18. Mai 2018 / 06:00 Uhr

Fredi Bobic im Interview - Spitze gegen Bayern: "War ein persönlicher Angriff"

Fredi Bobic im Interview - Spitze gegen Bayern: "War ein persönlicher Angriff"

Jonas Freier
Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic spricht exklusiv mit dem SPORTBUZZER vor dem Pokalfinale gegen den FC Bayern München über sein Verhältnis zum FC Bayern und den Wechsel von Frankfurts Trainer Niko Kovac zum Rekordmeister.
Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic spricht exklusiv mit dem SPORTBUZZER vor dem Pokalfinale gegen den FC Bayern München über sein Verhältnis zum FC Bayern und den Wechsel von Frankfurts Trainer Niko Kovac zum Rekordmeister. © Getty
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Frankfurt-Sportvorstand Fredi Bobic exklusiv im SPORTBUZZER-Interview. Bei uns spricht der Europameister von 1996 über sein Verhältnis zum FC Bayern München und die Chancen von Eintracht Frankfurt im Finale des DFB-Pokals.

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Das DFB-Pokal-Finale am Samstag zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt (20 Uhr - hier im Liveticker) hat eine Vorgeschichte: Denn Frankfurts Trainer Niko Kovac kann seinem Bald-Klub FC Bayern das Double verderben. Der Wechsel von Kovac zu den Bayern lief nicht astrein, fand zudem Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Der 46-Jährige nannte die Umstände „unprofessionell und respektlos“. Er sah Dinge, die er „so unter Kollegen in der Bundesliga noch nicht erlebt habe“. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt Bobic, warum er bei seiner Meinung bleibt – und was er vom Finale erwartet.

Herr Bobic, Anfang März haben Sie auf die Frage, ob Kovac von Bayern gejagt wird, geantwortet: „Das wäre mir neu.“ Jetzt wird er Bayern-Coach.

Am Ende kann ich es ja nachvollziehen, dass sich die Bayern für Niko entschieden haben, wenn man sieht, welche Leute abgesagt haben.

Für den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Kovac-Wechsels haben Sie die Bayern aber hart kritisiert.

Zu dieser Kritik stehe ich, mit Sicherheit.

Die Bayern haben Kontra gegeben, Karl-Heinz Rummenigge sagte ein paar Tage später, man habe Sie zur „Räson“ gebracht. Nervt Sie das?

Mein Standpunkt war kein persönlicher, sondern der Standpunkt von Eintracht Frankfurt. Ich glaube, wir haben in der Situation richtig gehandelt. Ich habe nur angesprochen, wie man unter Vereinen miteinander umgehen sollte. Das von Bayern war dann ein persönlicher Angriff. Aber damit ist es auch gut. Jeder Fußballfan kann das einschätzen.

Haben Sie Karl-Heinz Rummenigge seitdem wieder getroffen?

Ja, zuletzt in München beim Spiel.

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"Wenn du am letzten Spieltag aus den Europa-Rängen fliegst, kannst du natürlich enttäuscht sein"

Haben Sie geredet?

Wir müssen nicht reden. Wir haben uns die Hand gegeben, es war ein normales Bundesliga-Spiel. Es war nichts mehr groß nachzubesprechen.

Bayern kann Frankfurt jetzt zweimal den Europatraum kaputt machen. Erst durch das 1:4 gegen Stuttgart, dann im Pokalfinale. Sind Sie wieder sauer auf die Bayern?

Man könnte jetzt irgendwo hintreten, das wäre einfach. Ich habe den Sport so kennengelernt, dass du für das, was passiert, selbst verantwortlich bist. Natürlich ist es unglücklich, wie es gelaufen ist. Trotzdem war die Saison für uns eine sehr, sehr gute. Wir haben lange um die Champions-League-Plätze gekämpft. Es war auf jeden Fall eine Weiterentwicklung unserer Mannschaft und unseres Vereins. Aber wenn du am letzten Spieltag aus den Europa-Rängen fliegst, kannst du natürlich enttäuscht sein.

Die Schwächephase der Eintracht begann gefühlt mit der Bekanntgabe, dass Kovac zur neuen Saison den FC Bayern trainieren wird.

Aus meiner Sicht hat das wenig miteinander zu tun. Ich kenne das Spielchen, aber das mache ich nicht mit. Dass es am Ende nicht gereicht hat, nur mit der Trainerpersonalie zu erklären, ist mir zu oberflächlich.

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"Adi Hütter hat uns mit einer klaren Philosophie überzeugt"

Ist zwischen Ihnen und Niko Kovac durch die Bayern-Geschichte etwas kaputtgegangen?

Nicht ansatzweise. Wir können das gut trennen, unter ehemaligen Fußballern ist das wie früher auf dem Platz. Du gehst vom Platz runter – und dann geht es wieder weiter.

Hat Niko Kovac zuletzt etwas falsch gemacht? Es wurde über zu hartes Training spekuliert?

Da können wir quer durch alle Vereine gehen. Immer, wenn irgendwas nicht läuft, wird nach dem Haar in der Suppe gesucht: Was hat der Trainer falsch gemacht, was haben die Spieler falsch gemacht? Wenn du die ganze Zeit da oben mitschwimmst, ist das auch für die Spieler eine neue Situation. Sie werden daraus lernen.

Hatten Sie zwischendurch mal den Gedanken, auf der Trainerposition noch was zu verändern?

Nicht einmal ansatzweise.

Trauen Sie Kovac zu, Bayern zum Champions-League-Titel zu führen – denn nur darum geht es in München ja?

Das würde ich ihm persönlich natürlich wünschen. Aber er weiß genau, dass er harte Arbeit vor sich hat. Und er ist ein harter Arbeiter – also mache ich mir um ihn keinen Kopf.

Als neuer Trainer kommt der Österreicher Adolf Hütter – ein Überraschungscoup von Ihnen.

Eine Überraschung vielleicht für die Öffentlichkeit. Wir machen unseren Job, betreiben ein umfangreiches Spieler-, aber auch Trainerscouting, um im entscheidenden Moment handlungsfähig zu sein. Adi Hütter hat uns mit einer klaren Philosophie überzeugt. Seine Arbeitsnachweise sind auf jeder Station beachtlich.

War Hannovers André Breitenreiter ein Kandidat auf die Nachfolge von Kovac?

Ich rede über keine Trainer, die noch irgendwo im Amt sind. Das hat auch mit Respekt zu tun. In der heutigen Medienlandschaft ist das nicht so einfach, der eine wird dann vielleicht als Verlierer hingestellt, das ist nicht gerecht.

Ihr Vertrag als Sportvorstand läuft noch ein Jahr. Was planen Sie mit Eintracht Frankfurt? Erst mal am Sonnabend den Pokal gewinnen?

Das wäre schön, eine Riesengeschichte. Ob es realistisch ist, werden wir sehen. Es ist nur ein Spiel, da kann der Spielverlauf komplett komisch sein. Aber ganz klar: Wir sind erst mal glücklich, dass wir das zweite Mal in Folge im Finale sind. Das ist etwas Außergewöhnliches.

Ist es jetzt ein Vorteil, dass Frankfurts Trainer im Pokalfinale gegen seinen neuen Club spielt und deshalb besonders motiviert ist – oder ein Nachteil, weil er schon mit den Gedanken bei Bayern ist?

Es ist eine schöne Story, nichts anderes. Aber damit können alle Beteiligten ganz gut umgehen.

Wenn es nicht mit dem Pokalsieg und der Qualifikation für die Europa League klappt, ist Europa sicher nächstes Jahr das Ziel für Frankfurt ...

Mit Sicherheit nicht. Wir fangen wieder bei null an, wie andere Clubs auch. Die Bundesliga lässt dich schön bescheiden bleiben, intern werden wir uns aber immer hohe Ziele setzten. Wir sind aber weit weg davon, im nächsten Jahr den Anspruch stellen zu können, jetzt muss es aber Europa sein.

Gehören Sie zu denen, die jammern, dass die Bundesliga langweilig geworden ist und was geändert werden muss?

Langweilig ist es vielleicht, wenn es um die Meisterschaft geht. Der Charakter der Liga, wie wir Fußball spielen, wie unser System mit Auf- und Abstieg ist – das ist Spannung pur.

Aber der Videobeweis ist nicht Ihr Ding, Zitat von Ihnen: „Das ist nicht mehr mein Fußball“ ...

Ich bin ein großer Befürworter des Videobeweises gewesen – aber in den letzten Wochen gab es genügend Beispiele, wo ich komplett anderer Meinung war. Und deshalb wird mir der Videobeweis, so wie er angewendet wird, langsam unsympathisch. Das hat aber nichts mit Entscheidungen für oder gegen Eintracht Frankfurt zu tun.

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