11. Oktober 2018 / 16:47 Uhr

Fußballerinnen im Kreis Göttingen heimlich beim Duschen gefilmt

Fußballerinnen im Kreis Göttingen heimlich beim Duschen gefilmt

Redaktion Sportbuzzer
„Das ist ein extremer Eingriff in die Privatsphäre“: In Sieboldshausen hat ein Unbekannter Fußballerinnen heimlich beim Duschen gefilmt (Symbolbild).
„Das ist ein extremer Eingriff in die Privatsphäre“: In Sieboldshausen hat ein Unbekannter Fußballerinnen heimlich beim Duschen gefilmt (Symbolbild). © r
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Einem Fall von Voyeurismus im Sporthaus Sieboldshausen geht die Polizei nach: Nach dem Frauenfußball-Pokalspiel zwischen der SG Grone/Sieboldshausen und dem VfL Olympia Duderstadt (6:0) am 3. Oktober wurde in der Dusche des Sporthauses eine Kamera entdeckt.

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SG-Trainer Meikel Lustig bestätigte den Fall gegenüber dem SPORTBUZZER. Laut Lustig sei die Kamera von Marion Riedel, SG-Torhüterin sowie Ehefrau des Groß Ellershäuser Trainers Andreas Riedel, gefunden worden. „Wer so etwas macht, hat in meinen Augen sehr, sehr wenig Intelligenz und Courage“, sagte Lustig. „Das ist ein extremer Eingriff in die Privatsphäre.“ Deshalb habe man den Vorfall auch bei der Polizei angezeigt.

Die erste Maßnahme in Sieboldshausen ist ein zusätzliches Schloss an der Tür zur Dusche. Und: Es wird zukünftig nach dem Vier-Augen-Prinzip vorgegangen, erklärte Lustig. Das sei gemeinsam vor dem Kreisligaspiel am vergangenen Sonntag gegen Tuspo Weser Gimte (1:2) beschlossen worden – vor und nach dem Spiel wird von mindestens zwei Spielerinnen die Dusche inspiziert. So wurde es zum ersten Mal vor dem Gimte-Spiel praktiziert.

„Es ist wahrscheinlich niemand so dumm, das in dieser Situation noch mal zu versuchen. Aber wir wollen den Fußballerinnen Sicherheit vermitteln“, sagte Lustig über die Sicherheitsvorkehrungen. Der zusätzliche Schlüssel hängt nun am Kabinenschlüsselbund. Nach dem Spiel gegen Weser Gimte habe zuerst der Schiedsrichter die Dusche für sich beanspruchen können, im Anschluss wurde inspiziert, und erst danach wurde die Dusche von den beiden Teams genutzt.

Polizei ermittelt gegen unbekannt

Jasmin Kaatz, Sprecherin der Polizei Göttingen, bestätigte die Anzeige. Die Polizei habe daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet. Der Tatbestand nach Angaben von Kaatz: Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen. Ein Vergehen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden kann.

Die Polizei hat die kleine Videokamera sichergestellt. Diese sei etwa 9 mal 4 Zentimeter groß, aus Kunststoff und unter dem Waschbecken des Duschraums angebracht gewesen, erklärte Kaatz. Die Kamera habe nach ersten Erkenntnissen der Polizei mittels eines Bewegungsmelders ausgelöst. Das Beweismittel werde derzeit auf Spuren untersucht. Außerdem werteten die Ermittler die SD-Karte aus.

NFV: Kein ähnlicher Fall bekannt

Auch der Kreis Göttingen-Osterode im Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) ist über den Vorgang informiert worden. „Ich habe mich sofort mit dem NFV in Verbindung gesetzt“, berichtete der Vorsitzende Hans-Dieter Dethlefs. Resultat: Weder NFV-Direktor Bastian Hellberg noch Sebastian Ratzsch, der im Bereich der NFV-Arbeitsgemeinschaft Sexualisierte Gewalt tätig ist, hätten von einem ähnlichen Fall gehört.

Dethlefs informierte in diesem Zusammenhang ebenfalls die Kreisliga-Konkurrenten der SG Grone/Sieboldshausen über die Vorkommnisse. Auch der Trainer des VfL Olympia Duderstadt habe sich bei ihm gemeldet, berichtete er – die Verunsicherung ist groß. Auf einer Sitzung am 21. Oktober in Barsinghausen sollen mögliche Konsequenzen diskutiert werden.

„Ich hoffe aber, dass die Polizei denjenigen findet"

Damit die Kamera-Affäre sich nicht unnötig negativ auf den Ruf der SG Grone/Sieboldshausen auswirkt, wollte sich Marion Riedel nicht eingehend über den Vorfall äußern. „Ich hoffe aber, dass die Polizei denjenigen findet und dass der einen zwischen die Hörner kriegt“, sagte sie. Und sie hofft, dass es sich lediglich um einen Dummen-Jungen-Streich handelt und nicht noch mehr an der Sache dran ist.

Auch Meikel Lustig sieht die Gefahr, dass die Geschichte schlecht sein könnte für den Ruf der SG, „wegen etwas, für das die Damenmannschaft absolut nichts kann“. Der SG-Trainer würde im Hinblick auf die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen aber nun „die Hand dafür ins Feuer legen, dass so etwas nicht noch mal passiert“.

Von Eduard Warda und Andreas Fuhrmann

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