21. Juni 2018 / 10:48 Uhr

FC-Magdeburg-Coach Jens Härtel gilt als stiller Genießer

FC-Magdeburg-Coach Jens Härtel gilt als stiller Genießer

Christian Dittmar
Nachdenkliche Miene bei Magdeburgs Coach Jens Härtel: Gegen den FSV Mainz 05 lässt sein Team wichtige Punkte liegen. 
Nachdenkliche Miene bei Magdeburgs Coach Jens Härtel: Gegen den FSV Mainz 05 lässt sein Team wichtige Punkte liegen.  © dpa
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Der Rochlitzer Jens Härtel hat den 1. FC Magdeburg aus der vierten in die zweite Spielklasse geführt, doch feierte die Erfolge seiner Mannschaft nie ausgelassen, sondern dachte erst immer ans nächste Spiel.

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Magdeburg. Es war der ultimative Ritterschlag. „Heinz, wir haben da jemanden in Magdeburg auf dem Stuhl sitzen, auf den du dich verlassen kannst – wir grüßen dich aus der zweiten Division“, stand auf einem Banner, das die Ultras des 1. FC Magdeburg nach dem Spiel gegen den Chemnitzer FC Anfang Mai entrollten. Gemeint war Heinz Krügel, Magdeburger Jahrhunderttrainer, der den FCM zu drei DDR-Meisterschaften, zwei FDGB-Pokalsiegen und 1974 zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger geführt hatte. Und offensichtlich Jens Härtel, aktueller Coach der Blau-Weißen.

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An Krügel, der 2008 verstarb, mussten sich nach dessen politisch motivierter Absetzung 1976 alle Magdeburger Übungsleiter messen. Und keiner hielt den Anforderungen letztlich stand. Härtel, seit Juli 2014 im Amt, könnte nun zumindest in die Nähe dessen kommen. Wenn der gebürtige Rochlitzer noch bis kommenden November am Ruder bleibt, überholt er mit Dirk Heyne eine andere Vereinslegende und wird dann der am längsten amtierende FCM-Coach seit der Wiedervereinigung. Schon jetzt hat er Heyne den Aufstieg in die 2. Bundesliga voraus, an der jener 2007 noch unter dramatischen Umständen scheiterte.

Dass Härtel und der 1. FC Magdeburg mal eine solche Liebesbeziehung werden sollte, war 2014 noch so undenkbar wie ein FCM-Punktspielduell gegen den HSV. Mit dem Ziel Aufstieg in die 3. Liga gestartet stand der heute 48-Jährige nach einer Heimpleite gegen die TSG Neustrelitz bereits im Oktober wieder vor der Ablösung. „Härtel raus“-Rufe hallten damals durch die gähnend leere MDCC-Arena. Doch der frühere Profi von Lok und Sachsen sowie Nachwuchstrainer von RB Leipzig schaffte noch die Wende und feierte 2015 mit dem Drittliga-Aufstieg den ersten großen Erfolg in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt. Danach sollte der „Club“ noch zweimal knapp am erneuten Aufstieg scheitern, bevor es in dieser Saison endlich damit klappte.

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Fans ließen Härtel hoch leben

Aber noch aus einem weiteren Grund ist die aktuelle Entwicklung mehr als ungewöhnlich: Härtels Charakter. Der Familienmensch, der viel Kraft aus seinem christlichen Glauben zieht, gilt als extrem introvertiert. Erfolge feierte er bis zuletzt nie ausgelassen, immer dachte er schon ans nächste Spiel, auch von allzu viel Fannähe hielt er nichts. Der Wendepunkt kam mit dem Sieg bei Wehen Wiesbaden Mitte April, mit dem der FCM den Aufstieg so gut wie klar machte. Härtel ging danach erstmals in die Kurve zu den mitgereisten Anhängern und ließ sich mit „Jens Härtel“-Sprechchören feiern.

Danach wirkte der oft missmutig dreinschauende Coach wie gelöst und lächelte bei den folgenden Matches so viel wie nie zuvor. Der Gewinn der Drittliga-Meisterschaft und die Aufstellung eines neuen Siegrekords in dieser Klasse trugen in der Folge ihr Übriges dazu bei. Fast folgerichtig wurde der frühere beinharte Verteidiger als bester Trainer der aktuellen Drittliga-Saison ausgezeichnet. „Ich spüre Dankbarkeit für die Anerkennung unserer Leistungen“, sagte Härtel dazu.

Wie geht es jetzt weiter? In der 2. Liga werden die Magdeburger finanziell nur ein kleines Licht sein. Härtel muss zusammen mit Geschäftsführer Mario Kallnik wieder preiswerte Talente finden, die noch unter dem Radar kicken. Bei Michel Niemeyer, der 2015 aus der U19 von RB an die Elbe wechselte, ist das zum Beispiel gelungen. Der 22-Jährige stieg in Magdeburg zu einem der besten Linksaußen der Liga auf. Weitere Wechsel aus Härtels ehemaligem Nachwuchs-Team gab es bisher nicht, auch wenn sich der Coach vor einem Jahr im Gespräch mit der LVZ noch wohlwollend dazu geäußert hatte.

Der Aufstieg des 1. FC Magdeburg

Dennoch soll das Unterhaus nicht das Ende der Fahnenstange für die „Größten der Welt“ sein, wie die FCM-Fans sich und den Verein bezeichnen. Jahn Regensburg etwa wäre in dieser Spielzeit auch fast durchmarschiert. Und wer weiß, vielleicht trifft Härtel irgendwann in der Bundesliga erstmals auf seinen Ex-Club und kann den RB-Offiziellen dann zeigen, dass er nicht nur ein guter Nachwuchscoach ist.

Mit einem Laktattest begannen am Mittwoch die FCM-Profis die Saisonvorbereitung. Mit dabei waren dann auch die bislang unter Vertrag genommenen acht Neuzugänge, von denen Aleksandar Ignjovski vom SC Freiburg, Manfred Osei Kwado, Joel Abu Hanna aus Kaiserslautern und Torhüter Jasmin Fejzic aus Braunschweig herausragen.

Der 1. FC Magdeburg ist in die Saisonvorbereitung 2018/2019 gestartet. Auf den Laktattest 🌡 folgte die erste...

Gepostet von 1. FC Magdeburg am Mittwoch, 20. Juni 2018
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