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Frank Pagelsdorf wird 60

Frank Pagelsdorf: „Ich nehme mich nicht mehr so wichtig“

Als Trainer führte Frank Pagelsdorf Hansa Rostock zwei Mal in die Bundesliga und den HSV in die Champions League – in Florida feiert er am Montag seinen 60. Geburtstag

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Seine letzte Amtshandlung im deutschen Profifußball dauerte exakt 37 Sekunden. Fast ein Jahrzehnt ist es her, dass Frank Pagelsdorf am 10. November 2008 im Presseraum des Ostseestadions in knappen Sätzen seinen Rauswurf beim damaligen Zweitligisten Hansa Rostock selbst verkündete. Im Jahr darauf folgte noch ein kurzes Engagement in Dubai, doch seit 2010 ist es ruhig geworden um den einstigen Bundesliga-Trainer, der Hansa (1995 und 2007) zwei Mal ins Oberhaus und den Hamburger SV (2000) sogar in die Champions League führte. Am Montag wird Pagelsdorf 60 Jahre alt. Gefeiert wird, weit weg von seiner Wahlheimat Hamburg, im sonnigen Florida.

Der deutsche Fußball scheint den einstigen Erfolgscoach vergessen zu haben. Zehn Jahre nach seinem Aus in Rostock spielt Pagelsdorf keine Rolle mehr, wenn bei den 56 Profiklubs die Trainerstühle mal wieder neu besetzt werden. Allenfalls als Experte ist Pagelsdorf immer mal wieder gefragt; vor allem wenn es darum geht, den aktuellen Zustand des Hamburger SV zu bewerten. „Die Zusammenstellung der Mannschaft in den vergangenen Jahren war verkehrt. Es gibt kaum Spieler beim HSV, die sich weiterentwickelt haben“, urteilte der Fußballlehrer jüngst gegenüber dem Internetportal „Sport1“. Dem neuen Trainer Bernd Hollerbach – ihn kennt „Pagel“ noch aus seiner eigenen HSV-Zeit – traut er aber zu, den Bundesliga-Dino weiter am Leben zu halten: „Er war immer ein vorbildlicher Profi, mit dem nötigen Biss. Es ist bestimmt kein Nachteil, einen Bezug zum HSV zu haben.“

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Zu dem Hamburger Traditionsklub hat Pagelsdorf eine besondere Beziehung, seine Karriere als Trainer im Profifußball begann er aber 1994 in Rostock: Er führte Hansa in die Bundesliga und schaffte zwei Mal den Klassenerhalt, bevor der damalige HSV-Präsident Uwe Seeler den Trainer-Aufsteiger 1997 aus Mecklenburg-Vorpommern zum großen Nachbarn HSV holte. Bis September 2001 blieb Pagelsdorf und ist damit bis heute der HSV-Trainer mit der längsten Amtszeit seit dem legendären Österreicher Ernst Happel (1981-87). Etwa 4,2 Millionen D-Mark (rund 2,15 Millionen Euro) soll Pagelsdorf, dessen Vertrag bis 2004 galt, nach seinem vorzeitigen Aus als Abfindung kassiert haben.

Die Rückkehr zu Hansa Rostock

Vier Jahre später heuerte Pagelsdorf erneut auf der Kogge an. Eingefädelt wurde die spektakuläre Rückkehr von seinem Freund und Hansa-Aufsichtsratsvize Wolfgang Holz († 2007). „Er ist zwar kein Messias, aber er ist ein Fußball-Bekloppter, der schon morgens mit der Zahnbürste in der Hand an seinen Job denkt“, sagte der Groß-Gastronom damals.

Pagelsdorf hatte wieder Erfolg und nutzte nach dem Aufstieg 2007 seine starke Position aus, um den ungeliebten Manager Stefan Studer loszuwerden. Er habe „Alleinherrscher im Verein“ werden wollen, erinnert sich der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Horst Klinkmann: „Pagelsdorf hat uns das Ultimatum gestellt: Wir sollen Studer rauswerfen oder er würde gehen.“ Der machtbewusste Coach setzte sich durch, musste aber ein halbes Jahr nach dem Bundesligaabstieg 2008 selbst seinen Platz räumen.

Eine Rückkehr in den Fußball hat er nach seiner Entlassung in Dubai im Februar 2010 nach eigenem Bekunden nicht angestrebt. Wegen seiner Kinder habe er „eine Auszeit genommen“, sagte Pagelsdorf kürzlich dem SPORTBUZZER, schließt aber ein Comeback mittlerweile nicht mehr aus. „Meine Kinder haben zu mir gesagt, ich soll wieder was machen. Jetzt bin ich sozusagen wieder frei“, so der einstige Küsten-Buddha, der heute körperlich deutlich fitter ist als zu seinen schwergewichtigen Rostocker Zeiten. Er gehe ins Fitnessstudio und spielt vor allem Tennis – beim Hamburger Club SC Condor in der Herren 55 (Oberliga).

Eine Interview-Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG zu seinem runden Geburtstag hatte der frühere Hansa-Kulttrainer, der in Warnemünde die nach seiner Mutter benannte „Villa Helga“ besitzt, zunächst zugesagt, machte dann aber wenige Tage später einen Rückzieher: „Da ich mich selbst nicht mehr so wichtig nehme, verzichte ich darauf.“

Am Montag wird Frank Pagelsdorf 60. In seiner Trainerkarriere betreute er unter anderem den FC Hansa Rostock und den Hamburger SV.

Region/Mecklenburg Vorpommern F.C. Hansa Rostock (Herren) F.C. Hansa Rostock 3. Liga

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