©

"Für uns ist das ein großes Abenteuer"

Sven George trainiert seit dieser Saison das Kreisklasse-Team "Welcome United" vom SV Babelsberg 03.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Seit einigen Monaten ist der Potsdamer Sven George der verantwortliche Trainer für das Flüchlingsteam des SV Babelsberg 03, "Welcome United", welches in der 2. Kreisklasse Havelland (C) seine Premierensaison bestreitet. Nicht nur im Fußballkreis Havelland, deutschlandweit gibt es bislang keine Mannschaft im regulären Spielbetrieb, die ausschließlich aus Flüchtlingen besteht. Im Sommer 2014 gegründet und seitdem offen für Flüchtlinge jeglicher Nationen haben sich bislang mehr als 60 Kicker bei der Mannschaft angemeldet, die in der Saison 2014/15 ausschließlich Test- und Freundschaftsspiele bestritt. Deutschlandweit hat diese Initiative inzwischen für Aufsehen und Anerkennung gesorgt. U.a. der DFB und das Fußballmagazin "11 Freunde" zeichneten das Projekt aus.

Der 35-Jährige Sven George begann das Kicken beim SV Rehbrücke 05, für den er 13 Jahre lang spielte, ehe er bei den Randpotsdamern für drei Jahre auf die Trainerbank wechselte. Von dort zog es den Software-Techniker 2010 zur PSU, die er bis zur vergangenen Spielzeit coachte. Seit dieser Saison ist Sven George verantwortlicher Trainer des „Welcome United“-Teams. Wir haben mit ihm über seine neue Aufgabe gesprochen.

Das erste Punktspiel am vergangenen Wochenende im Kreispokal wurde gegen den USV Potsdam erfolgreich absolviert. Wie lautet Ihr Fazit?

Ich bin zufrieden mit dem Sieg, auch wenn er am Ende etwas zu hoch ausfiel. Man hat deutlich gesehen, dass es im Pflichtspiel körperlich viel robuster zugeht, als es unsere Spieler in Test- und Freundschaftsspielen gewohnt sind. Das müssen und werden die Jungs lernen. Wir sind jedoch spielerisch in der Lage, darauf die richtige Antwort zu geben. Ich sehe uns für die Saison auf einem guten Weg.

Was ist die größte Herausforderung als Trainer dieser Mannschaft?

Ich brauche den Spielern nicht viel über Fußball erzählen, dass können sie besser als ich. Die Kunst ist es, aus vielen Individuen unterschiedlichster Herkunftsländer eine Mannschaft zu formen. Wir haben wahnsinnig verschiedene Kulturen und Mentalitäten im Team, die zudem viele verschiedene Sprachen sprechen. Daraus gilt es, eine Einheit zu bilden. Wir müssen vornehmlich durch die Punkt- und Pflichtspiele zusammenfinden. Denn nach wie vor bieten wir wöchentlich unsere offene Trainingseinheit an, zu denen Jeder willkommen ist. Dadurch gibt es in diesen Einheiten immer wieder neue Gesichter. Der feste Kader, der sich für die Saison, die wir in der Kreisklasse bestreiten werden, herauskristallisiert hat, trainiert noch einmal zusätzlich und muss vor allem in den Spielen zusammenwachsen und sich dort als Team bewähren.

Hat sich die Aufgabe seitdem als etwas Besonderes erwiesen?

Ganz viele andere Vereine engagieren sich ebenfalls stark für die Integration von ausländischen Spielern. Es ist mir wahnsinnig wichtig, dass ich hier keine Alleinstellungsrolle einnehmen will. Unser Ziel ist es, dass das eines Tages überhaupt nichts Besonderes mehr, sondern die Normalität ist. Diese Menschen sind hier, weil sie hier sein wollen oder müssen. Das sollte normal sein, sie gehören einfach dazu. Das ist unsere Vision. Und dafür engagiert sich das Gros der Vereine.

Jubel nach dem 8:2-Kreispokalsieg am vergangenen Sonntag gegen den USV.

Dem Auftakt in die Kreisklassen-Saison blicken Sie entspannt entgegen?

Für uns ist das schon ein großes Abenteuer. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert. Am Ende sind wir 20 Jungs, die einfach nur Fußball spielen wollen. Und darum geht es doch schlussendlich.

Und doch ist Ihre Situation eine Besondere. Jederzeit besteht die Möglichkeit der Abschiebung für Ihre Spieler. Wann legen Sie Ihre Startformation fest?

Eine Stunde vor dem Spiel. Das kenne ich aus dieser Liga aber nicht anders. In der Kreisklasse weiß man ja generell öfter nicht, ob wirklich alle Spieler wie vereinbart zum Spiel erscheinen.

Wie kommunizieren Sie mit den Spielern?

Meistens, auch während des Spiels, auf Englisch. Die meisten Spieler sind sehr begierig darauf und dabei, die deutsche Sprache zu erlernen. Daher mache ich Besprechungen vor Spielen oder beim Training oft auch auf Deutsch und Englisch. Auf dem Platz verständigen sich viele von ihnen dann auf Französisch oder auch Arabisch.

Wie lange haben Sie überlegt, als Ihnen der Trainerposten für diese Mannschaft angeboten wurde?

Gar nicht. Sich zu engagieren ist für mich generell ein wichtiges Thema. Daher war die Zusage für mich auch schnell klar. Ich hatte mich vorher schon mit diesem Projekt beschäftigt. Hassan, der die Mannschaft in der vergangenen Saison als Trainer betreut hat, hat in den vergangenen Jahren für die PSU gespielt, die ich als Trainer betreut habe. So kam der Kontakt und auch das Interesse an diesem Projekt zustande. Das Gespräch mit dem SVB dauerte nicht länger als 20 Minuten, dann war für beide Seiten klar - ich mach das. Schon seit April bin ich Stück für Stück in die Mannschaft mit reingerutscht. Als positiv empfinde ich es übrigens, dass aus verschiedenen Gründen der Wunsch nach einem deutschen Trainer aus der Mannschaft heraus kam. Das erleichtert mir natürlich einiges. Ebenso wie das Team, welches mich sehr unterstützt, allen voran Hassan als vorheriger Trainer, Thoralf Höntze vom SVB und Manja Thieme als Initiatorin des Projekts. Allein wäre das gar nicht zu schaffen. Allein die Dimensionen des medialen Interesses gehen weit über das hinaus, was ich mir vorgestellt hatte. 

Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen Ihnen und der Mannschaft viel Erfolg für die Saison!

SV Babelsberg 03 2.Kreisklasse Kreis Havelland 2. Kreisklasse C (Herren) Region/Brandenburg Babelsberg 03 Welcome United 3 (Herren)

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige