08. Februar 2018 / 09:55 Uhr

Freestyle-Ski-Star Lisa Zimmermann im Interview: "Ich poste nix, was ich nicht will"

Freestyle-Ski-Star Lisa Zimmermann im Interview: "Ich poste nix, was ich nicht will"

Stefan Döring
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Ski-Freestylerin Lisa Zimmermann fehlt verletzt bei den Olympischen Winterspielen 2018, hat sich stattdessen für den Playboy ausgezogen.
Ski-Freestylerin Lisa Zimmermann fehlt verletzt bei den Olympischen Winterspielen 2018, hat sich stattdessen für den "Playboy" ausgezogen. © dpa/Screenshot Instagram @playboygermany/Montage
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Sie entblößt sich für den Playboy, fehlt aber bei Olympia 2018: Die Freestylerin Lisa Zimmermann spricht im SPORTBUZZER über Social-Media-Strategien, ihre noch junge Karriere und ihre schwere Knieverletzung.

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Nicht bei Olympia 2018 am Start, aber trotzdem in aller Munde: Freestyle-Ski-Star Lisa Zimmermann hat sich für den Playboy ausgezogen und damit deutschlandweit Bekanntheit erlangt. Die Weltmeisterin ziert die aktuelle Ausgabe des Männermagazins und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf eine Sportart, die erst seit 2014 olympisch ist.

Wer ist die schöne 21-Jährige, was treibt sie um? Der SPORTBUZZER traf Lisa Zimmermann während ihrer Reha in Innsbruck. Inzwischen ist sie wieder auf Skiern unterwegs - Pyeongchang kommt aber trotzdem zu früh. Ein Gespräch über ihr Auftreten in den sozialen Medien, die Zeit nach der Verletzung und die Bedeutung von Freestyle im Deutschen Ski-Verband.

SPORTBUZZER: Sucht man nach Ihnen im Internet, findet man viele Treffer mit Geschichten über Bilder, die Sie in sozialen Medien posten. Ist dies das Schicksal der jungen Generation?

Lisa Zimmermann: Ich nehme das nicht wahr. Ich lebe hier ein bisschen in einer Blase und beschäftige mich nicht damit, was über mich geschrieben wird. Mir ist das aber auch ziemlich egal. Wenn ich etwas im Internet poste, weiß ich, dass es viele Leute erreichen kann. Ich poste nix, was ich nicht will.

Ist Social Media für Sie als junge Sportlerin in einer jungen Sportart besonders wichtig, um sich zu verkaufen?

Ja. Ich nutze meine Kanäle insbesondere deshalb. Als Freestylerin habe ich angefangen meine Videos und Fotos von der Piste hochzuladen, weil man das so macht. Inzwischen habe ich viele Sponsoren, die dafür bezahlen, damit ich Bilder hochlade.

Auf Ihren Kanälen sieht man Sie im Sommer häufig am Strand oder beim Surfen. Was ist mit dem Spruch: Skifahrer werden im Sommer gemacht?

Das kann sein, aber für meine Freunde und mich gibt es da andere Gründe. Ich muss motiviert sein und das kommt, wenn ich im Sommer meine Ski und den Schnee nicht mehr sehe. Danach komme ich besser zurück. Ich brauche eine richtige Sommerpause und eine Pause für meinen Körper. Aber das heißt nicht, dass ich nicht trainiere.

Sie sind heute das Gesicht des Freestyles in Deutschland. Dabei waren Sie als Jugendliche noch recht ambitionierte Eisläuferin. Woher kam die Leidenschaft zum Skifahren?

Mein Bruder ist früher am Wochenende immer zum Skifahren gegangen und ich war nicht mehr richtig motiviert beim Eiskunstlaufen. Ich saß viel im Zug und musste von Rosenheim immer nach München fahren. Dort hatte ich Einzeltraining. Ich war fast den gesamten Tag dadurch allein. Dann haben mein Vater und mein Bruder mich zum Skifahren mitgenommen – auch wenn das damals nicht jeder wusste. Vor allem die Trainer nicht. (lacht)

In Ihrem Sport sind ähnliche Fähigkeiten gefordert wie beim Eiskunstlaufen – zumindest bei den Tricks. Die Ausbildung auf dem Eis hat Ihnen also geholfen, oder?

Ja, zumindest am Anfang. Ich konnte sofort die Drehungen und war auch sportlich. Ich habe mir den Eislaufstil aber etwas abtrainiert, weil die Jury bei der Punktevergabe das nicht gut fand. Es geht in unserer Sportart viel um den Style. Da ist es nicht hilfreich, wenn ich zu steif bin. Außerdem kann ich heute viel besser Skifahren. Da muss ich nicht mehr so sehr über die Technik in der Luft kommen. Als ich angefangen habe, konnte ich eigentlich überhaupt nicht normal Ski fahren. Ich bin immer nur gesprungen.

​"Ich fahre nicht, damit ich einen Wettbewerb gewinne"

Innerhalb von vier Jahren haben Sie es von einer blutigen Anfängerin zur Weltmeisterin geschafft. Wie ging das?

Nicht mit harter Arbeit (lacht). Mir macht der Sport Spaß und deshalb habe ich das erreicht. Wenn ich motiviert bin und Spaß habe, bin ich erfolgreich. Ich fahre nicht, damit ich einen Wettbewerb gewinne. Mein Ziel ist es, dass ich meine Tricks schaffe, die ich mir vornehme. Ich will neue Sachen lernen und zeigen. Wenn ich in den Modus verfalle, etwas unbedingt gewinnen zu wollen, fahre ich schlecht.

Sie sind Weltmeisterin im Slopestyle geworden und haben im vergangenen Jahr bei den X-Games – die Olympischen Spiele für die Funsport-Arten – auf der Schanze Gold gewonnen. Welcher Sieg ist Ihnen mehr Wert?

Eigentlich ist es mir nicht so wichtig, dass ich gewinne. Von daher kann ich das schwer beurteilen. Aber für uns Freestyler sind die X-Games dann doch mehr wert. Auch für die Medien – ich habe mehr Anfragen bekommen. Auch von Sponsoren.

​"Die Olympischen Spiele werden gehypt"

2014 war Ihre Sportart erstmals olympisch. Können Sie die X-Games und die Olympischen Spiele miteinander vergleichen?

Im Prinzip ist es egal, an welchem Wettbewerb ich teilnehme. Es sind immer die gleichen Leute dabei. Sei es bei einem Weltcup, bei den Olympischen Spielen oder einem anderen Contest. Das Besondere an den X-Games: Da werden nur die allerbesten Fahrer eingeladen. Die Olympischen Spiele werden von der Öffentlichkeit gehypt. Für uns Fahrer macht es aber keinen Unterschied, welcher Wettbewerb es gerade ist. Bei den Olympischen Spielen habe ich viel Spaß beim Drumherum gehabt. Als unsere Wettbewerbe beendet waren, habe ich mir viele andere Sportarten angeguckt.

Durch die Aufnahme ins Olympische Programm unterliegt Ihre Sportart auch den Regeln des Skiverbandes. Wie locker ist Freestyle also noch?

Es wird immer geregelter. Die Trainer und die Verbände machen den Sport anders als früher, als es vor allem um den Spaß ging. Heute fängt es schon beim Training an: Manche Nationen haben so viel Geld, dass sie eine Schanze bauen und ein großes Luftkissen haben. Da lernen die Sportler viel mehr und schneller Tricks, weil sie sich einfach nicht wehtun. Andere Nationen können es sich nicht einmal leisten, eine Schanze zu bauen. Es geht weniger um Talent als ums Geld.

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Wie vereinbaren Sie Ihre Skepsis mit dem Dasein im Deutschen Skiverband?

Ich mache mein eigenes Ding. Wir haben in Deutschland nicht so viele Trainingsmöglichkeiten und ich trainiere häufig mit meinen Freunden in Österreich. Durch meine Sponsoren kann ich mir das Training leisten. Aber auch ich muss mir was überlegen, wie ich mit Fahrern anderer Nationen noch mithalten kann. Ich mache aber viel durch mein Talent wett. Als ich vor der WM einen Fitnesstest machen sollte, bin ich durchgefallen. Der deutsche Skiverband wollte mich daher zuerst nicht starten lassen. Ich musste dann Formulare ausfüllen, dass ich im Falle einer Verletzung das alleinige Risiko trage. Dann gewinne ich die WM und habe seitdem nie wieder etwas von einem Fitnesstest gehört (lacht).

Wie viel Style ist in Ihrem Sport noch wichtig, wo es doch immer mehr auf die Athletik ankommt?

Ich hoffe, dass es wieder wichtiger wird. Irgendwann ist das Machbare ausgereizt, dann kann man sich nicht mehr häufiger drehen. Dadurch, dass es heute jeder technisch lernt, sehen die Tricks auch bei jedem gleich aus. Wer will das schon?

​"Ich war erstaunlich glücklich ohne Sport"

Nach Ihrem Erfolg bei den X-Games haben Sie sich eine schwere Knieverletzung zugezogen. Ausgerechnet vor dem Olympia-Winter. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich war erstaunlich glücklich ohne Sport. Irgendwann bin ich aber fast verzweifelt, weil ich Bewegungsdrang hatte und nichts machen durfte. Ich durfte nicht skaten gehen, nicht Skifahren gehen. Ich konnte mit meinen Freunden nichts unternehmen, weil ich vom Training so fertig war. Ich bin nicht der Typ, der Kaffee trinken geht. Und muss mich bewegen.

Ist Ihnen vor der Verletzung bewusst gewesen, wie gefährlich der eigentlich ist?

Ich finde den Sport noch immer nicht gefährlich – so lange man sein Gehirn einschaltet. Außerdem tasten wir uns bei unseren Sprüngen heran. Es kann überall etwas passieren. In Innsbruck laufen ständig verletzte Leute rum – und die meisten sind keine Sportler. Ich weiß ja, was ich mache (lacht). Nur wenn das Wetter schlecht ist, wird es gefährlich. Bei einem Contest muss ich dann aber trotzdem fahren. Deswegen hasse ich die Wettbewerbe. Ich bin dann oft die Erste, die sagt, dass ich nicht richtig fahre. Wenn es windig ist, dann kann ich nicht alles riskieren, weil ich nicht weiß, wo ich lande. Ich habe es einmal wegen der Olympia-Qualifikation gemacht – und habe mich schwer verletzt. Ich habe nur an die Punkte gedacht und nicht an mich.

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Wie reagieren Ihre Eltern?

Mein Vater probiert es sogar selbst ab und zu im Funpark. Er fährt dann die kleinen Kicker, wenn ich über die großen jage. Meine Mutter findet es auch cool, was ich mache. Selbst meine Oma ist häufig dabei und guckt zu.

Ist Freestyle der Wintersport der Zukunft?

Dafür muss es für normale Leute erschwinglich sein. Wenn wir Athleten krasse Tricks machen, ist es für die Zuschauer vielleicht cool. Aber die Kinder können das kaum mehr erreichen, wenn sie nicht die Trainingsmöglichkeiten haben. Komischerweise kennen sich übrigens ältere Leute besser mit unserem Sport aus, als junge Leute. Die haben das alle im Fernsehen verfolgt.

Viele Freestyler leben von hochwertig produzierten Filmen. Von Ihnen gibt es die kaum. Warum?

Am Anfang habe ich viele kleinere Filme gemacht – aber eher aus Spaß. Seit drei Jahren will ich gern einen großen Film machen. Stattdessen fahre ich die Contests. Jeder sagt mir, so lange ich noch ohne den ganz großen Aufwand erfolgreich bin, soll ich das mitnehmen, weil es in der großen Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit erregt.

Wie wichtig ist Ihnen Musik auf der Piste?

Bei den Tricks selbst höre ich die Musik nicht, da blende ich alles andere aus. Wenn ich chille, bleibe ich durch die Musik motiviert. Durch die Musik erinnere ich mich an Tricks, die ich in Videos gesehen habe. Die Musik pusht mich.

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