Frankreich-Experte und Sochaux-Cheftrainer Peter Zeidler spricht im Interview unter anderem über Bayern-Star Franck Ribéry. Frankreich-Experte und Sochaux-Cheftrainer Peter Zeidler spricht im Interview unter anderem über Bayern-Star Franck Ribéry. © Imago-Montage
Frankreich-Experte und Sochaux-Cheftrainer Peter Zeidler spricht im Interview unter anderem über Bayern-Star Franck Ribéry.

Frankreich-Experte Zeidler: So denken die Franzosen wirklich über Ribéry

Vor dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Paris Saint-Germain spricht mit Peter Zeidler der einzige deutsche Profitrainer in Frankreich über das Nachwuchs-Wunderland, die beiden nächsten Supertalente á la Kylian Mbappé sowie über das Rüpel-Image Franck Ribérys in seiner Heimat.

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Peter Zeidler ist der einzige deutsche Profitrainer in Frankreich.

Der studierte Französisch-Lehrer arbeitet als Chefcoach des FC Sochaux-Montbéliard und Fußball-Experte im französischen TV. Vor dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Paris Saint-Germain spricht er mit dem SPORTBUZZER über das Nachwuchs-Wunderland Frankreich, die beiden nächsten Talente á la Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé und das Rüpel-Image von Franck Ribéry in seiner Heimat.

Herr Zeidler, die großen, internationalen Supertalente wie Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé kommen fast alle aus Frankreich. Warum ist der französische Nachwuchs so gut?
Peter Zeidler (55):
Drei Faktoren spielen da zusammen: Die sehr gute, streng strukturierte französische Ausbildung, die sogenannte „de formacion“. In Frankreich wird vor allem im Nachwuchs Detailarbeit geleistet, ganz nach dem Motto: Heute ist Kapitel eins „das Verhalten bei Flanken“ dran, morgen dann Kapitel zwei „der Innenseitenstoß“. Zudem gibt es in Frankreich unendlich viele talentierte Jungs, die im Fußball die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs sehen.

Was genau meinen Sie damit?

Die Hälfte bis zwei Drittel aller französischen Talente aus den Nachwuchszentren in ganz Frankreich stammen aus dem Großraum Paris. Spieler wie Kylian Mbappé oder Paul Pogba werden in den Banlieues, den sozial schwachen Gegenden von Paris, gesichtet und rekrutiert. Diese Jungs sind richtig hungrig.

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Was ist der dritte wichtige Grund für das Nachwuchs-Wunderland Frankreich?

Es geht genau um diese Jungs, die Supertalente aus den Banlieues. Die meisten haben afrikanische Wurzeln und verfügen genetisch bedingt über wahnsinnige Fähigkeiten in der Athletik und Schnelligkeit. Förderung, Hoffnung, Voraussetzung. Das alles macht sie aus und zu besseren Fußballern als viele andere. Es ist die perfekte Mischung.

Kingsley Coman, Dan-Axel Zagadou, Dayot Upamecano und viele weitere französische Talente spielen in der Bundesliga. Warum kommen die Supertalente gerade nach Deutschland?

Früher war es unter französischen Talenten verpönt, in die Bundesliga zu wechseln.

Wie bitte?

Die alten Klischees über die Deutschen waren in ihren Köpfen fest verankert: Deutsche können nicht feiern, Autofahrer halten an, wenn man über den Zebrastreifen will, alles ist strukturiert - und es ist so kalt. Heute aber schätzen die Franzosen, was in der Bundesliga abgeht. Die Spieler wissen seit der WM 2006, wer wir wirklich sind. Die Premier League ist für Franzosen längst nicht mehr das alleinige Fußballer-El Dorado.

Sie kennen die französischen Ligen in- und auswendig. Geben Sie den Bundesligavereinen doch mal einen Tipp: Wo spielen die nächsten Mbappés und Dembélés?

Die beiden aktuell größten französischen Talente sind Houssem Aouar und Tanguy NDombélè. Aouar ist erst 19 Jahre alt, aber schon das Herz des Mittelfelds von Olympique Lyon. Und auch NDombélè spielt im Mittelfeld für Lyon. Zwei absolute Ausnahmetalente vom zweitbesten französischen Fußballverein.

Gehören zu Frankreichs größten Talenten: Houssem Aouar (l.) und Tanguy NDombèlé. Gehören zu Frankreichs größten Talenten: Houssem Aouar (l.) und Tanguy NDombèlé. © imago

Kommen wir zu den Besten der Besten: Der FC Bayern München empfängt in der Champions League heute Abend Paris Saint-Germain. Wer gewinnt die Partie?

Paris wird verlieren. Gegen Straßburg gab es für PSG am Wochenende die erste Saisonniederlage. Neymar hat es gefröstelt, in München wird es auch kalt sein ... Edinson Cavani, Thiago Silva und einige andere wurden zwar geschont, aber Paris ist in der Champions League schon durch. Da ist die Luft vorerst raus.

Der berühmteste Franzose der Bundesliga ist immer noch Franck Ribéry, ein Idol des FC Bayern. Welchen Ruf hat er in Frankreich?

Franck Ribéry gehört zu der damaligen französischen Nationalmannschaft, die mit dem Busstreik bei der WM 2010 den Ärger einer ganzen Nation auf sich zog. Viele Franzosen haben ihm das noch nicht ganz verziehen.

Ribéry ist in Frankreich komplett in Ungnade gefallen?

Bitte nicht falsch verstehen: Früher haben die Franzosen ihren Franck Ribéry geliebt. Den kleinen Jungen aus Boulogne, der seinen Weg von unten nach oben fand. Doch diesen Ruf hat er bei vielen französischen Fußballfans und in Fußballerkreisen eingebüßt. Aber ich bin weiter Fan von ihm.

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