profifußball? Einen Verein hat Baumann nach seinem Jahr in Rostock bislang jedenfalls nicht mehr gefunden. Der 48-Jährige leitet derzeit in Neuss das Training mehrerer Fußball-Schulmannschaften. © Oz
Dieter Eilts: Stolz präsentierten die Hansa-Verantwortlichen den Europameister von 1990 im November 2008 als neuen Cheftrainer. Doch die Verpflichtung des „Ostfriesen-Alemao“, der als Spieler mit Werder Bremen Erfolge feierte, erwies sich als großes Missverständnis. Nach 104 Tagen, zehn Spielen und nur einem Sieg musste Eilts im März 2009  seine Koffer packen. 2011 wurde der einstige U21-Nationaltrainer Jugendkoordinator beim VfL Oldenburg, zudem arbeitet er bei Werder Bremen mit Nachwuchskickern. In den Profifußball zieht es Eilts nicht zurück. © Frank Söllner/OZ Archiv
Juri Schlünz: Der Kapitän der Hansa-Meistermannschaft von 1991 sprang mehrfach als Interimstrainer bei den Profis ein. Vom 6. Oktober 2003 bis 14. November 2004 war der gebürtige Ost-Berliner als Nachfolger von Armin Veh Bundesliga-Cheftrainer der Rostocker. Nach einer 0:6-Heimniederlage gegen den HSV trat Schlünz zurück. Ambitionen auf  ein Traineramt hatte das Klub-Idol danach nicht mehr. Heute ist der 56-Jährige Repräsentant einer Gesundheitskasse. © Andy Bünning
Jörg Berger: Der legendäre „Retter“ unterschrieb im November 2004 bei Hansa und sollte den Klub vor dem Abstieg in die 2. Liga bewahren. Diesmal scheiterte der Sachse und stieg mit den Rostockern ab. Nach zwei Spieltagen der neuen Zweitliga-Saison wurde der „Feuerwehrmann“ am 12. August 2005 entlassen. 2009 folgte noch ein einwöchiges (!) Engagement bei Bundesligist Arminia Bielefeld.  2010 verstarb der renommierte Coach, der in seiner Karriere acht Bundesliga-Vereine trainierte, im Alter von 65 Jahren. © Alex Becher/OZ Archiv
Marc Fascher: Sein Name ist verbunden mit einem der großen Tiefpunkte in der Hansa-Geschichte: der 0:3-Blamage im Landespokalfinale 2013 gegen Viertligist Neustrelitz. Es war das letzte Spiel des Hamburgers, der im September 2012 bei Hansa  angeheuert hatte. Nach dem Aus in Rostock  blieben seine Erfolge überschaubar. Nach Stationen bei Viertligist Rot-Weiß Essen und als Co-Trainer in Kuwait wurde Fascher Ende Oktober 2017 nach nur 13 Spielen bei Drittligist Sportfreunde Lotte beurlaubt. © Andy Bünning
Andreas Bergmann: Mit Beginn der Saison 2013/14 sollte der Kurzzeit-Chefcoach von Hannover 96 (August 2009 bis  Januar 2010) die Kogge wieder auf Kurs bringen. Nach einer guten Hinserie (Platz vier zur Winterpause hinter Heidenheim, RB Leipzig und Darmstadt 98) ging es in der zweiten Saisonhälfte bergab.  Nach dem blamablen Landespokal-Aus gegen Neubrandenburg musste Bergmann am 2. April 2014 seinen Stuhl räumen. Einen Trainerjob hat Bergmann seitdem im Profifußball nicht mehr gefunden. © dpa
Dirk Lottner: Der frühere Kapitän des 1. FC Köln stieg am Ende der Saison 2013/14 völlig überraschend als Interimstrainer bei Hansa ein. Obwohl er von seinen vier Spielen nur eins verlor (fünf Punkte), ging es für Lottner nicht weiter in Rostock. Immerhin: Heute ist der 45-jährige „kölsche Jung“ als Trainer bei Viertligist 1. FC Saarbrücken erfolgreich. © Andy Bünning/OZ Archiv
Marco Kostmann: Der einzige Torwartrainer, der bei Hansa zum Chefcoach aufstieg. Der Sohn des einstigen FCH-Torjägers Gerd „Goldköpfchen“ Kostmann (76) übernahm am 16. März 2010 die Verantwortung für die Profis. Nach dem erstmaligen Abstieg in die 3. Liga musste Kostmann junior im Mai 2010 gehen. Heute ist der 51-Jährige Torwarttrainer bei Zweitligist Arminia Bielefeld. © Dietmar Lilienthal/OZ Archiv
Uwe Reinders: Er kam im Juli 1990 als erster West-Trainer zu Hansa und legte mit dem Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal 1991 und dem damit verbundenen Aufstieg in die Bundesliga die Basis für eine lange Erfolgsära des Vereins. Nach seiner Entlassung am 6. März 1992 konnte der Ex-Bremer (heute 62) nicht mehr dauerhaft erfolgreich im Profibereich Fuß fassen. © Dpa

Im Auswärtsspiel gegen Aufsteiger SV Meppen wollen die Rostocker am Sonnabend nachlegen. Pascal Breier hielt den Ball nach seinem Traumeinstand aber erst mal flach: „Das war heute nur ein Spiel, aber ich will diese Leistung in den nächsten Wochen bestätigen.“

Hansa: Blaswich – Rankovic, Hüsing, Riedel, Holthaus – Hilßner, Bischoff (74. Wannenwetsch), Henning, Scherff (60. Quiring) – Benyamina, Breier (88. Alibaz).
Erfurt: Klewin – Neuhold, Möckel, Sarr (69. Lauberbach) – Bergmann – Odak, Biankadi, Brückner (55. Razeek), Kurz (55. Rüdiger) – Kammlott, Huth.
Tore: 1:0 Benyamina (28.), 1:1 Razeek (62.), 2:1 Breier (71.), 3:1 Breier (84.).
Schiedsrichter: Siewer (Drolshagen).
Zuschauer: 11700.

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