Der ehemalige FIFA-Chefermittler Michael Garcia und FIFA-Präsident Gianni Infantino Der ehemalige FIFA-Chefermittler Michael Garcia und FIFA-Präsident Gianni Infantino ©
Der ehemalige FIFA-Chefermittler Michael Garcia und FIFA-Präsident Gianni Infantino

FIFA-Skandal um WM-Vergabe: Das steht im Garcia-Report

Rund zweieinhalb Jahre nach dem Rücktritt von FIFA-Chefermittler Michael Garcia geraten die kommenden WM-Gastgeber Russland und Katar unter Druck. Der Weltverband hat seinen Report in voller Länge veröffentlicht. Der SPORTBUZZER sagt euch, was drin steht.

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Neue Diskussion um die WM-Vergabe an Russland und Katar!

Die FIFA hat nach mehr als zweieinhalb Jahren den vollständigen Untersuchungsbericht zu der skandalumwitterten Doppelvergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 veröffentlicht. Der SPORTBUZZER hat die Ergebnisse des sogenannten Garcia-Reports für euch zusammengefasst:

Michael Garcia Der damalige FIFA-Chefermittler Michael Garcia © Walter Bieri

Wurden die Abstimmungen zu den WM-Vergaben nach Russland und Katar manipuliert?

In dem Papier wird über Verfehlungen von Wahlmännern des Weltverbands rund um die skandalumwitterte WM-Doppelvergabe im Dezember 2010 berichtet!

Demnach ist unter anderem festgehalten, dass drei stimmberechtigte FIFA-Exekutivmitglieder vor der Abstimmung auf Kosten des katarischen Fußballverbandes in einem Privatflieger nach Rio de Janeiro flogen.

Russlands Präsident Vladimir Putin soll sich im Vorfeld der WM-Vergabe fünfmal mit FIFA-Funktionären getroffen haben. Darunter Jack Warner, Chuck Blazer, Mohamed bin Hammam und Chung Mong-joon. Was Putin mit ihnen besprach, ist nicht bekannt. Sicher ist nur: Alle Vier gelten als umstrittenste Strippenziehern im Weltfußball - sind heute allesamt gesperrt.

Zudem ist von einer Zahlung von zwei Millionen Dollar auf das Konto einer damals 10-jährigen Tochter eines FIFA-Funktionärs die Rede. Darüber hinaus habe ein ehemaliges Exekutivmitglied Katar-Funktionären unmittelbar nach der Wahl zur WM gratuliert und sich per Mail für die Überweisung von mehreren Hunderttausend Euro bedankt. Zweck und Verwendung der Überweisung sind ungeklärt.

Im Video: Ex-FIFA-Chef Sepp Blatter verkündet die Ausrichter der WM 2018 und 2022:

Müssen Russland und Katar nun mit Konsequenzen rechnen?

Eher nicht!

Für die FIFA ist die WM-Vergabe ad acta gelegt. Der Blick geht jetzt aber Richtung Bern, wo die Schweizer Bundesanwaltschaft weiter ermittelt - unter anderem wegen des Verdachts auf Geldwäsche, und das mit juristisch besseren Möglichkeiten als Garcia sie hatte. Das Problem: Die Untersuchung braucht viel Zeit. Mehrere Terabyte Daten sind zu bewerten. Bis die Ermittler verwertbare Ergebnisse haben, ist zumindest der nächste Weltmeister am 15. Juli 2018 im Moskauer Luschniki-Stadion wohl schon lange gekürt.

Kommentar: Nehmt Katar endlich die WM weg!

Die umstrittenen WM-Gastgeber können sich daher als Sieger fühlen. Der Bericht ist quasi ein Freispruch zweiter Klasse, aber eben dennoch ein Freispruch. Die FIFA hat praktisch keine Handhabe mehr gegen die Turnierausrichter, denn ihr ehemaliger Chefermittler konnte keine Beweise für eine gezielte Einflussnahme auf das Wahlverhalten der FIFA-Funktionäre finden. Dieses Urteil klingt für den normalen Fußballfan dennoch befremdlich. Gerade im Fall Katar, wo auch von Garcia Millionenzahlungen dokumentiert wurden - wenn diese auch nicht den WM-Machern direkt zuzuordnen sind.

WM 2022 Katar - Das wurde aus den FIFA-Offiziellen

Welche Rolle spielt Franz Beckenbauer in den FIFA-Ermittlungen?

Das Verhalten von Deutschlands einstiger Fußball-Lichtgestalt wird im Bericht über mehrere Seiten genau seziert und Garcia findet klare Worte. Mangelnde Kooperation bei der Befragung mit scheinheilig klingenden Ausreden sind ein Thema. Dafür wurde Beckenbauer 2014 während der WM mit einer 90-Tage-Sperre belegt. Dann lieferte er die geforderten Antworten. Da er sich im Frageprozess nicht an die Regeln hielt, folgte noch eine Geldstrafe von 7000 Euro.

Pikant ist auch die Rolle des Kaisers im Zusammenhang mit der australischen Bewerbung. Ein Interessenkonflikt liegt vor aufgrund der engen Beziehung zu seinem Freund und Berater Fedor Radmann - dem Strippenzieher für die Kandidatur aus Down Under. Eine Reaktion von Beckenbauer auf die Veröffentlichung des Reports steht noch aus.

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Warum veröffentlicht die FIFA den Report gerade jetzt?

"Im Sinne der Transparenz begrüßt die FIFA die Nachricht, dass der Report jetzt endlich veröffentlicht wurde", erklärte der Verband in einer Mitteilung auf fifa.com.

FIFA-Chef Gianni Infantino gibt sich wieder als großer Reformer und Aufklärer. Er habe die Veröffentlichung schon lange gewollt - die Ethikkommission um den mittlerweile abgelösten deutschen Richter Hans-Joachim Eckert habe dies verhindert. So die FIFA-Erklärung. Fakt bleibt: Ohne die von Mr. X an die Bild-Zeitung durchgestochenen Informationen wäre der Bericht noch nicht publik. Infantino hat die Chance aber erkannt. Denn nun scheint das Thema WM-Bestechung erstmal erledigt. Er kann den Confed Cup in Russland als perfekte Generalprobe feiern. Und die Aufregung um den Garcia-Bericht hat auch die Doping-Gerüchte um den russischen Fußball zumindest vorerst in den Hintergrund gedrängt.

Gianni Infantino ist der Präsident der FIFA. Gianni Infantino ist der Präsident der FIFA. © Esteban Felix

Was macht Chefermittler Michael Garcia heute?

Garcia war im November 2014 als Vorsitzender der ermittelnden Kammer der FIFA-Ethikkommission zurückgetreten, nachdem die damalige FIFA-Spitze um Präsident Joseph Blatter entschieden hatte, den Bericht nicht zu veröffentlichen. Seit Anfang 2016 arbeitet der 55-Jährige US-Amerikaner als Richter am Berufungsgericht in seiner Wahlheimat New York.

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