03. Januar 2019 / 10:49 Uhr

"Fünf Siege in sieben Spielen waren nicht abzusehen": Egestorfs Trainer Paul Nieber im Interview (Teil 1)

"Fünf Siege in sieben Spielen waren nicht abzusehen": Egestorfs Trainer Paul Nieber im Interview (Teil 1)

David Lidón
Egestorfs Trainer Paul Nieber 
hat aktuell Erfolg.
Egestorfs Trainer Paul Nieber hat aktuell Erfolg. © deisterpics/Stefan Zwing
Anzeige

Er übernahm nach dem Rücktritt von Jan Zimmermann und führte den 1.FC Germania Egestorf/Langreder auf Platz acht. Nach sieben Spielen stehen fünf Siege bei nur zwei Niederlagen zu Buche. Im ersten Teil des Interviews erklärt Paul Nieber, wie es zum Engagement kam, was das Erfolgsgeheimnis der Egestorfer ist und wie er mit Ex-Coach Jan Zimmermann in Kontakt bleibt.

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Herr Nieber, hätten Sie mit dem Klasselauf der Germania gerechnet, seitdem Sie übernommen haben?

Im Trainerteam hatten wir uns eine Zielvorgabe gesetzt, die übertroffen wurde. Dass wir in sieben Spielen gegen solch starke Gegner fünfmal gewinnen, war so nicht abzusehen.

Wie ist die Germania nach Jan Zimmermanns Rücktritt auf Sie zugekommen?

Für uns alle war überraschend, dass Jan nicht mehr zur Verfügung stand. Präsident Ralf Dismer hat mich dann gebeten die Aufgabe zu übernehmen. Ich betreute zu diesem Zeitpunkt die U19 des JFV Calenberger Land und hatte nicht mit dem Angebot gerechnet.

War es der Kick der Herausforderung bei Ihnen?

Man sucht immer sportliche Herausforderungen, aber als Suche nach einem Kick würde ich es nicht beschreiben. Ich habe vorher keine Seniorenmannschaft trainiert, es reizte mich aber, in diesen Bereich reinzugucken.

Wie sieht Ihr fußballerischer Werdegang aus?

Ich bin in Hannover geboren, aber in Bad Münder aufgewachsen. Ich war dort bei der TuSpo in der U19 bereits eine Zeit lang Spielertrainer. Während des Studiums war ich im Nachwuchsbereich von Hannover 96 tätig, spielte parallel bei den Männern des FC Springe, wo ich die U19 über drei Jahre trainieren sollte. Nach zwei Spielzeiten bei der SG Blaues Wunder, ging ich als Spieler dann für zwei Jahre zum FC Eldagsen, übernahm zu der Zeit Scoutingaufgaben in Egestorf. Ich habe beispielsweise die Gegner in der Regionalliga-Aufstiegsrelegation beobachtet. Anschließend wurde ich Sportlicher Leiter bei der Germania.

Das letzte Spiel unter Benbennek: TSV Havelse zu Gast beim 1. FC Germania Egestorf/Langreder

Havelses Trainer Christian Benbennek gibt die Richtung vor. Zur Galerie
Havelses Trainer Christian Benbennek gibt die Richtung vor. ©
Anzeige

Sie waren also schon zuvor nah an der ersten Mannschaft dran?

Nicht in der täglichen Trainingsarbeit, eher im Hintergrund. Es gab vereinzelt Einheiten, in welchen ich mit Zimmermanns Co-Trainer Jens Jansen die Trainingssteurung übernahm. Daher kannte ich die Spieler bereits.

Wie reagiert eine Regionalligamannschaft, wenn ein 30-jähriger neuer Coach sich vorstellt?

Von der Ansprache ist das natürlich schon ein Unterschied zu meinem U19-Team. Da wir aber ohnehin eine sehr junge Mannschaft haben – nur Christoph Beismann ist älter als ich im Kader – war die Umstellung nicht gigantisch.

Wie sind Sie die erste Trainingseinheit nach 7,5 Jahren Zimmermann angegangen?

Da das erste Spiel zeitnah war, habe ich die Ansprache kurz gehalten, um die Spieler schnell ins Handeln zu bekommen.

Haben Sie in Egestorf alles auf links gekrempelt?

Nein. Ich verstehe mich gut mit Jan Zimmermann, wir haben eine ähnliche Vorstellung von Fußball. Ich sagte den Jungs, dass sie nicht erwarten sollen, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Wir haben als Trainerteam zunächst nur kleine Stellschreiben gedreht.

Wie sieht diese Vorstellung von Fußball und das Drehen der Stellschrauben aus?

Wir sind eine Mannschaft, die über eine kompakte Verteidigung und schnelles Umschalten nach vorn kommen will. Ich möchte aber auch, dass wir unsere Ballbesitzphasen in Zukunft länger gestalten. Ich bevorzuge aktuell ein System mit zwei Spitzen. Auch das Lenkverhalten haben wir ein bisschen verändert.

Mehr aus der Region

Zimmermann hatte eine enge Bindung zur Mannschaft. Wie halten Sie das?

Jeder Trainer schätzt Stärken und Schwächen seiner Spieler unterschiedlich ein. Am Ende wird im Trainerteam aber eine objektive Entscheidung getroffen, die am Wochenende am besten für die Mannschaft ist. Aus meiner Sicht sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, dass es 11 Stammspieler, 7 Auswechselspieler und 5 Reservisten gibt. Wichtiger ist: Welcher Spieler passt besser zu seinem Gegenspieler? Wer verhält sich in einem bestimmten Raum auf dem Platz besser?

Christoph Beismann hatte eine schwere Zeit im ersten Saisondrittel. Seitdem Sie Trainer sind, trifft er in fast jedem Spiel...

Beisi braucht nicht viele Chancen. Ihm kommt jetzt zugute, dass er vorne einen Spieler neben sich hat, mit dem er ins Kombinationsspiel kommen kann. Er muss nicht immer selber gehen, kann auch mal querlegen oder Doppelpass spielen.

Wie erklären Sie sich die Erfolgsserie der Germania?

Wir hatten auch im ersten Saisondrittel eine gute Mannschaft, zuletzt haben wir aber zu den richtigen Zeitpunkten die Tore gemacht. Alle Spieler haben sich total eingebracht, auch im Training. Viele Jungs, die in den Partien von der Bank gekommen sind, waren dann mit entscheidend. Das war sicherlich ein Faktor zuletzt.

Das sind die besten Torschützen aus der Region Hannover in der Regionalliga Nord (Stand: 02.12.2018)

7 Tore Zur Galerie
7 Tore ©

Warum hat das unter Zimmermann dann nicht mehr so gut geklappt?

Unter Jan waren die Spiele zuletzt ja nicht schlecht, die Ergebnisse haben nur nicht gepasst. Wir haben in den vergangen Wochen sehr entschlossen verteidigt, aber auch geduldig auf unsere Möglichkeiten gewartet. Vor dem Tor waren wir sehr effizient. Das haben wir uns erarbeitet, und wenn du in der 80. Minute durch ein Traumtor gewinnst, ist auch mehr Selbstvertrauen da. Das 0:4 im letzten Spiel gegen Weiche Flensburg hat aber auch gezeigt, dass wir weiter hart arbeiten müssen um Punkte einzufahren.

Wie war der Kontakt zu Zimmermann nach seinem Rücktritt?

Ich schätze Jan. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Nach den ersten Spielen haben wir ein paar Whatsappnachrichten hin- und hergeschickt.

Was sagen Sie zu seinem Havelse-Engagement?

Das hätte ich vor einigen Wochen nicht erwartet, die Sache verdichtete sich dann aber.

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Hannover
Sport aus aller Welt